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Archiv Besinnung und Glaube

Fastenbesinnung – Pfarrer Stephan Wolff – 2013

Lebensfrust und Glaubensschwund – Pfarrer Stephan Wolff

Über 120 Teilnehmer fanden sich am Nachmittag des 16. März im Eltzerhof ein, um bei der traditionellen Fastenmeditation des Katholischen Lesevereins dabei zu sein.
Der Vorsitzende der „Lese“, Dr. E. Thul begrüße die Anwesenden und den Referenten der Besinnung sehr herzlich.

Stephan Wolff, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Koblenz-Innenstadt Dreifaltigkeit, legte in eindrucksvoller Weise die Lebens- und Glaubenssituation der jungen Generation in Deutschland dar, die von Lebensfrust und Glaubensschwund geprägt sind.

Die Zusammensetzung der Gottesdienstbesucher nach Altersgruppen lasse erkennen, dass unsere Gemeinden von der Wurzel her ausgehöhlt werden, d.h. sie sind überaltert. Mit dem Verzicht auf Kontakt mit der Kirche gehe ein deutlich verringertes Vertrauen in die Kompetenz der Kirche einher. Nur ein Viertel der Jugend habe Vertrauen in die Kirche. Kompetenz werde der Kirche noch bei der Vorbereitung auf den Tod und hinsichtlich der Bewältigung der Sinnfrage zugebilligt.
Zu den schlechten Zeichen für die Zukunft unserer Kirche gehöre auch das Verschwinden religiöser Symbole und Riten aus Familie und Öffentlichkeit, wie der weitgehende Wegfall des Tischgebets. Am schwersten wiege das dramatische Desinteresse, religiöse Überlegungen an die nächste Generation zu vermitteln.
Ein Weg aus dieser Sackgasse sei die Glaubensweitergabe als Lebensbegleitung und Lebensdeutung. Unterrichtliches Bemühen laufe weitgehend ins Leere, da der Lebenshintergrund fehle. Wichtig sei die Kirche als Weggemeinschaft und pilgerndes Gottesvolk, die Entwicklung eines bestimmten Konzepts personaler Beziehung. Dies besage, dass die Hinwendung einer Person zu einer anderen diese nicht vereinnahmt oder verdrängt, sondern in ihrem Selbstsein freisetzt.

In der Diskussion des Vorgetragenen meldeten sich einige Teilnehmer, die zum Teil von hoffnungsvollen Aspekten der Glaubensweitergabe an Kinder und Enkel berichteten.

Der Besinnungsnachmittag setzte sich fort in einem Gottesdienst in der Basilika St. Kastor, dem Stephan Wolff vorstand. Die Predigt hielt unser Vereinsmitglied Diakon Horst Dany, die in der anschließenden Agape im Elzerhof bei „Brot und Wein“ große Aufmerksamkeit erfuhr.

Bei guten und frohmachenden Gesprächen spürten alle die Wichtigkeit solcher Besinnungstage, welche das Miteinander der „Lese“ fördern und stärken.

Dr. E. Thul

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Adventbesinnung – Prälat Hans Lambert – 2012

Mit Maria glauben lernen – »Im Jahr des Glaubens« – Prälat Hans Lambert

Am Fest der Erwählung Mariens – 08. Dezember 2012 – begrüßte der Vorsitzende der Lese, Dr. E. Thul die Lesefamilie, die zusammengekommen war, um im Stift Eltzerhof mit Prälat Hans Lambert, Koblenz, einen adventlichen Besinnungsnachmittag zu erleben.

An Hand biblischer Texte zeichnete er die Gottesmutter als die makellos Erwählte, als die besorgte Mutter (Hochzeit zu Kana), als die Schmerzensreiche (Dir aber wird ein Schwert durch die Seele dringen), welche unter dem Kreuz Christi den schrecklichen Tod ihres Sohnes erlitt, während Jesu Jünger, außer Johannes, schon das Weite gesucht hatten, und zuletzt Maria als Urbild und Mutter der Kirche (das Verharren im Gebet mit den Aposteln vor der Herabkunft des Heiligen Geistes, dem sogenannten Pfingstfest).

Prälat Lambert sprach auch aktuelle Themen an, welche viele Gläubige bewegen: Priestermangel, Diakonat der Frauen, Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zum Abendmahl, der Umgang mit Missbrauchsopfern und Tätern.

