Unter diesem Titel verfasste Heinrich Wolf seine Chronik des Katholischen Lesevereins aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des Vereins. Sie gibt einen guten Einblick in die Geschehnisse jener Zeit, die zur Gründung unseres Vereins in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geführt haben.
Als am 20. November 1837 preußische Truppen das erzbischöfliche Palais in Köln umstellten und Oberpräsident von Bodelschwingh unangemeldet in das Zimmer des Kirchenfürsten drang, um Clemens August von Droste-Vischering zu verhaften und auf die Festung Minden zu bringen, ging ein Sturm der Entrüstung durch die deutschen Lande. Der alte Görres vernahm mit Erschütterung die Worte des Heiligen Vaters, der in einem Schreiben an alle Bischöfe der Welt gegen den Schritt Berlins protestierte. Wie einen Donnerschlag hörte die Welt die wuchtigen Anklagen seines „Athanasius“, einer Schrift, die nochmals die gewaltige innere Kraft des großen Sohnes unserer Stadt spüren ließ.
Fahne des katholischen Lesevereins
In diese Zeit reichen die geistigen Wurzeln es „Katholischen Lesevereins“ zurück. Aber der Kölner Kirchenstreit war nur ein äußeres Zeichen der tiefgehenden Auseinandersetzungen um die Position der katholischen Kirche in einer veränderten Welt. Starrem konservativem Denken stellte sich der junge Liberalismus gegenüber, der deutsche Katholizismus war in eine Entscheidung zwischen beiden Kräften gezwungen, um seinen eigenen über die Zeitlichkeit hinausweisenden Auftrag erfüllen zu können. Jahrzehnte eines heftigen inneren Ringens begannen, in das auch der Leseverein einbezogen wurde. Es hieße seine Bedeutung verkennen, wollte man in ihm nur eine spätbiedermeierliche Stätte zur Pflege der bürgerlichen Gemütlichkeit sehen. Der „Athanasius“ des großen Görres fand auch bei den Koblenzern ein begeistertes Echo. Männer aller Stände fanden sich in der Erbitterung über den Schritt der preußischen Regierung zusammen. Sie kamen in der „Donnerstagsgesellschaft“ zusammen, die ihrerseits aus einer „Dienstagsgesellschaft“ hervorgegangen war. Man besprach die politischen Ereignisse, ohne dabei allerdings auch einen guten Schoppen zu verschmähen. Es waren eben Rheinländer, die hier tagten. Die „Dienstagsgesellschaft“ fand sich nach der Flucht von Joseph Görres im Jahre 1819 nach Straßburg bei der Wirtin Thibus im „Vater Rhein“, damals Neustadt, zusammen. Die Seele dieser Gesellschaft war der Stadtrat Hermann Joseph Dietz, zu ihrem Kreis gehörten Clemens Brentano, Stramberg, bekannt als Verfasser des „Rheinischen Antiquarius“, Anwalt Adams I, der Maler M. Müller, Settegast und andere mehr. Meist waren es Angehörige der jüngeren Generation, das Alter hielt sich noch zurück. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit unter ihnen war auch K. H. Burkart, den der Oberpräsident für den Verfasser des beanstandeten Totenzettels für Joseph Görres hielt.
Als Dietz und sein Kreis von der Lebensbühne abgetreten waren, setzten J. N. Longard, Anwalt Adams, von Thimus, Dr. med. Duhr und andere ihr Werk fort und setzten sich für die katholischen Belange ein. Man sprach in diesem Kreis oft von der notwendigen Gründung eines Vereins, der auch eine gesellige Komponente haben müsse, wagte sich aber nicht so recht an eine Lösung. Mehrere Lehrer waren es nun, die die Sache tatkräftig in die Hand nahmen. So kamen dann am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1862 in den Abendstunden in der Wohnung des Lehrers Smits im Schulhaus von St. Castor die Lehrer Smits und Richartz und der Kaufmann Schweppenhäuser zusammen, um über die Gründung eines Vereins zu beraten. Das handschriftliche Original der Niederschrift über diese Zusammenkunft ist noch erhalten und befindet sich im Koblenzer Stadtarchiv in der Stadtbücherei. Diese Männer sahen mit politischem Weitblick, wie sich dunkle Wolken türmten und sich ein neuer Kampf gegen die Kirche ankündigte. Sie nahmen Kontakt mit der in der Schlinkschen Wirtschaft tagenden „Donnerstagsgesellschaft“ auf. Advokat-Anwalt Adams II entwarf ein kurzes Programm und die notwendigen Statuten und übergab sie Lehrer Richartz, der sie seinerseits seinen Freunden überbrachte. Diese trafen sich sonntagabends bei der Witwe Grünewald in der Löhrstraße 51. Nach diesen Vorbesprechungen konnte am 2. Januar 1863 im Lokal Grünewald die eigentliche Gründung des Katholischen Lesevereins durch 12 angesehene Bürger erfolgen. Der später so aktive Dr. Duhr „wollte auch erscheinen, war aber plötzlich dienstlich verhindert“. Man beriet ein vorläufiges Statut, das die Versammelten als provisorischer Vorstand am 4. Januar einem größeren Gremium zur Genehmigung vorlegten.
Am 11. Januar erfolgten dann bei einer Generalversammlung im gleichen Lokal die endgültige Gründung des Vereins und die Wahl eines Vorstandes. Auf der ersten Seite des Protokollbuches steht zu lesen: „Im Namen Gottes, dessen Segen über unserem Bunde ruhen, der unsere Beratungen leiten, unseren Entschließungen das Gedeihen geben wolle!“ Ein ernstes Grundmotiv war damit angeschlagen. Den Gründern mangelte es nicht an Tatkraft, der Vorstand wurde sofort beauftragt, bis zur Mietung eines Gesellschaftshauses Mitglieder aufzunehmen. 56 Koblenzer Bürger traten dem Verein schon am Abend des Gründungstages bei; ihre Namen gehören auch heute noch zu den angesehensten der Stadt .
In den bald gedruckten Statuten hieß es kurz und bündig: „Der Katholische Leseverein ist ein Verein Gleichgesinnter zu gemeinsamer Benutzung guter Lektüre und geselliger Erholung“. Vorsichtig war im Hinblick auf die Zeitumstände hinzugefügt; „Er bezweckt nicht die Einwirkung in öffentliche Angelegenheiten“. Neue Mitglieder sollten zuerst vom Vorstand, dann von der Generalversammlung „ballotiert“ werden. Man wollte keinen im Verein haben, der nicht innerlich dazugehörte. Schon die Gründungsberatungen ließen erkennen, dass man keinen „Schoppenverein“ anstrebte, sondern zu einem Sammelpunkt des katholischen Lebens in Koblenz werden wollte. Vor allem war man auch bemüht, das „Eindringen fremdartiger Elemente zu unterbinden“. Die Zeichen eines neuen Kirchenkampfes kündeten sich an.
Fahne des katholischen Leseverein
Unter dem Vorsitz des Advokat-Anwalts Franz Adams II begann der Leseverein seine Tätigkeit. Am 18. Januar fand bereits die zweite Generalversammlung statt, bei der der Vorstand über die Schaffung eines Vereinslokals berichtete. Man mietete das Haus des Fuhrunternehmers Meder, Löhrstraße 61, für jährlich 600 Taler. An die Mitglieder, deren Zahl inzwischen auf 76 angewachsen war, wurden Aktien von einem Taler ausgegeben. Unter dem 31. Januar 1863 berichtete die „Coblenzer Zeitung“ über das erste Stiftungsfest. In dem Bericht heißt es u.a.: „Seit dem Beginne dieses Jahres hat sich dahier eine Gesellschaft von Bürgern gebildet, welche unter dem Namen „Katholischer Leseverein“ Gleichgesinnten einen Versammlungsort zu guter Lektüre und geselliger Unterhaltung bieten soll. –
Die Eröffnung der neueingerichteten Gesellschaftslokale fand am verflossenen Sonntag durch ein Festessen von mehr als 150 Personen statt. Der Festsaal war mit den Bildnissen des Erzbischofs Clemens August und der Koblenzer Bürger J. Joseph von Görres und Hermann Joseph Dietz geschmückt. Fröhliche Lieder, ernste und heitere Reden hielten die Gesellschaft lange in freudigster Stimmung zusammen. Die Anhänglichkeit an den gemeinsamen Glauben, das Streben nach der Erhaltung der echten rheinischen Sitte und die ehrende Anerkennung der fleißigen Arbeit jedes Standes durchdrangen gleichmäßig alle Mitglieder der zahlreichen Versammlung; sie bildeten den Boden, auf dem sich alle zusammenfanden, sie bildeten das Band, welches Alle umschlang und fester aneinander schloss.“
Der Berichterstatter von anno 1863 hatte ohne Zweifel die Ziele des Vereins richtig erkannt und dargestellt. Aber die Mitglieder ruhten nicht. Als am 1. Februar die dritte Generalversammlung stattfand, zählte der Verein bereits 152 Mitglieder und hatte einen Fond, von dem der erste Wein gekauft werden konnte. Es war ein Ohm Erdener. Jedes Mitglied zahlte jetzt ein Eintrittsgeld von zwei Talern und einen monatlichen Beitrag von fünf Silbergroschen. Die vierte Generalversammlung am 8. Februar 1863 beschloss die Gründung einer Spar- und Darlehenskasse. Schultze-Delitzsch war hierbei das Vorbild. 1866 betrug die Mitgliederzahl bereits 609. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Handwerker, es folgten 106 Kaufleute, 62 mittlere und untere Beamte, 34 Geistliche, 7 Anwälte und Notare, 7 Richter, 7 Landwirte, 6 Ärzte, 4 Apotheker, 4 Arbeiter, 4 Architekten, 3 Oberlehrer und ein Regierungsassessor a.D. Kein einziger höherer Beamter der Regierung oder des Oberpräsidiums und kein Offizier wurde damals Mitglied.
Schon in den ersten Jahren des Bestehens nahm der Leseverein Verbindung mit gleichartigen Gesellschaften in anderen Städten auf. So war man mit Abordnungen auf den alljährlichen Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands in Frankfurt (1863), Würzburg (1864) und Trier (1865) vertreten. Der 1. Vorsitzende, Adams II, wird wiederholt in den Berichten neben Adolf Kolping, Prälat Thissen und August Reichensperger genannt. In Würzburg regte Adams II die Gründung katholisch-geselliger Vereine in möglichst allen Städten an und hatte damit großen Erfolg. Es kam zu Gründungen in Würzburg, Augsburg, Luxemburg, St. Wendel und Wissen.
Auf die Dauer ließ sich aber auch die Politik nicht ganz aus dem Vereinsleben verbannen. Bei den Gemeinderatswahlen Ende 1863 war Adams II als Kandidat der 2. Klasse aufgestellt worden. Zu einer Urwählerversammlung war er mit einer beträchtlichen Anzahl von Mitgliedern des Katholischen Lesevereins erschienen. Adams ergriff dabei das Wort und betonte, dass er und seine Freunde sich als „wahrhaft liberal“ bezeichnen könnten, da sie die Freiheit überall, die Freiheit für alle und jeden wollten. Auf dieser Basis sei ein Zusammengehen der einzelnen freisinnigen Parteien möglich, ja wünschenswert.
Das Jahr 1864 brachte ein Ereignis, das in der Vereinsgeschichte noch lange nachgeklungen ist. Am 19. Juni 1864 fanden sich die Mitglieder mit Angehörigen und Freunden zu einer großen Schifffahrt zum Niederwald zusammen. Die „Coblenzer Zeitung“ veröffentlichte darüber einen langen Bericht, der erkennen ließ, wie starke Eindrücke eine solche Fahrt damals auf die Menschen machte.
Da die Mitgliederzahl regelmäßig und stetig wuchs, sah sich der Vorstand ermuntert, den Bau eines eigenen Vereinshauses zu planen. Das Heim sollte „Im Herzen der Stadt“ liegen. Am 6. September 1864 wurde der Beschluss gefasst, das Haus des Waffen- und Metallwarenhändlers Paul Schäffer in der Firmungstraße zu erwerben. (Zunächst war der Kauf des Hontheimschen Hauses in der Neustadt vorgesehen.) Den Plan für den Neubau entwarf der Stadtbaumeister Nebel. Eine eigene Baukommission konnte die Planungen so beschleunigen, dass schon am 24. April 1865 die feierliche Grundsteinlegung in der Firmungstraße erfolgte. Das Aufsehen in der Bürgerschaft war groß, und noch heute ist es bewundernswert, wie schnell und zügig der kaum gegründete Verein ein solches Projekt verwirklichte. Schon damals bestand der Wunsch, das neue Vereinshaus möge zu einem Heim für alle katholischen Vereine der Stadt werden.
Görres Haus
Der Tag der Grundsteinlegung begann mit einem feierlichen Amt in der nahen Kirche zum hl. Johannes (Jesuiten), das Pastor Lorenzi von Liebfrauen zelebrierte. Der noch öde Bauplatz, der inmitten einer blühenden Flur lag, war durch Fahnen, grüne Bäume und Sträucher zu einem wahren Festplatz umgestaltet. Dechant Krementz hielt die Festansprache. Auch Advokat-Anwalt Adams II ergriff das Wort, wobei er u.a. betonte: „Alle die sind unsere Gesinnungsgenossen, denen es wahrhaftig am Herzen liegt, dass der katholische Glauben und die rheinische Sitte hierzulande erhalten bleiben.“ In den Grundstein eingemauert wurden sodann eine Urkunde, auf Pergament geschrieben, eine Münze mit dem Bild des Hl. Vaters Pius IX., ein Krönungstaler mit den Bildnissen des Landesherrn und der Königin Augusta und einen Huldigungstaler mit dem Bild König Friedrich Wilhelm IV. Adams II betonte bei der Grundsteinlegung auch: „Wir legen hinzu ein gutes Bild unserer lieben Vaterstadt Coblenz, wie sie heute ist, damit unsere Nachkommen, wenn sie vielleicht nach mehr als tausend Jahren diesen Grundstein öffnen, nicht nur lesen, was wir gewollt, sondern auch sehen, wie Coblenz im Jahre 1865 gewesen ist.“ In den Grundstein kamen aber auch je ein Schoppen Rhein- und Moselwein.
Inschrift – Görreshaus
Für den Bau des Vereinshauses war ein Kapital von 42 000 Talern erforderlich. Die Mitglieder vereinigten sich zum größten Teil zu einem Sparverein, der die erforderliche Summe in monatlichen Raten im Laufe von 10 Jahren aufbringen sollte. Diese Regelung fand allgemeine Zustimmung. Kaum acht Monate waren seit der Grundsteinlegung vergangen, als die kirchliche Einsegnung und Eröffnung der unteren Gesellschaftsräume erfolgen konnte. Wieder sprachen Dechant Krementz und Advokat-Anwalt Adams II, wobei letzterer erklärte: „Dieses Haus steht in Gottes Hand, zum Joseph Görres ist’s genannt.“ Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Beschluss gefasst, als bleibende Erinnerung an die Erbauung des Hauses alljährlich Sammlungen durchzuführen und am Christfest sechs Knaben des Waisenhauses Kemperhof ein Geldgeschenk als verzinsliche Anlage auf der Sparkasse zu hinterlegen. Eine sofortige Kollekte erbrachte 40 Taler.
1866 war der Bau dann fertig. Die ganze Stadt wurde Zeuge der Einweihung des Hauses, die am 28. Januar erfolgte. Drei Jahre hatte der Verein bestanden – und schon verfügte er über ein solches Haus! Wieder war es Advokat-Anwalt Adams II, der zahlreiche Gäste begrüßen und ein Glückwunschschreiben des Trierer Oberhirten, des Bischofs Leopold Pelldram, vorlesen konnte. Aber auch die Tochter des großen Görres hatte geschrieben, und ihr Brief verdient im Wortlaut festgehalten zu werden:
Verehrter Herr Präsident!
Görres Denkmal
Mit großer Rührung habe ich, verehrter Herr, Ihr Schreiben gelesen. Dasselbe musste für mich gerade in diesen Tagen um so ergreifender sein, da die Erinnerung an die letzten Stunden und Worte des Verstorbenen dadurch mir wieder so recht vor sie Seele traten. Und wenn vor achtzehn Jahren, gleichsam vom Jenseits aus, der selige Vater den Untergang jener Gesinnung, die Sie, mein Herr, so kräftig vertreten, so schmerzlich beklagte, und an diesen Untergang der Gesinnung auch den Untergang des deutschen Volkes geknüpft sah, und wenn derselbe alsdann sagte: ihm sei nur die Aufgabe gestellt, sein Volk wieder in die Einheit mit Gott zurückzuführen, so werden Sie mir sicherlich nicht verargen, dass Ihr Schreiben in mir den frommen freudigen Glauben erregte: es sei dem Seligen bereits gelungen, am Throne Gottes für das Heil seines Volkes zu wirken, und so sei denn Ihr Haus wirklich im wahren Sinne des Wortes das Haus von Joseph Görres.
Möge Gott geben, dass die Räume Ihres stattlichen Hauses bald zu enge werden, um alle Diejenigen zu fassen, die in gleicher Gesinnung dort vereinigt sind, um für ihr Heil und das Heil ihres Vaterlandes zu wirken!
Mit aller Hochachtung
Ihre ergebenste M. Görres
München, den 26. Januar 1866.