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Fastenbesinnung – Weihbischof J. M. Peters – 2012

»und führe zusammen, was getrennt ist«
Wallfahrt zum Heiligen Rock ist eine »zeitgemäße Reliquienverehrung als „Tuch“- Fühlung zu Christus“«
Weihbischof J. M. Peters

Der jährliche Fastenbesinnungstag des bald 150-jährigen Katholischen Lesevereins im Eltzerhof stand unter dem Motto

»Führe zusammen, was getrennt ist«.

Vom Referenten, dem Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters, wurde dieses Thema der diesjährigen Wallfahrt zum „Gedankenspiel christlicher Glaubenswege“ erweitert. In der Fastenzeit „den in den Blick zu nehmen, um den es geht, nämlich Christus, heiße, seine Sendung zu erfüllen und die verheißene Erlösung, die keine Zukunftsmusik sei, sondern durch den Kreuzestod Christi bereits Realität, anzunehmen“.
Die von über 1500 Helfern bestens vorbereitete Wallfahrt nach Trier zwischen dem 13. April und dem 13. Mai 2012 sei eine ausgezeichnete Gelegenheit, dem eigenen Glauben in der großen Gemeinschaft vieler Gläubiger nachzuspüren.
Seit dem Jahre 1512 gibt es die Wallfahrt zum Heiligen Rock, zuletzt fand sie im Jahre 1996 statt. Stets sind Hunderttausende von Gläubigen zu diesen Anlässen nach Trier gekommen.
Die Verehrung von Reliquien in der katholischen Kirche sei durchaus zeitgemäß, sagte der Weihbischof. Sie erfülle den Wunsch der Menschen nach Symbolen der Erinnerung und des Gedenkens, wie sie auch im Aufbewahren von persönlichen Erinnerungsstücken an Verwandte und Freunde im privaten Bereich zum Ausdruck kommen. Mit dem Tod trennen sich zwar Leib und Seele des Menschen, die geistige Erinnerung und Symbole aber verbleiben über den Tag hinaus.
Mit der Verehrung des Heiligen Rocks wird nicht der Verstand, sondern das Herz des Menschen getroffen. Der Mensch geht in seinen Fürbitten auf „Tuch“-Fühlung zu Christus.
Der ungeteilte Rock kann auch als Symbol für die eine Kirche in der ökumenischen Glaubensgemeinschaft gelten, was besonders das Motto „Führe zusammen, was getrennt ist“ belege.
Der Vorsitzende des Katholischen Lesevereins, Dr. Ewald Thul, hatte bereits in seiner Begrüßung zum Ausdruck gebracht, dass „die Trennung der Kirche durch Menschen erfolgt sei, die sie nun auch wieder zusammen führen sollten“.
Der Weihbischof nannte es besonders großartig, dass sich erstmals auch die Evangelische Kirche des Rheinlandes mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands, Präses Nikolaus Schneider an der Spitze, nach ausführlicher Debatte zum Wallfahrtsanliegen und zu einer Beteiligung an der Wallfahrt zum Heiligen Rock entschlossen habe.

A. Meinung

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Adventbesinnung – Dr. Manfred Entrich – 2011

»Ich will Dich besuchen, Gott – wo wohnst Du?« – Dr. Manfred Entrich, Dominikaner 

Ich will Dich besuchen, Gott – wo wohnst Du?

Unter diesem Motto führte der Dominikaner Dr. Manfred Entrich die Lesefamilie durch den adventlichen Besinnungsnachmittag am Samstag, dem 10. Dezember 2011.

Aus seinem Buch „Taxi to heaven“ sei zitiert, was den Inhalt seines Vortrags ausmachte:
„Jedes Leben hat sein Geheimnis, und jede menschliche Geschichte hat eine göttliche Würde. Gott schreibt mit in und an unseren Biographien. Wir können, wenn wir aufeinander hören, seine Schriftzeichen entschlüsseln.“

Gebannt lauschte die „Lese“ seinen Worten, und jeder Zuhörer fühlte sich in seinem Innersten von den Ausführungen Entrichs gepackt. Ihn, der schon zweimal bei uns war, wollten alle bald wiedersehn.

Nach dem Besuch der hl. Messe in der Basilika St. Kastor fand sich die Lesefamilie wieder ein im Eltzerhof bei Brot, Wein und freundschaftlichen Gesprächen.