Görres Relief
Gemeinsam betrat man dann den großen Saal, der, gemessen an den damaligen Zeitumständen, einen überwältigenden Eindruck machte. Ringsum an den Wänden sah man die Wappen all der Städte, in denen schon Lesevereine bestanden, sie umgaben die Wappen des päpstlichen Stuhles, Kurtriers und Preußens. Über 400 Personen nahmen an dem anschließenden Festessen teil. In der Festrede des 1. Vorsitzenden, noch immer Adams II, klang aber schon die Sorge um den bedrohten Kirchenstaat, das Patrimonium Petri, auf, und in Görres feierte man den mutigen Verteidiger der Freiheit der Kirche. Zahlreiche Glückwunschtelegramme trafen aus den verschiedensten deutschen Städten ein.
Der „Katholische Leseverein“ war durch seine machtvolle Entfaltung zu einem wichtigen Faktor des öffentlichen Lebens geworden. Die Behörden wurden auf ihn aufmerksam, nicht nur im wohlwollenden Sinne. Am 5. August 1865 schrieb der Polizeidirektor in einem Bericht: „Eine große Bedeutung in sozialer und politischer Hinsicht ist diesem Verein, der gegenwärtig schon 500 Mitglieder zählt, nicht abzusprechen, weil er durch geringes Eintrittsgeld dem Bürger- und namentlich dem Handwerkerstande die Teilnahme ermöglicht und durch Verabreichung billiger Nahrungsmittel und angemessener Lektüre diese Klasse der Bevölkerung von dem gewöhnlichen Wirtshausbesuche abhält, auf der anderen Seite aber immerhin seine Kräfte zu einer gemeinsamen Aktion konzentrieren kann.“ Das behördliche Misstrauen war geweckt. Als der Kulturkampf ausbrach, wurde der Leseverein tatsächlich zu einem Zentrum aller Bestrebungen im Kampf um die Freiheit der Kirche. Am 10. August 1875 wurde der Verein polizeilich geschlossen, weil in seinen Räumen zur „Besprechung öffentlicher Angelegenheiten“ Volksversammlungen stattgefunden hätten. Auch sei im Anschluss an den Verein die „Koblenzer Volkszeitung“ gegründet und gefördert worden.
Über das Verhältnis zwischen Katholischem Leseverein und „Koblenzer Volkszeitung“ war die Polizeidirektion durch nicht unwahrscheinliche Gerüchte informiert. Danach hatte der Verein aus seiner Spar- und Darlehnskasse Mittel an die Zeitung hergegeben. Auch sollte der Redakteur frei im Leseverein wohnen. Schließlich tagte, so mutmaßte die Behörde, in einem Konferenzzimmer des Vereins täglich die Redaktionsleitung mit den Herren Dr. Duhr, Helle, Dr. Frank, Wirt Grünewald, Pfarrer Weißbrodt (St. Kastor) und Pastor Roderich (Liebfrauen). Die „Koblenzer Volkszeitung“ verlegte daraufhin vorsichtigerweise ihr Geschäftszimmer in die Kornpfortstraße. Der Vereinsvorstand musste die Liste der Mitglieder und seine Akten dem zuständigen Landrat und Polizeidirektor übergeben, der seinerseits die Namen derer an die Regierung weiterleitete, die dort von Interesse sein könnten. Dabei stellte man fest, dass auch hochgestellte Persönlichkeiten wie Kammerpräsident Dr. Settegast, Friedensrichter Mohr und Kreisgerichtsrat Gescher dem Verein angehörten. Das Vereinshaus blieb drei Monate versiegelt und der Vorstand musste wegen „politischer Betätigung und Verbrüderung mit anderen Vereinen“ 300 Taler Strafe zahlen.
Nach drei Monaten aber setzte die Strafkammer des Koblenzer Landgerichts den Vorstand außer Verfolgung und hob die Schließung des „Görresbaues“ auf. Das Überwachungsrecht der Polizeibehörde blieb aber bestehen. Aus Anlass der feierlichen Wiedereröffnung wurde in St. Castor ein Dankamt gehalten. Gleichzeitig feierte der Verein sein 12. Stiftungsfest. Mit der Beendigung des Kulturkampfes fielen für den Verein die diskriminierenden Einschränkungen.
Einen Glanzpunkt in der Geschichte des Vereins bildete das Jahr 1876. Am 24. Januar dieses Jahres wurde in seinen Räumen aus Anlass des 100. Geburtstags von Joseph Görres die „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland“ gegründet. Advokat-Anwalt Eduard Müller hielt bei der Eröffnung die Begrüßungsansprache und feierte Görres als Streiter für Wahrheit, Freiheit und Recht. Das Kernwort seiner Ansprache verdient auch heute noch erwähnt zu werden: „Seit Clemens August litt und Görres stritt, war man wieder stolz, katholisch zu sein!“
Zum 20. Stiftungsfest 1883 wurde der große Saal gründlich renoviert. Ein Chronist schrieb damals: „In seiner Vollendung wird der Saal ein Meisterwerk decorativer Kunst genannt werden müssen.“ Die an den Wänden angebrachten Sprüche entstammten den Schriften von Görres. Beim 25. Stiftungsfest galt das Hoch der Festversammlung zwei Ehrenmitgliedern des Vereins: Erzbischof Krementz und Ludwig Windthorst.
Eine bedeutende Erweiterung erfuhr der Leseverein in den Jahren 1898/99, als man den Gebäudetrakt in der soeben fertiggestellten Eltzerhofstraße errichtete. Die Grundstücke waren bereits 1891 erworben worden. Eine neuzeitliche Kegelbahn im Hof und eine Terrasse darüber schlossen die Bauarbeiten ab.
Nach Anlegung des Vereinsregisters beim Amtsgericht Koblenz wurde der Katholische Leseverein am 24. Januar 1900 unter Nr. 2 dort eingetragen. Zugleich wurden die Satzungen entsprechend dem Beschluss der Mitgliederversammlung vom 10. Dezember 1899 den Bestimmungen des neuen Vereinsrechts angepasst.
Am Sonntag, dem 19. Januar 1913, beging der Verein mit großem Gepränge sein 50. Stiftungsfest. Es begann mit einem Pontifikalamt in St. Kastor und gipfelte am Abend in einer glanzvollen Festfeier, in deren Mittelpunkt eine Treuekundgebung zu dem anwesenden Bischof Michael Felix Korum stand, der auch die Festrede hielt.
Die Vereinsgeschichte verlief jetzt in ruhigen Bahnen. In der Hauptversammlung des Jahres 1920 wurde die Anregung zum Zusammenschluss aller gleichgearteten Vereine gegeben, die zur Gründung des Verbandes „Omnes unum“ führte. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte ein solcher Zustrom an Mitgliedern ein, dass die Neuaufnahme zeitweise gesperrt werden musste. 1924 zählte der Verein fast 1600 Mitglieder. Schwere Schäden erlitt das Vereinshaus durch ein Großfeuer im Jahre 1927.
Als 1933 eine wesentliche Veränderung der politischen Verhältnisse eintrat, begann auch für den „Katholischen Leseverein“ wieder eine kritische Zeit. Dem Druck der Nationalsozialisten nachgebend, musste man sich 1937 in „Koblenzer Leseverein“ umbenennen. Viele Mitglieder verließen den Verein, um nicht neuen Satzungen folgen zu müssen, andere blieben, um die Entwicklung abzuwarten und im rechten Augenblick wieder bei der Hand zu sein. Die Hauptversammlungen waren meist nicht beschlussfähig, aber instinktiv war man sich bewusst, dass auch dieser Sturm vorübergehen musste. Und er ging vorüber. 1939 wurde das Vereinsvermögen der sogenannten Organisation „Kraft durch Freude“ zugewiesen, das Protokollbuch weist von diesem Tage ab bis zum Zusammenbruch keine Eintragungen mehr aus. Am 28. Dezember 1944 wurde das Haus Eltzerhofstraße 6 a bis auf die Grundmauern zerstört, und auch der Görresbau erlitt erhebliche Schäden.
Das Ende des Krieges und damit des Nazismus brachte auch für den Leseverein einen neuen Beginn. Im Protokollbuch heißt es unter dem 6. Juni 1946: „Heute fand nach der Befreiung vom Naziterror die 1. Mitglieder-Generalversammlung des wieder mit dem Prädikat „katholischer“ geschmückten Lesevereins statt.“ Treuhänder war Rechtsanwalt Henrich, dem Ausschuss gehörten die Mitglieder Friesner, Jechel, Keil, Linowski, Stein, Stock und Watrinet an. Als Ehrenmitglieder wirkten beim Wiederaufbau des Vereins Prälat Albert Homscheid und Anton Kilzer mit. In den ersten Vorstand wurden (nach Höhe der Stimmen) die Mitglieder Schnorbach, Dr. Chardon, Watrinet, Stein, Keil, Jechel, Geisbüsch, Stock, Linowski und Friesner gewählt. Eine Zeit harten Aufbaus begann. Am 3. Januar 1947 zählte der Verein bereits wieder 481 Mitglieder.
Der Landtag tagt im Görreshaus vom 13.10.1948 – 30.03.1951
Eine interessante Phase erlebte der Verein, als am 21. August 1947 der Landtag von Rheinland-Pfalz den großen Saal sowie weitere Räumlichkeiten des Hauses mietete, um hier seine Plenar- und Ausschusssitzungen durchzuführen. Bis zur Übersiedlung nach Mainz vollzog sich im „Görresbau“ eine wichtige Phase rheinland-pfälzischer Landesgeschichte. Zum 90. Stiftungsfest im Jahre 1953 konnte Ehrendomherr Dechant Homscheid, der den Weg des Lesevereins lange begleitet hatte, das Geleitwort zur Festschrift verfassen. Was er damals schrieb, gilt auch heute noch, auch nachdem der Verein wieder festen Grund in der Koblenzer Bürgerschaft gefunden hat und aus dem Leben der Stadt und ihrer Pfarreien nicht mehr wegzudenken ist:
„Tiefste Lebenskraft, die sich auswirken muß bei aller Lebensgestaltung, ist die Liebe, die im Mitmenschen den Bruder sieht und das Ebenbild Gottes. Auch diese Liebe war ein leuchtender Stern im Wirken des Katholischen Lesevereins und soll es bleiben in einer notvollen Zukunft.“
Pontifikalamt und Festakt am 5. Mai 2013 in der Basilika St. Kastor
„Glauben fördern und Gesellschaft mitgestalten!“
Papst und Bischof ermutigen Katholischen Leseverein zur 150-Jahrfeier
Koblenz. – In einem Festhochamt mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann in der Koblenzer St. Kastor-Basilika und einem anschließenden Festakt hat der Katholische Leseverein e. V. Koblenz der 150. Wiederkehr seiner Gründung gedacht. In einem aus diesem Anlass bei der Feier in der Basilika verlesenen Schreiben ruft Papst Franziskus den Verein auf, den Herausforderungen der heutigen Zeit auch künftig mutig zu begegnen.
Papst Franziskus bekräftigt in dem Schreiben die Notwendigkeit, in einer Zeit, in der das christliche Bewusstsein vielerorts schwinde, „den Glauben im persönlichen und öffentlichen Leben zu fördern und auf der Grundlage des Evangeliums und der Lehre der Kirche Gesellschaft und Zukunft mitzugestalten“. Das Bemühen darum sei aktueller denn je. „Diesen Auftrag möge der Katholische Leseverein weiterhin kraftvoll erfüllen.“ Mit diesen Worten fasste der Papst in dem von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone unterzeichneten Schreiben seine Glückwünsche zusammen.
Der Text im Original:
An die Mitglieder und Freunde des Katholischen Lesevereins Koblenz
Papst Franziskus hat davon Kenntnis erhalten, dass der Katholische Leseverein Koblenz in diesen Tagen sein 150. Gründungsjubiläum feierlich begeht. Der Katholische Leseverein kann auf eine reiche Geschichte mit eindrucksvollen Beispielen des Einsatzes für Glaube und Kirche zurückblicken. In einer zeit, in welcher der christliche Humus vielerorts schwindet, ist das Bemühen, den Glauben im persönlichen und öffentlichen leben zu fördern und auf der Grundlage des Evangeliums und der Lehre der Kirche Gesellschaft und Zukunft mitzugestalten, aktueller denn je. Diesen Auftrag möge der Katholische Leseverein weiterhin kraftvoll erfüllen. Dazu erteilt der Heilige Vater den Mitgliedern und allen, die am Festgottesdienst in der Basilika St. Kastor und am Festakt zum 150-Jahr-Jubiläum des Katholischen Lesevereins Koblenz teilnehmen, von Herzen den Apostolischen Segen.
Der Leseverein war im Januar 1863 in Koblenz mit dem Ziel der Förderung christlicher Lebensführung gegründet worden. Seit 1997 ist er auch für alle anderen christlichen Konfessionen geöffnet. Sein Einzugsbereich reicht über Koblenz hinaus bis nach Trier, Bonn und Köln.
Pfarrer Wolf
In seiner Begrüßung des Bischofs und der Festgäste in der bis auf den letzten Platz belegten St. Kastor-Basilika wies der Koblenzer Pfarrer und Stellvertretende Dechant Stephan Wolff, darauf hin, dass diese Eucharistiefeier eine „gemeinsame Danksagung für ein 150-jähriges christliches Zeugnis“ sei. „Dass wir 150 Jahre nach der Gründung zu dieser Danksagung zusammen gekommen sind, beweist, dass das christliche Fundament, auf dem dieser Verein basiert und gegründet wurde, vital und gut ist“, sagte er.
Bischof Ackermann appellierte in dem Festgottesdienst an die Mitglieder des Lesevereins sowie an die traditionsreichen katholischen Vereine allgemein und an alle Christen, sich in der heutigen Zeit „nicht von Traurigkeit überwältigen zu lassen“. Die Christen sollten „nicht nostalgisch auf ein paar glanzvolle Zeiten zurückschauen“, die die Kirche erlebt habe. Dann nämlich bestehe die Gefahr, dass Bitterkeit aufkomme. Bitterkeit aber sei „nicht attraktiv“ und schrecke die Mitmenschen ab. Das bedeute keine Absage an die Trauer, aber niemand dürfe sich von Traurigkeit überwältigen lassen. Es gelte vielmehr, „mit Nüchternheit und Aufmerksamkeit“ auf die konkrete Situation der heutigen Zeit zu schauen und gleichzeitig auf Gottes Wort zu hören. Bischof Ackermann wörtlich: „Wenn das die Haltung ist, aus der heraus sie ihr Jubiläum feiern, dann schauen sie nicht nur mit Stolz auf 150 Jahre zurück, sondern dann bleibt der Katholische Leseverein auch in Zukunft lebendig und erfüllt eine wichtige Funktion für heute und in Zukunft“. Den Leseverein in seiner jetzigen Struktur charakterisierte er als „eine Form der Gemeinschaft, die in ökumenischem Geist wirkt, aber auch die eigene Herkunft und das Profil nicht verleugnet.“
Bosbach MdB: Mit Mut für die christliche Überzeugung kämpfen
Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach ging in dem Festvortag im Anschluss an den Gottesdienst ebenfalls auf die geänderte Lebens- und Glaubenssituation in der heutigen Zeit ein und betonte die damit verbundene Herausforderung der Christen. „Unsere Sorge als Christen muss nicht sein, dass zu viele Muslime in die Moschee gehen; unsere Sorge muss eher sein, dass zu wenige Christen in die Kirche gehen“, sagte er. Er rief die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, im privaten wie im öffentlichen Leben mutig zu ihrer christlichen Überzeugung zu stehen und das Feld nicht „den anderen“ zu überlassen. Er erinnerte daran, dass die christliche Botschaft eine „Frohe Botschaft“ sei und fügte hinzu: „Wenn wir in dieser Weise zu unserer religiösen Überzeugung stehen und auch für sie kämpfen, wenn einmal Gegenwind aufkommt, dann werden wir Menschen gewinnen können, die noch unserer Glaubensüberzeugung fern stehen oder sich von ihr, aus welchen Gründen auch immer, getrennt haben. In diesem Zusammenhang äußerte er die Überzeugung: „Wenn wir die Menschen, die nicht oder noch nicht dem Christentum nahestehen, für unseren Glauben begeistern wollen, dann dürfen wir ihnen nicht mit der Hölle drohen, sondern dann müssen wir vom Himmel schwärmen.“ Die Vereinsmitgliedern rief er auf, wie in der Vergangenheit so künftig in Politik und Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen und sich einzumischen: „Denn gerade der Christ engagiert sich nicht nur in der Gemeindearbeit sondern auch für sein Land und insbesondere für diejenigen, die nicht in der Lage sind, ihre Interessen wirksam vorzutragen und ihnen Geltung zu verschaffen.“ Als Beispiele nannte Bosbach den Einsatz der Christen für den Schutz des ungeborenen Lebens, für die Kranken, die Armen und die Schwachen in der Gesellschaft.