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Fastenbesinnung – Prof. Dr. Heribert Niederschlag, SAC – 2011

Warum lässt Gott das zu? – Prof. Dr. Heribert Niederschlag, SAC

Der Vorsitzende des KLV, Dr. E. Thul, konnte auch in diesem Jahr zahlreiche Mitglieder und Gäste zur Fastenbesinnung begrüßen.
 

 

Der Referent hat uns freundlicherweise eine Kurzfassung seines Vortrages zur Verfügung gestellt:

 

Warum lässt Gott das zu?

 

Im Jahr 1968 starb in Paris der damalige Erzbischof Kardinal Pierre Veuillot im Alter von 55 Jahren nach einem schrecklichen, äußerst qualvollen Leiden. Vor seinem Tod hat er einem Freund, dem Bischof Lallier folgendes anvertraut: „Wir verstehen es meisterhaft, schöne Sätze übers Leiden zu machen. Auch ich habe übers Leiden in ergreifenden Worten gepredigt. Sagen Sie den Priestern, sie sollen lieber schweigen; wir wissen nämlich nicht, was Leiden heißt. Als ich dies einsehen musste, habe ich nur noch geweint.“

Auch wenn es vermessen scheint, auf die Frage nach dem Sinn des Leidens eine Antwort zu suchen, müssen wir uns ihr stellen. Wir kommen nicht los von der Frage, die das Leiden stellt. Auch der, der sich weigert, angesichts des Übermaßes an Leiden, an einen guten Gott zu glauben, hat keine befriedigende Lösung gefunden. Wer sich enttäuscht von Gott abwendet, erspart sich die quälende Frage: Warum lässt Gott das zu? Aber er verliert auch die Hoffnung, dass Gott ihm einmal Antwort geben wird.

Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, warum dann das Leid in der Welt? Hans Jonas kann für sich keine befriedigende Antwort finden, es sei denn, die beiden Attribute „allmächtig und allgütig“ werden ergänzt durch die Unerforschlichkeit Gottes. Nur von einem gänzlich unverstehbaren Gott kann gesagt werden, dass er zugleich absolut gut und absolut allmächtig ist und doch die Welt duldet, wie sie ist … Wenn allmächtig und allgütig, dann aber unbegreiflich. Damit bestätigt Hans Jonas, was Dietrich Bonhoeffer auf die knappe Formel bringt: „Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit ein Leben lang aushalten.“

Alle biblischen und theologischen Erklärungsversuche greifen zu kurz. Der Verweis auf die Freiheit des Menschen erklärt zwar, dass nicht Gott für das Leid verantwortlich ist, das Menschen einander antun, aber die Frage nach dem Leiden in der untermenschlichen Natur bleibt unbeantwortet. Bevor es Menschen auf der Erde gab, haben Tiere gelitten. Und es gibt viel Leid in der Welt, an dem der Mensch nicht Schuld ist: z. B. Naturkatastrophen. Nur ein Teil des Leides in der Welt geht auf den Menschen zurück, der es mutwillig und rücksichtslos anderen zufügt, indem er seine Freiheit missbraucht.

Auch der Verweis, Leid sei Strafe für die Schuld, verfängt nicht. Die Ansicht, wer Schlechtes tue, dem ergehe es auch schlecht, wird durch die Erfahrung widerlegt, dass Böse in Saus und Braus leben, Gute aber darben müssen. Das biblische Buch „Ijob“ protestiert gegen diese Einstellung. Der gerechte Ijob erfährt furchtbares Leid und wird auf Herz und Nieren geprüft, ob er allem zum Trotz auf Gott vertraut. Diese Prüfung besteht er nicht zuletzt dank einer überwältigenden Gotteserfahrung, die ihm aber auch nicht den tieferen Sinn seines Leidens erklärt.