Zu Beginn des anschließenden Festaktes umriss der Vereinsvorsitzende Dr. Ewald Thul die zahlreichen Aktivitäten des Katholischen Lesevereins. Diese reichen von Besinnungstagen in der Fasten- und Adventszeit, Fahrten zu Kirchen und Klöstern, dem regelmäßigen Besuch alter und kranker Menschen bis zu Vortragsveranstaltungen kultureller und religiöser Art. Der Stadt Koblenz fühlt sich der Verein in vielfacher Weise verbunden. So schenkte er den Bürgern das Glockenspiel auf dem Jesuitenplatz und ließ die Cusanus-Stele vor der Florinskirche errichten, die an den großen Philosophen und Theologen Nikolaus von Kues erinnert.
Der Oberbürgermeister von Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, würdigte in seinem Grußwort den Katholischen Leseverein als einen „bedeutenden Faktor im kulturellen Leben unserer Stadt“. Dabei erinnerte er auch an die Mitwirkung des Vereins an dem Koblenzer Karneval. Es sei jedes Jahr eine große Freude, die humorvollen Reden der Vereinsmitglieder in der fünften Jahreszeit zu erleben.
Musikalisch begleiteten die Jubiläumsfeier die Mädchenkantorei und der Jugendkammerchor der Liebfrauenkirche Koblenz, das Streichquintett und das Bläserquartett der Rheinischen Philharmonie unter der Gesamtleitung von Regionalkantor Manfred Faig.
Nach dem Festakt lud der Stellvertretende Vorsitzende des Lesevereins, Michael Hörter, die Gäste aus Nah und Fern zu einem Umtrunk in den Blumenhof von St. Kastor ein.
Dr. Alfons Waschbüsch
Von der Festrede Bosbachs waren alle begeistert; das zeigten die Gespräche, welche die Festteilnehmer beim anschließenden Treffen im Blumenhof bei “Brot” und Wein noch lange miteinander führten.
Insgesamt: Es war ein gelungenes Fest und ein Höhepunkt im Leben der Lese.
Fotos: R. Brennig
Die Rhein-Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 06. Mai 2013 :
Jubiläum Pontifikalamt und Festakt in der Basilika St. Kastor: MdB Wolfgang Bosbach sieht engagierte Christen als Lobby der Schwachen
Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach
Koblenz. 150 Jahre Katholischer Leseverein: Ein Anlass, eine große Tradition zu feiern und optimistisch nach vorn zu schauen. Es kam nicht von ungefähr, dass die Wortbeiträge bei der Jubiläumsfeier in der Basilika St. Kastor mit feinem Humor gewürzt waren. Das Interesse der Koblenzer war auf jeden Fall gewaltig. Die Organisatoren mussten Stühle dazu stellen.
Ungefähr 400 Mitglieder hat die Gesellschaft heute. Sie prägt nach wie vor das kulturelle und gesellschaftliche Leben von Koblenz – etwa durch das große Neujahrskonzert oder die „Lese-Sitzung“. Die ursprünglich im Zuge des Dauerkonflikts mit der preußischen Obrigkeit gezogene konfessionelle Grenze ist längst verwischt. Seit 1997 nimmt der Verein auch offiziell Protestanten auf. „Spät, aber nicht zu spät“, betonte Vorsitzender Ewald Thul zu Beginn des Festaktes, bei dem die lange, oft unruhige Geschichte – anders als von vielen erwartet – nicht im Mittelpunkt stand. Vielmehr ging es um Chancen und Probleme der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Das hatte sich bereits beim vorausgegangenen Pontifikalamt angedeutet, als der Trierer Bischof Stephan Ackermann in seiner Predigt das Leitthema des Festaktes vorgab: die Verantwortung von Christen in der modernen Welt und die Bereitschaft zum Dialog mit anderen Kulturen. Diesen Gedanken nahm Wolfgang Bosbach in seiner Festrede auf. Der streitbare Bundestagsabgeordnete sprach nicht als Politiker, sondern als Christ, der sich um leere Gotteshäuser sorgt. „Wir dürfen nicht mit der Hölle drohen, sondern müssen vom Himmel schwärmen“, mahnte der Politiker, zu dem der stellvertretende Vorsitzende Michael Hörter einen guten Draht hat – deshalb auch seine Zusage für den Festvortrag in Koblenz. Trotz des ernsten Themas sorgte Wolfgang Bosbach immer wieder für heitere Mienen. Mal scherzte er über den alten Streit zwischen Koblenzern und Trierern über die Frage, wer wohl in der schöneren Stadt lebe, mal über die Vorzüge des Lebens im Rheinland: Während heute in den USA jede achte Ehe über Kontakte im Internet zustande komme, habe er seine Frau noch beim Rosenmontagszug kennengelernt. Das war nur eine der Geschichten, mit denen der Vorsitzende des Innenausschusses den dramatischen Wandel unserer Tage illustrierte, der für ihn nur mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist.
Ob der Wandel zur Wissensgesellschaft zwangsläufig zu einer Ellenbogengesellschaft mit computersüchtigen Individualisten führt? Für Wolfgang Bosbach lautet die Antwort eindeutig Nein. Mit Blick auf den gelungenen musikalischen Rahmen des Festaktes – gestaltet von der Mädchenkantorei, dem Jugendkammerchor Liebfrauen und Mitgliedern der Rheinischen Philharmonie – sagte der Politiker: „Wir haben eine großartige junge Generation, denen wir das Land übergeben können.“ Das zeigte: Kulturpessimismus ist für Wolfgang Bosbach keine Option. Für ihn hat trotz der zahlreichen Kirchenaustritte gelebtes Christentum nach wie vor Perspektiven, vor allem dann, wenn Christen sich für die Schwächsten in der Gesellschaft engagieren – Kinder und Ältere, die keine Lobby haben. Das aktuelle Problem ist für ihn nicht, dass Muslime in die Moscheen gingen, sondern immer weniger Christen in die Kirchen. Letztere seien nur noch an Weihnachten voll – eine Tatsache, die fast an Jahreshauptversammlungen erinnere.
Im weiteren Verlauf seiner Rede ermunterte Wolfgang Bosbach die Bürger, sich zu engagieren. „Politik ist zu wichtig, um sie ausschließlich den Politikern zu überlassen“, betonte der Politiker mit Blick auf die Tatsache, dass nur 2 Prozent der Bundesbürger einer Partei angehören. Als Positivbeispiel nannte er den Leseverein, dessen Verdienste um Kulturpflege im Allgemeinen und die Literaturpflege im Besonderen zuvor auch Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig gewürdigt hatte.
Die Lese von 2004 bis 2014, eine Zusammenfassung von Heinz-Peter Mertens
2004 bis 2006: Die Schaffung und Aufstellung der Cusanus-Stele prägte die Periode. Nachdem der Beschluss einstimmig gefasst war, waren Planung und Durchführung sowohl der Stele als ihre Plazierung Thema der Vorstandssitzungen. Am 13.12.2006 stand die durch den Künstler Walter Kaspers aus Schuld an der Ahr geschaffene Stele zur Abholung bereit. Die Kosten waren in auf € 99.000 geschätzt worden, bis Ende 2006 waren davon € 11.561 durch Spenden finanziert. Die Stele wurde zum Geschenk an die Stadt. Das Angebot wurde am 03. Juni 2004 durch den Stadtrat angenommen, die evangelische Gemeinde Koblenz war mit dem Standort der Stele einverstanden.
Das Glockenspiel war durch technischen Defekt 2004 ausgefallen, die Reparatur war kleiner als gedacht, aber Eugen Lambert als Kümmerer war regelmäßig von Nöten.
In 2004 wurde Detlef König, der sich um das Neujahrskonzert bei Daimler verdient gemacht hatte, die Ehrenmitgliedschaft verliehen. 2005 erhielt der geistliche Beirat, Domkapitular Stefan Schwarz, die gleiche Ehrung. Die Neujahrskonzerte wurden von Benedict und Philipp Klöckner unter Begleitung einer Pianistin in 2005 und 2006 zusammen mit der Sopranistin Ellen Luker und der Pianistin Sarah Hillen gestaltet.
Die Karnevalssitzungen 2004 bis 2006 unter Leitung von Michael Hörter erfreuten sich nach wie vor großer Beliebtheit. In 2005 wurde ein Orden geschaffen als Nachbildung des Leseordens aus 1913.
Die Besinnungen in der Fasten- und Adventszeit wurden gehalten von Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels, Berthold Mathias Schäfer (die Bergpredikt Jesu „Worte für unsere Zeit“), Schwester Dr. Margarete Gruber OSF („Die Ohnmacht des Menschen“), Pater Dr. M. Endrich, Abt Benedikt Müntenich, Maria-Laach („Wie heute Christ sein?“) und Prof. Ronig. Sie fanden wie üblich im großen Saal des Eltzerhofstiftes statt, zweimal begleitet von Susanne Burgschweiger an der Querflöte.