Im Vierten Lied von Gottesknecht (Jes 52,13-53,12) findet sich der Gedanke der Stellvertretung, der für viele Leidende zum Trost geworden ist. Das Lied besingt den Gottesknecht, der für die Schuldigen eintritt: „Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,5). Im Blick auf das Leiden Christi hat die christliche Urgemeinde bekannt: „Christus ist für unsere Sünden gestorben.“ Dieser Gedanke wird ausgeweitet in dem Gedanken vom mitleidenden Gott. In einer autobiographischen Erzählung schreibt Elie Wiesel:

„Als wir eines Tages von der Arbeit zurückkamen, sahen wir auf dem Appellplatz drei Galgen. Antreten. Ringsum die SS mit drohenden Maschinenpistolen, die übliche Zeremonie. Drei gefesselte Todeskandidaten, darunter der kleine Pipel, der Engel mit den traurigen Augen. Die SS schien besorgter, beunruhigter als gewöhnlich. Ein Kind vor Tausenden von Zuschauern zu hängen, war keine Kleinigkeit. Der Lagerchef verlas das Urteil. Alle Augen waren auf das Kind gerichtet. Es war aschfahl, aber fast ruhig und biß sich auf die Lippen. Der Schatten des Galgens bedeckte es ganz. Diesmal weigerte sich der Lagerkapo, als Henker zu dienen. Drei SS-Männer traten an seine Stelle. Die drei Verurteilten stiegen zusammen auf ihre Stühle. Drei Hälse wurden zu gleicher Zeit in die Schlingen eingeführt. ‚Es lebe die Freiheit!’ riefen die beiden Erwachsenen. Das Kind schwieg. ‚Wo ist Gott, wo ist er?’ fragte jemand hinter mir. Auf ein Zeichen des Lagerchefs kippten die Stühle um. Absolutes Schweigen herrschte im ganzen Lager. Am Horizont ging die Sonne unter. ‚Mützen ab!’ brüllte der Lagerchef. Seine Stimme klang heiser. Wir weinten. ‚Mützen auf!’ Dann begann der Vorbeimarsch. Die beiden Erwachsenen lebten nicht mehr. Ihre geschwollenen Zungen hingen bläulich heraus. Aber dritte Strick hing nicht reglos: der leichte Knabe lebte noch … Mehr als eine halbe Stunde hing er so und kämpfte vor unseren Augen zwischen Leben und Sterben seinen Todeskampf. Und wir mussten ihm ins Gesicht sehen. Er lebte noch, als ich an ihm vorüberschritt. Seine Zunge war noch rot, seine Augen noch nicht erloschen. Hinter mir hörte ich denselben Mann fragen: ‚Wo ist Gott?’ Und ich hörte eine Stimme in mir antworten: ‚Wo ist er? Dort – dort hängt er, am Galgen.’“

Die Antwort, die diese Erzählung gibt, lautet: Gott gibt keine Erklärung für das Leid in der Welt, sondern er ist bereit, es selbst zu tragen. Er ist nicht ein teilnahmsloser Gott, der sich vom Leiden der Menschen nicht anrühren lässt. Diese Antwort legt sich vom Leben, Leiden und Sterben Jesu her nahe. Jesus ist solidarisch mit allen Leidenden, ebenso auch mit allen schuldig Gewordenen. Er hängt am Kreuz zwischen zwei Verbrechern. Der Gedanke, dass Gott das Leid mit trägt, kann für den, dem Andere Leid zufügen, vielleicht noch eine Hilfe sein, weil Gott die Freiheit der Menschen nicht aufhebt, auch wenn sie einander schreckliches Leid zufügen. Aber warum behebt er das Leid nicht, das er, ohne die Freiheit des Menschen aufzuheben, beseitigen könnte?

Alle Erklärungsversuche enden in neuen Fragen. Für den Glaubenden erschließt sich im Bekenntnis zur Hoffnung ein Weg, das Leiden zu bestehen, ohne es gänzlich zu verstehen: Wir leben auf Hoffnung hin. In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,4) Diese Hoffnung stützt sich auf die Praxis Jesu, der Menschen geheilt hat und darin ein Zeichen für das Anbrechen des Reiches Gottes setzte. Er hat nicht alle geheilt, aber in den Heilungen einzelner sollte zum Vorschein kommen, was Gott mit dieser Welt vor hat, eben dass er einmal alles Leid und alle Krankheiten überwinden wird. Darin zeigt sich die Herrschaft Gottes. Er wird eingreifen und alles Leid beenden bzw. verwandeln. Das Leiden ist also zeitlich begrenzt. Es ist nicht grenzenlos. Paulus schreibt im Römerbrief sogar: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“ (Röm 8,18) Paulus hatte ein großes Maß an Leiden zu tragen. Er fährt im Römerbrief fort: „Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung. Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,19-22). Die Welt ist noch nicht so, wie Gott sie gedacht hat. Aber die neue Welt ist im Kommen.

Auch hier stellen sich Fragen: Warum hat Gott eine so leidvolle Welt geschaffen? Warum so schreckliche und so lange Leiden mancher Menschen? Die Hoffnung, dass Gott das Leid beenden und verwandeln wird, ist schon ein Trost, aber eben jetzt noch keine befriedigende Antwort. Ich verbinde mit dieser Verheißung allerdings auch die Erwartung, dass Gott nicht nur das Leid beenden wird, sondern dass er auch Antwort geben wird auf die Fragen der Menschen nach dem Warum des Leidens.

Die Suche nach der Antwort auf die Frage nach dem Warum des Leidens lässt uns die Chance und den Segen des Leidens in großartigen Persönlichkeiten wie der seligen Rosa Flesch bereits erahnen. Leiden kann zu der Erfahrung führen, dass es eine Macht gibt, die alles Leiden bestehen lässt: die Macht der demütigen Liebe. Was André Gide von den Krankheiten gesagt hat, gilt für das Leid insgesamt: Es ist ein Schlüssel zu Erkenntnissen, die dem verborgen bleiben, der nie Leid zu ertragen brauchte.

Aber es gibt Leiden, das so schrecklich und furchtbar ist, dass der Gedanke, darin könnte ein Sinn liegen, einem schon als Frevel erscheint. Hier bleibt nur die Klage als die einzig adäquate Antwort auf das Übermaß an Leiden. In seiner Rede in Auschwitz sagte Papst Benedikt XVI: „Wir können in Gottes Geheimnis nicht hineinblicken – wir sehen nur Fragmente und vergreifen uns, wenn wir uns zum Richter über Gott und die Geschichte machen wollen. Dann würden wir nicht den Menschen verteidigen, sondern zu seiner Zerstörung beitragen. Nein – im Letzten müssen wir bei dem demütigen, aber eindringlichen Schrei zu Gott bleiben: Wach auf! Vergiss dein Geschöpf Mensch nicht!“ Die Frage nach Auschwitz heißt nicht nur: „Wo war Gott in Auschwitz? Sie heißt auch: Wo war der Mensch in Auschwitz?“ So J. B. Metz. Sicher es gab die Menschen, großartige Menschen in Auschwitz. Aber es bleibt auch die Frage: Wie konnte so etwas geschehen? Ist das nicht ein Grund, statt an Gott eher am Menschen zu verzweifeln? Aber es gab und gibt Menschen, die mitten im Feuer des Leidens nicht verzweifelten, sondern in einer geradezu übermenschlichen Größe und Würde eigenes Leid getragen und das Leid anderer gelindert haben. Diese Menschen bezeugen, dass nicht Bosheit und Brutalität das letzte Wort haben, sondern die Macht der demütigen Liebe, die uns hoffen lässt, einmal die Antwort zu finden auf die Frage nach dem „Warum“.

Leiden soll nicht nur in der Klage Ausdruck finden oder Protest provozieren, sondern eine neue Praxis der Solidarität und der Bereitschaft, die Ursachen des Leides zu beheben, begründen. Eine solche Praxis kann ihre Durchhaltekraft aus der Hoffnung beziehen, dass sie nicht umsonst ist, weil Gott sich dafür verbürgt, dass er seine Schöpfung vollenden wird.

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Adventbesinnung – Domkapitular Msgr. Dr. Georg Bätzing – 2010

2012 sehen wir uns in Trier! – Domkapitular Msgr. Dr. Georg Bätzing

2012 sehen wir uns in Trier!

Die Heilig – Rock – Wallfahrt als Impuls und Chance

Zu Beginn der Adventbesinnung begrüßte der stellvertretende Vorsitzende Michael Hörter die 100 Mitglieder und Gäste im großen Saal des Eltzerhofs und hieß Domkapitular Msgr. Dr. Georg Bätzing, den Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012, herzlich willkommen.

Dieser bezeichnete seine Anwesenheit als kleines Heimspiel, weil er von 1987 bis 1990 als Kaplan in St. Josef tätig war und seitdem herzliche Verbindungen geblieben sind.

Von Bischof Reinhard Marx wurde er seinerzeit gebeten, das Projekt Heilig-Rock-Wallfahrt als Botschafter und Leiter zu übernehmen.