Die Bildungsreisen führten 2004 nach Erfurt, 2005 nach Dresden und 2006 ins Emsland mit Bad Bentheim, der Transrapid-Strecke, der Meier Werft, Papenburg und diversen Städtebesichtigungen. Die Tagestouren führten 2004 und 2005 nach Aachen, Augustusburg und Dernau/Ahr, 2006 nach Trier und zur Wallfahrtskirche in Klausen.
Die Vorstandswahlen in 2004 führten zur Wiederwahl des gesamten Vorstandes, so dass es auch keine Aufgabenänderungen gab. Bernd Rademacher war – wie schon seit 1997 – für die Protokollerstellung in den Kalenderjahren verantwortlich.
2007 bis 2009: Das herausragende Ereignis war die Aufstellung der Cusanus-Stele am 23.02.2007 und die im Mai stattgefundene Einweihungsfeier, zu der man Dr. Markus Dröge (heute Landesbischof Berlin), Weihbischof Jörg Michael Peters, OB Dr. Eberhard Schulte-Wissermann, Koblenz, und den Bläserkreis des Cusanus Gymnasium unter Leitung von Oberstudienrat Christian Rivinius begrüßen konnte. Bilder der Veranstaltung wurden auf einer CD festgehalten von den Gebrüdern Brennig.
Manfred Diehl wurde am 26.02.2007 in den Vorstand kooptiert. Pfarrer Josef Müller trat im Februar 2009 in den Vorstand ein und löste mit der Wahl im September 2009 den geistlichen Beirat Domkapitular Stefan Schwarz ab. 2009 kandidiert Dr. Klaus-Peter Grommes nicht mehr für den Vorstand. Mit der Wahl 2009 beendet die Geschäftsführerin L. Wolf ihr Mandat. Die Aufgabe wird von Frau Ingrid Lambert übernommen.
Am 16.02.2009 wird Hans-Dieter Maahs Ehrenmitglied der Lese.
Die Neujahrskonzert 2007 werden von Svetlana Travnikova und Olga Gunia, in 2008 von Benedict und Philipp Klöckner mit dem Pianisten Joshua Galardi und 2009 mit Benedict Klöckner und Estelle Kruger (Gesang) wie schon in den Vorjahren bei Mercedes mit großem Erfolg durchgeführt.
Die Lesesitzungen unter Leitung von Michael Hörter fanden ebenfalls mit großem Erfolg statt. Zu nennen sind hier die Redner Werner Laube und Knacki Deuser.
Zu den Besinnungen konnten wir Prof. Dr. Ockenfels (10 Gebote für Wirtschaft und Politik), Prof. Heribert Niederschlag, Monsignore St. Wahl (Meditation zur kirchlichen Verkündigung in den Medien), Prälat Hans Lambert und Pater Manfred Entrich gewinnen.
Die Tagesreisen führten uns ins Weserbergland, in die fränkische Schweiz sowie nach Aschaffenburg und Seligenstadt. Weitere Tagesreisen führten nach Lorch, St. Lambertus Basilika in Bechtheim und nach Worms sowie nach Darmstadt, Lorch und Heppenheim. Auch fand jährlich das Debbekooche Essen mit nahezu 100 Teilnehmern statt. In 2009 hielt der neue geistliche Beirat Josef Müller zu dieser Veranstaltung einen Vortrag zu Sankt Martin.
Schließlich wagte sich die Lese mit Beschluss vom 11.02.2008 in das Internet mit der Erstellung einer Homepage ursprünglich gestaltet von Herrn Gangolf Krause.
2010 bis 2012 Ein besonderes Ereignis war die Heilig-Rock-Wallfahrt des Katholischen Lesevereins nach Trier. Für über 100 Teilnehmer war dies ein erhebendes Erlebnis.
Bei den Vorstandswahlen 2010 wurde der Vorstand wiedergewählt. Josef Müller als Geistlicher Beirat bestätigt. Zum 31.12.2011 trat Bernd Rademacher als Vorstandsmitglied zurück. Er war seit 1997 für 175 Protokolle im Verein verantwortlich.
In einer Ergänzungswahl 2012 wurde Heinz-Peter Mertens weiteres Vorstandsmitglied, nachdem Gerhard Genzler im März 2012 gesundheitsbedingt nicht mehr an Vorstandssitzungen teilnahm. Gleich in der ersten Vorstandssitzung regte Heinz-Peter Mertens an, die Chronik zu ergänzen. 2011 wurde Berthold Mathias Schäfer zum Ehrenmitglied ernannt. 2011 fand eine Besichtigung und ein Orgelgespräch in Sankt Florin statt. Die Anregung, einen Brunnen an der Cusanus-Stele zu errichten, entstand ebenfalls in 2011.
Die Neujahrskonzerte wie schon in den Vorjahren bei Mercedes Benz wurden von Benedict Klöckner mit Elisaveta Blumina am Piano und Veronika Pfaffenzeller, Sopran, durchgeführt. 2011 traten Ekaterina Tsachenko, Sopran, Nils Liepe am Piano und Niklas Liepe, Violine, auf; schließlich 2012 Benedict Klöckner, begleitet von André Jussow am Piano und Melanie Klöckner mit Sologesang.
Der Umbau der Rhein-Mosel-Halle führte dazu, dass sowohl 2011 als auch 2012 keine Lesesitzungen stattfanden. Krankheitsbedingt vertrat 2010 Stephan Otto als Sitzungspräsident Michael Hörter.
Die Besinnungen wurden von Prälat Hans Lambert (Die Pius-Brüder – Katholische Fundamentalisten), Domkapitular Monsignore Dr. Georg Bätzing (heute Bischof von Limburg), Prof. Dr. Heribert Niederschlag und erneut Prälat Hans Lambert gehalten.
Die Jubiläenehrung fand in 2011 statt, wie alle zwei Jahre.
Mehrtagesreisen führten ins Elsass, insbesondere nach Colmar in 2010, 2011 nach Ulm und 2012 nach Görlitz und Schlesien. Wie auch schon in Vorjahren, standen sämtliche Veranstaltungen unter der verantwortlichen Leitung von Adolf Meinung.
Die Tagesfahrten führten nach Deidesheim und Bruchsal, nach Köln mit Besuch der monastischen Gemeinschaft von Jerusalem und nach Oppenheim und Nierstein mit Empfang durch den Oberbürgermeister.
Der Vorschlag, eine Funkuhr für die Jesuitenkirche (Citykirche) zu stiften, kam in 2012 von Eugen Lambert und wurde noch vor Jahresende durch die Firma Korfhage umgesetzt. Ein Abbild der historischen Vorlage diente bei der Gestaltung als Vorlage für die Uhr. Die ursprüngliche Uhr wurde im 2. Weltkrieg 1944 zerstört. Die Neue ziert nun seit mehreren Jahren den Glockenturm der Kirche an alter Stelle.
Als weitere Veranstaltung fand eine Matinee im Rathaus im Rahmen der Internationalen Musiktage am 24.03.2012 statt.
In 2012 jährte sich der 100. Geburtstag des verstorbenen Ehrenvorsitzenden Peter Malmen.
Die Schaffung einer Sitzgruppe an der Cusanus-Stele wurde zurückgestellt, ebenso die Brunnenanlage. Eine Beleuchtung an der Stele wurde jedoch angebracht.
Die Jahre 2013 und 2014 Die im Krieg zerstörte Uhr an der Jesuitenkirche (Citykirche) wird durch den Leseverein im Februar 2013 erneuert; dabei gilt die alte Uhr als Vorbild bei der Gestaltung. Die Einweihung findet im September 2013 statt. Die Initiative zu dieser Aktion hatte Vorstandsmitglied Eugen Lambert ergriffen. Das mit der Uhr verbundene Glockenspiel erfreut die Besucher des Jesuitenplatzes den ganzen Tag über. Eugen Lambert wählt aus dem Bestand der Melodien jahreszeitlich abgestimmt immer wieder die jahreszeitlich geeigneten aus. An der Cusanus-Stele wird die Beleuchtung installiert. Die Jubiläumsfeier ist zentraler Bestandteil des Vereinslebens in 2013. Der Leseverein beteiligt sich mit einem Zuschuss an der Renovierung der Kapelle des Eltzerhof-Klosters wie auch mit einem weiteren Zuschuss an der „Nacht der offenen Kirchen“.
Als Sonderprogrammpunkt findet in 2014 eine Autorenlesung mit Rudolf Bauer statt „Was ist los mit den Christen“? Rudi Bauer, ein Altstädter Urgestein, war viele Jahre Chef der Zeitung „Rheinische Post“, die in Düsseldorf erscheint. Heinz-Peter Mertens regt an, auch an die Ballveranstaltungen wieder anzuknüpfen durch eine gesellschaftliche Veranstaltung. Neben unserem Objekt in der Waisenhausstraße wird das gewerblich genutzte Nachbarobjekt einer Bebauung zugeführt, die eine Bereicherung der Umgebung mit sich bringt. Bei den Wahlen im Oktober 2013 scheidet Michael Hörter aus dem Vorstand aus. Johannes Thul wird in den Vorstand gewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wird Manfred Diehl gewählt. Heinz-Dieter Maahs legt sein Vorstandsamt nach Abrechnung des Jubiläumsjahres zum 31.12.2014 nieder. Die Neujahrskonzerte 2013 und 2014 werden gestaltet von Benedict Klöckner am Cello, begleitet am Piano von Danae Dörken bzw. Anna Federova. Gesanglich ist Melanie Klöckner eingebunden.