„Was liegt näher, als die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 … als große Chance zu verstehen, die uns Trierern geschenkt ist, weil wir nun einmal den Heiligen Rock „haben“, wie Bischof Reinhard bemerkte. Wer sich aufmerksam der Herrenreliquie zuwendet, der wird entdecken: Nicht wir machen die Kirche, Christus macht uns zur Kirche. Und diese Gegenwart des auferstandenen Herrn schafft die Kirche. Und diese Gegenwart ist uns wie in der Form einer Ikone präsent, wenn wir das Gewand betrachten.“

So entstand das Thema der Wallfahrt nicht zufällig, sondern es resultiert aus der Befragung von Gläubigen und Gemeinschaften im Bistum, die mit 700 beeindruckenden Rückmeldungen reagierten. Ein Drittel der Befragten wünschte, den Gedanken der Einheit zu stärken und den Schwerpunkt auf die ökumenische Einheit zu legen. Symbol dafür ist die Tunika Christi, das Gewand aus einem Stück, ganz und ohne Naht.

Daher wählte man die letzte Bitte des Pilgergebetes der Wallfahrt von 1996:

“ Führe zusammen, was getrennt ist!“

„Wir wollen uns durch die Tunika Christi inspirieren lassen für unseren Weg als Kirche im Bistum Trier. Die Heilig-Rock-Wallfahrt wird als eine einladende festliche Zeit gestaltet, die spürbar werden lässt, was Papst Benedikt XVI. so treffend formuliert hat: Wer glaubt, ist nicht allein.“

Wir machen öffentlich, dass Jesus Christus und die Gemeinschaft mit ihm ein Schatz für alle Menschen ist.

Der Pilgerweg selbst ist ein sinnfälliges Zeichen für den persönlichen Lebens- und Glaubensweg und für den Weg des Volkes Gottes dem Herrn entgegen. Unterwegs bringen wir den Glauben und unsere Hoffnung ins Gespräch, wenden uns betend und singend an Gott und laden andere zum Mitgehen ein.“

Zum Schluss wies Dr. Bätzing darauf hin, dass die Vorbereitung auf die Wallfahrt 2012 am 06. Mai 2011 mit dem Heilig-Rock-Fest in Trier beginnt und dass am 05. Mai 2011 Künstler dieses Vorbereitungsjahr im Rahmen der BUGA mit einer Ausstellung in der Festungskirche auf dem Ehrenbreitstein eröffnen.

„2012 sehen wir uns in Trier.“ Mit diesen Worten beendete Msgr. Dr. Bätzing seinen Vortrag.

Mit anhaltendem Applaus zeigten die aufmerksamen Zuhörer ihre Zustimmung und Begeisterung.

Michael Hörter dankte für zwei „tiefe Stunden“, die auf das Vorbereitungsjahr und den Monat der Wallfahrt 2012 (13. April – 13. Mai) neugierig gemacht haben.

Der geistliche Beirat Joseph Müller meinte:“ Sie haben uns aus dem Herzen gesprochen und Christus als den Mittelpunkt aufgezeigt.“

Nach dem Gottesdienst, den der geistliche Beirat in St. Kastor hielt, traf sich die Lesefamilie wieder im Eltzerhof und saß noch lange bei Brot und Wein in froher, gemütlicher Runde zusammen.

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Das Trierer
Christusgebet

Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt.
Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist.
Amen.nano)

(Taufe Jesu mit Darstellung der Tunika Christi. Relief im Dom von San Gimignano)

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Fastenbesinnung – Prälat Hans Lambert – 2010

Die Piusbrüder – Katholische Fundamentalisten? – Prälat Hans Lambert

Zu diesem Thema sprach beim Besinnungsnachmittag des Katholischen Lesevereins im großen Saal des Eltzerhofs Prälat Hans Lambert, Koblenz.

Der Referent rief in kurzen Strichen die Geschichte des 2. Vatikanischen Konzils in Erinnerung und schilderte insbesondere die heftigen Auseinandersetzungen der Konzilsväter zu den Themen der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Hierbei rühmte er die hohen Verdienste des Kölner Erzbischofs Kardinal Frings und seines Beraters Josef Ratzinger, der gegen den Widerstand insbesondere des Kurienkardinals Ottaviani die letztlich verabschiedete Fassung der entsprechenden Dokumente durchgesetzt hatte.