Nach dem Ausfall der Karnevalsveranstaltungen 2011 und 2012 , bedingt durch Umbau der Rhein-Mosel-Halle, ist die Sitzung 2013 unter Leitung von Michael Hörter wieder ein großer Erfolg. Die hohen Kosten nach Umbau der Halle machen nicht nur der Lese zu schaffen und führen, wie in allen Jahren, zu einer finanziellen Unterdeckung. 2014 leitet Stephan Otto zum ersten Mal als neuer Sitzungspräsident erfolgreich die Sitzung. Die Besinnungen werden gehalten von Pfarrer Stefan Wolf (Vom Mut Erfahrungen zu machen), Abt Benedikt Müntenich (Glauben wozu?), Prof. Wolfgang Ockenfels (Ordnung und Moral der Wirtschaft) begleitet von Lukas Klemmer an der Gitarre und nochmals von Stefan Wolf.
Die Mehrtagesreisen führen 2013 in die Oberpfalz und Böhmen, Bayreuth, Eger, Marienbad und Waldsassen. 2014 nach Leipzig, Lützen, Muldetal (erstmals mit der Firma Welter’s Reisen, Mayen, als Veranstalter). Die Tagesfahrten führen 2013 nach Wetzlar und Limburg/Lahn und 2014 nach Aachen.
Chronik 1963 - 2003 aus Anlass des 140-jährigen Jubiläums weitergeschrieben
Das Jahrhundertjahr 1963 wurde vom Vorstand sorgsam vorbereitet. Eine Festwoche vom 19. bis 26. Mai sollte das 100-jährige Bestehen des Kath. Lesevereins festlich dokumentieren. Ministerpräsident Dr. h. c. Peter Altmeier hatte sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft zu übernehmen.
Mit einem Pontifikal-Hochamt in St. Kastor, das von Diözesanbischof Dr. Matthias Wehr zelebriert wurde, begannen die Jubiläumsfeierlichkeiten. Der Kirchenchor St. Kastor sang unter Leitung von Heinz Nickisch die Missa Festiva von Flor Peters, begleitet an der Orgel von Heinz Anton Höhnen.
Dr. Kurt Esser hielt die Festpredigt.
Am abendlichen Festakt im renovierten großen Festsaal konnte Vorsitzender Peter Malmen neben vielen Persönlichkeiten des kirchlichen und öffentlichen Lebens auch Ehrenmitglied und Schirmherr Ministerpräsident Dr. h. c. Peter Altmeier begrüßen. Der Vorsitzende gab zunächst einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, und Festredner Oberstudiendirektor Wilhelm Gulde stellte besonders die geistig religiösen Werte der katholischen Vereine in den letzten 100 Jahren heraus. Oberbürgermeister Macke überbrachte die Grüße der Stadt Koblenz und Domkapitular Schäfer die Glückwünsche des Bischofs.
Alt-Oberbürgermeister Josef Schnorbach, Staatsminister a. D. Johannes Junglas, Stadtdechant Peter Plein, Pastor Johannes Klein, Wienand Jechel und Willi Hörter sen. wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Festabend wurde mit Gesangsdarbietungen des Kirchenchors St. Kastor feierlich umrahmt.
Ein weiterer Höhepunkt der Festwoche brachte der Vortrag von Pater Maurus Münch.
O.S.B. von der Abtei St. Matthias Trier mit dem Thema: „100 Jahre Kath. Leseverein – Erbe und Verpflichtung“, der auch als Sonderdruck veröffentlicht wurde. Eine Feierstunde am Görresdenkmal zu Ehren des großen Koblenzers Josef Görres und eine Kranzniederlegung am Grabe des Mitgründers und ersten Vorsitzenden Advokat-Anwalt Franz Adams II fanden Widerhall bei den Mitgliedern.
Mit einem Tanzabend für die Koblenzer Jugend und dem Jubiläumsfestball als Abschluss endeten die Feierlichkeiten zur Hundertjahrfeier.
Bleibt noch besonders zu erwähnen, dass eine umfangreiche mit vielen Beiträgen und Bildern erstellte Festschrift große Beachtung fand, die von Theo Weber, Clemens Theis und Heinrich Wolf gestaltet wurde.
Dem Vorstand im Jubiläumsjahr gehörten an: Peter Malmen, Vorsitzender Karl Flach, Stellvertreter Prälat Dr. Kurt Esser, geistlicher Beirat Willi Daniel, Beisitzer Peter Kloke, Beisitzer Jakob Krämer, Beisitzer Alfons Sauerborn, Beisitzer Dieter Siefarth, Beisitzer Clemens Theis, Beisitzer Dr. Alois Wirtz, Beisitzer Gustav Wirtz, Beisitzer Heinrich Wolf, Beisitzer
In der Jahreshauptversammlung 1963 wurde der Vorstand nahezu vollständig bestätigt. Für das aus gesundheitlichen Gründen ausscheidende Mitglied Jakob Krämer wurde Dr. Clemens Henrich gewählt. Der Katharinenball wurde wegen der Ermordung von US-Präsident Kennedy kurzfristig abgesagt.
Im Rahmen des Besinnungstages am 2. Adventssonntag wurde Jupp Thunert wegen seiner großen Verdienste um unseren Verein zum Ehrenmitglied ernannt.
Die folgenden Jahre zeigten, dass der Besuch und die Nutzung unseres Vereinshauses merklich nachließen und die Wirtschaftlichkeit kaum gewährleistet war. Zeitweise musste der Restaurationsbetrieb geschlossen werden. Verhandlungen mit dem Bund, das Haus als Soldatenheim zu vermieten, scheiterten ebenso wie eine Nutzung durch die bischöfliche Behörde in Trier.
Ab dem 1. September 1965 wurde das Haus wieder geöffnet. Von einer Veräußerung wurde vorerst abgesehen.
In der Jahreshauptversammlung am 24. April 1968 wurden eine neue Satzung verabschiedet und ein neuer Vorstand gewählt. Vorsitzender blieb Peter Malmen, Stellvertreter Willi Daniel, geistl. Beirat Dr. Kurt Esser, Beisitzer: Anton Kirschhöfer, Dr. Ewald Thul, Heinrich Wolf, Günther Zenzen.
Josef Muth und Edmund Anton Reif wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt, da sie dem Verein uneigennützig helfend zur Verfügung gestanden hatten. Die wirtschaftliche Situation des Görreshauses verschlechterte sich zunehmend, so dass in der Jahreshauptversammlung 1971 der Verkauf des Vereinshauses beschlossen wurde. Für rund 1 Million DM wurde das Gebäude nach langen Verhandlungen von der Stadt Koblenz erworben. Der Vertrag wurde am 1. März 1972 beurkundet. Damit konnte erreicht werden, dass ein Abbruch dieses historisch wertvollen Gebäudes verhindert wurde.
Zu einem Altennachmittag hatte der Vorstand am 15. März 1972 nochmals in das Görreshaus eingeladen. Es fanden sich viele Mitglieder ein. Man war sich bewusst, dass das Vereinsleben auch nach Trennung von dem Vereinshaus weitergeht, da in der Vergangenheit schon Veranstaltungen in der Rhein-Mosel-Halle stattgefunden hatten und alle gut besucht waren.
Ab Juli 1972 übernimmt Frau Elisabeth Wolf die Geschäftsführung des Vereins.
Das 110-jährige Stiftungsfest feierte der Verein, verbunden mit dem Dreikönigs-Bohnen-Ball, im kleinen Saal der Rhein-Mosel-Halle. Wilhelm Fürst und Heinrich Elsner erhielten für ihre Verdienste um den Verein die Urkunde als Ehrenmitglieder. Oberbürgermeister Willi Hörter überreichte im Auftrag des Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl dem Vorsitzenden Peter Malmen den Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz für die Verdienste des Kath. Lesevereins auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet.
Am 10. Februar 1973 starb unser Ehrenmitglied, Domkapitular Peter Plein, und wenige Tage später, am 18. Februar 1973, wurde unser langjähriger geistlicher Beirat, Pastor Carl Schlüter heimgerufen. Unser Ehrenmitglied Oberbürgermeister a.D. Josef Schnorbach verließ uns am 22. August des gleichen Jahres. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird er zu Grabe getragen.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball 1974 fand aus organisatorischen Gründen im Kaisersaal des Kurfürstlichen Schlosses statt. Über 800 Besucher fanden sich ein, so dass auch die Nebenräume in Anspruch genommen werden mussten. Es war ein festlicher Abend, an den man sich noch lange Zeit gerne erinnerte.