Der französische Erzbischof Lefebvre sei diesen Schritt nicht mitgegangen und habe eine Schar Gleichgesinnter versammelt, die mit ihm die Konzilsbeschlüsse abgelehnt hätten. Ohne Mandat des Papstes habe Lefebvre vier Bischöfe geweiht und damit den Bruch mit Rom vollzogen. Ihre Exkommunikation, die nur diese selbst, nicht aber die Piusbruderschaft insgesamt betroffen habe, sei von Papst Benedikt Anfang letzten Jahres aufgehoben worden, um ihre Rückkehr in den Schoß der Kirche zu erleichtern. Auch die Wiederzulassung der Tridentinischen Messfeier diene diesem Zweck.

In der Diskussion wurde der zunehmende Priestermangel, aber auch der stark abnehmende Besuch der Gottesdienste beklagt. Die Forderung des Referenten nach einem stärkeren öffentlichen Bekenntnis zu unserer Glaubensge- meinschaft wurde von einem Mitglied der Piusbruderschaft, der am Besinnungstag teilnahm, mit der Frage beantwortet, warum denn katholische Priester in ihrer Mehrzahl in der Öffentlichkeit nicht mehr als solche sich zu erkennen gäben. Ein Kreuz am Revers könne schließlich jeder tragen.

Nach dem Abendgottesdienst in St. Kastor, dem Pastor Helmut Kusche vorstand (übrigens Mitglied des Katholischen Leseverein), saß die Lesefamilie noch eine geraume Zeit im Eltzerhof beisammen bei Brot und Wein und guten Gesprächen.

Dr. E. Thul

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Worte der Besinnung – Stephan Schwarz Geistlicher Beirat von 1996 – 2010

»Das Leben entdecken« – Stephan Schwarz Geistlicher Beirat von 1996 – 2010

Seit seiner Gründung nimmt der Katholische Leseverein Koblenz seine Selbstverpflichtung, die religiöse Festigung und Vertiefung seiner Mitglieder zu fördern, sehr ernst. Diesem Ziel dienen in besonderer Weise die seit 1986 regelmäßig durchgeführten Besinnungsnachmittage, je einmal in der Advents- und Fastenzeit.
Drei Elemente – Besinnung, Begegnung mit Gott im gemeinsamen Gottesdienst, Begegnung im mitmenschlichen Zusammensein – bestimmen diese Treffen. Sie sind die wesentlichen und notwendigen Schritte, wenn wir unser Leben in seiner Wahrheit und Tiefe klarer erkennen wollen.
Die durch die Hochfeste Weihnachten und Ostern geprägten Tagesthemen dienten durch all die Jahre der Einsicht: Wahrhaft Mensch ist der Mensch nur in seiner Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen. Nur in der Begegnung mit dem Du kann sich mein Ich entfalten.
Eine Feststellung des Soziologen Wolf Lepenies in der „Süddeutschen Zeitung“ verdeutlicht die Bedeutung unserer Besinnungstage, wenn er sagt: „Einer Welt, die sich ihrer Gottlosigkeit rühmt, kommen…auch die weltlichen Glaubens- gewißheiten abhanden. Der vielbeschworene neue Mensch hat sich als der alte Adam erwiesen. An nichts zu glauben und dennoch seinem Leben einen Sinn zu geben, ist ein heroischer Vorschlag für Romanhelden. Der Kitt aber, der Gemeinschaften zusammenhält, lässt sich aus dem Programm der Gleichgültigkeit nicht formen.“ Der alte Adam ist der aus der Sündenfallgeschichte in Gen 3, der Gott nicht braucht, weil er sein eigener Gott sein will.
Unsere Besinnungstage wollen helfen, das Bild vom wahren Menschsein zu entdecken; denn der selbstherrliche Mensch macht sich zu einer Insel und zerstört so sein Leben, das diesen Namen verdient. Der Mensch ist eine freie Kreatur in beständiger und wesentlicher Beziehung zu Gott. Die Existenz des aus der Erde hervorgegangenen Adam hängt an dem Geiste des Lebens, in dem Gott sich dem Menschen mitteilt.
So wird er zu einem persönlichen und zugleich zu einem in Abhängigkeit vitaler Natur, die im Gehorsam zum Ausdruck kommt. Der sündige Adam kann nur dann wieder ganz nach dem Bilde Gottes werden, wenn er nach dem Bilde Jesu Christi neu gestaltet wird, nach dem Bilde des wegen der Offenbarung der Liebe Gottes Gekreuzigten, des Siegers über Sünde und Tod. Das einzige Werk, das wir Menschen zu leisten haben, ist der Glaube an den, den Gott gesandt hat (Joh 6,29). Denn es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Christus Jesus (1. Tim 2,5).
Und es gibt nur einen Vater, dem die Glaubenden entgegengeführt werden, damit sie durch den Sohn das Leben in Fülle haben. Dieses Leben immer wieder neu zu entdecken, lohnt sich!

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Adventbesinnung – Dr. Manfred Entrich, Dominikaner – 2009

»Wissen um Gestern, Hoffen auf Morgen« – Dominikaner Dr. Manfred Entrich

„Wissen um Gestern, Hoffen auf Morgen“

Am Nikolausabend versammelte sich die Lesefamilie im großen Saal des Eltzerhofs zu einem Besinnungstag, durch den der Dominikaner Dr. Manfred Entrich, Leiter des Bereichs „Pastoral“ der Deutschen Bischofskonferenz, führte.

»Wissen um Gestern, Hoffen auf Morgen«, so hieß das Thema. Er sprach von den Krisen des Lebens, die nicht nur einen Abschluß bedeuten, sondern auch einen Aufbruch zu neuen Ufern. Wer hoffe und auch Wünsche habe, der habe Zukunft und den unbändigen Willen zum Leben. Ob und wie man bete, daran könne man seine eigene Befindlichkeit erkennen. Ein Kreuzzeichen am Morgen oder wann auch immer, sei ein hoffnungsfrohes Innewerden; jeden Tag solle man als Geschenk und als Geburtstag empfinden. 

Der Besinnungstag war umrahmt vom Flötenspiel der Susanne Burgschweiger, der Tochter des Vorsitzenden.

Nach dem Gottesdienst in der Basilika St. Kastor war man noch eine Weile im Eltzerhof bei einem Glas Wein zu gutem Gespräch versammelt.

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Fastenbesinnung – Msgr. Stephan Wahl – 2009

Fastenbesinnung der „Lese“ am 14.03.09 mit Msgr. Stephan Wahl.

Seit vielen Jahren bietet der Katholische Leseverein seinen Mitgliedern Besinnungstage in der Advents- und Fastenzeit an, die sich großer Beliebtheit erfreuen. So fanden sich auch jetzt wieder über hundert Mitglieder im großen Saal des Altenheims Eltzerhof ein, um sich von dem

Kommunikationsdirektor des Bistums Trier,
Monsignore Stephan Wahl,

in die Welt der kirchlichen Verkündigung in den Medien entführen zu lassen. Sie staunten nicht schlecht über die generalstabsmäßige Akribie, mit der die sonntäglichen Fernseh – Gottesdienste geplant und durchgeführt werden.

So werden die Predigten von Dritten geprüft und auf die Minute genau getrimmt. Die Beschränkung auf das Wesentliche sei eine gute Übung der Beteiligten für den gottesdienstlichen Alltag. Die gleiche Disziplin sei auch beim „Wort zum Sonntag“ gefordert, das viereinhalb Minuten nicht überschreiten dürfe. Schmerzliche Kürzungen seien da an der Tagesordnung. Mit Schmunzeln wurden die Ratschläge Wahls begleitet, die er bei den sogenannten Talkshows empfiehlt. So hat er die Frage eines Moderators, ob er sicher sei, ob und wie lange er noch am Zölibat festhalte, mit der Gegenfrage beantwortet, ob er, der Moderator, wisse, wie lange er an seiner Ehe festhalte. Mit dieser Antwort war das Thema „Zölibat“, mit dem der Moderator den Monsignore zerpflücken wollte, vom Tisch. Den abendlichen Gottesdienst feierte die Lese in der Basilika St. Kastor mit Pastor Helmut Kusche und Diakon Horst Dany. Anschließend saß man im Eltzerhof noch eine gute Weile zusammen bei Brot und Wein.
Alle waren sich einig: Ein schöner Tag, und im Advent sind wir wieder dabei!

Dr. Ewald Thul