Die Kappensitzung im gleichen Jahr fand so großen Zuspruch, dass man den großen Saal der Rhein-Mosel-Halle anmieten musste.
Als bedeutende Vortragsveranstaltung ist ein Abend mit Erzherzog Dr. Otto von Habsburg zu erwähnen, der auf Einladung unseres Vereins im überfüllten Saal der IHK über das Thema „Ist Europa noch zu retten?“ referierte.
In der Jahreshauptversammlung auf der Königsbach wurde der Vorstand unverändert bestätigt. Für den verstorbenen Pastor Schlüter wurde Pastor Michael Franz als geistlicher Beirat gewählt. Heinrich Wolf wurde für seine engagierte 25-jährige Vorstandstätigkeit zum Ehrenmitglied ernannt.
Höhepunkte des Görresjahres 1976 waren die Veranstaltungen der Görres-Gesellschaft vom 25. bis 29. September 1976 aus Anlass ihrer Gründung vor 100 Jahren in Koblenz. Ein Pontifikalamt in St. Kastor mit den Kardinälen Höffner und Volk, den Bischöfen Kempf und Dr. Stein und den Vertretern des Staates, an ihrer Spitze Bundespräsident Walter Scheel und Ministerpräsident Dr. Kohl, und dem anschließenden Festakt in der Rhein-Mosel-Halle waren bedeutende Ereignisse.
Der Leseverein gedachte seines großen Sohnes in Vortragsveranstaltungen mit Prof. Dr. Bossle, des Verlegers Dr. Binkowski und Prof. Dr. Illies.
Am 28. August 1977 starb unser Ehrenmitglied Ministerpräsident a.D. Dr. h. c. Peter Altmeier. Nach einem Staatsakt in der Rhein-Mosel-Halle und dem Totenamt in der St. Josefskirche wurde der Ehrenbürger der Stadt Koblenz unter großer Anteilnahme von Persönlichkeiten des kirchlichen und weltlichen Lebens und der Bevölkerung auf dem Hauptfriedhof zur Ruhe gebettet.
In der Jahreshauptversammlung am 15. November 1977 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Dr. Ewald Thul wird 1. Vorsitzender, Peter Malmen einstimmig Ehrenvorsitzender mit Sitz und Stimme im Vorstand, Willi Daniel Stellvertreter; geistlicher Beirat blieb Pastor Michael Franz, weitere Vorstandsmitglieder sind Heinrich Wolf, Günther Zenzen und Alfons Sauerborn. Anton Kirchhöfer hat nach 10-jähriger Vorstandstätigkeit nicht mehr kandidiert.
Leider musste in 1978 der Dreikönigs-Bohnen-Ball ausfallen, da kein geeigneter Balltermin zu erhalten war. Dafür wurde das Frühlingsfest im größeren Rahmen gefeiert. Außerdem wurden Fahrten nach Oberwesel und Limburg veranstaltet, die großen Zuspruch fanden.
Vorstandsmitglied Heinrich Wolf erhielt den Altstadtpreis 1978, der zum vierten Male verliehen wurde. Er wurde ausgezeichnet für seine heimatkundlichen Schriften und seine ausgezeichneten fotografischen Bildberichte.
Erwähnenswert ist im Rahmen der Gedenkfeiern aus Anlass des 200.Geburtstages von Clemens von Brentano der Vortragsabend unseres Vereins am 10. März 1978 in der Deinhard-Kongress-Halle vor über 400 Zuhörern mit Prof. Dr. Heckmann aus Bad Vilbel, einem der besten Kenner von Brentanos, wie der Vorsitzende Dr. Thul in seiner Begrüßung erwähnte.
Die Jahreshauptversammlung am 21. November 1978 verlief harmonisch. Der Vorsitzende konnte mitteilen, dass sich die Mitgliederzahl auf 538 erhöht hat.
Der Dreikönigsball 1979 fand wieder bei guter Beteiligung im großen Saal der Rhein- Mosel-Halle statt.
Höhepunkt im Karneval war die Kappensitzung der Lese unter Itsche Sauerborn, der das närrische Präsidium anführte. Vorsitzender Dr. Ewald Thul dankte im Verlauf der Veranstaltung dem anwesenden Oberbürgermeister Willi Hörter, der fast zwei Jahrzehnte Sitzungspräsident der Lese gewesen war. Peter Kloke, der 30 Jahre aktiv in den Lesesitzungen tätig war, verabschiedete sich aus der Bütt.
Ehrenmitglied Josef Muth wurde am 17. März 1979 zu Grabe getragen. Er hatte in schwerer Zeit dem Verein mit Rat und Tat zur Verfügung gestanden.
Die weiteren traditionellen Jahresveranstaltungen verliefen ohne Besonderheiten. Allerdings ließ die Beteiligung manchmal zu wünschen übrig. Zur Jahreshauptversammlung 1979 fand sich die Lesefamilie erstmals im Pfarrzentrum St. Franziskus zum Gottesdienst und den anstehenden Regularien zusammen.
Die Veranstaltungen im Jahre 1980 waren gut besucht.
Die Verdienste des 2. Vorsitzenden und langjährigen Schatzmeisters Willi Daniel wurden durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt.
Die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen am 5. September 1980 brachten keine Veränderungen im Vorstand.
Die Teilnahme am Katharinenball am 29. November 1980 erfüllte nicht die Erwartungen des Vereins, dagegen war der Dreikönigsball am 3. Januar 1981 wieder ein glanzvoller Erfolg. Ebenso die Kappensitzung am 25. Februar, in der OB Willi Hörter für den verhinderten Itsche Sauerborn als Sitzungspräsident einsprang und souverän durchs bunte Programm führte.
Dr. Erich Franke, einem treuen Freund und Förderer unseres Vereins, wurde die Ehrenmitgliedschaft zuerkannt. Der Stadtrat ehrte den langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Historiker mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft.
Erinnert sei auch noch an eine Fahrt nach Trier, auf der man unterwegs spontan die Wallfahrtskirche in Klausen besuchte und eine Kerze vor dem Marienaltar aufstellte.
Das Jahr 1982 verlief ohne Besonderheiten, ebenso die Jahresversammlung am 15. Oktober, die in geselliger Runde mit einem guten Glas Wein endete. Zuvor waren noch unsere verdienten Mitglieder Peter Kloke und Peter Iven zu Ehrenmitgliedern ernannt worden.
Einen Verlust für unseren Verein bedeutete der plötzliche und allzu frühe Tod unseres langjährigen Vorstandsmitglieds Heinrich Wolf, den wir am 30. Mai 1983 zu Grabe trugen. Seit 1949 hat er die Geschicke der Lese wesentlich mit gestaltet und tatkräftig unterstützt. Sein von ihm geschaffenes Fotoarchiv ist eine Dokumentation der Zeitgeschichte.
Ein besonderes Ereignis war am 4. Februar 1983 die Heiligtumsfahrt nach Maastricht, die uns gemeinsam mit Angehörigen der Pfarrei St. Beatus und einer Abordnung der St. Sebastianusbruderschaft Ehrenbreitstein dorthin führte. Als Geschenk wurde eine Reliquie des hl. Servatius überbracht mit der Urkunde des Trierer Bischofs. Mit 14.000 Gläubigen feierten wir zusammen das Festhochamt mit Bischof Dr. Gijsen, ein einmaliges Erlebnis für alle Teilnehmer.
In der Jahreshauptversammlung 1983 wurden Eugen Lambert und Gerhard Genzler neu in den Vorstand gewählt, als Nachfolger für den verstorbenen Heinrich Wolf und für den Ehrenvorsitzenden Peter Malmen, der für ein Beisitzeramt nicht mehr kandidierte. Der übrige Vorstand wurde wiedergewählt.
Beachtung verdient die Renovierung des Görreshauses durch das Land Rheinland-Pfalz. Nach der Übereignung durch die Stadt an das Land am 8. Dezember 1980 wurden inzwischen die Planungen für die Renovierung durchgeführt und Mittel von rd. 6,8 Mill. DM bereitgestellt, so dass die Bauarbeiten im April 1983 beginnen konnten, welche für das Staatsorchester Rheinische Philharmonie eine Bleibe schaffen sollten. Am 22. November 1983 konnte das Richtfest gefeiert werden.
Dreikönigsball, Kappensitzung, Fahrten nach Bernkastel-Kues und Aachen, Vorträge von Prof. Dr. Rudolf Haubst über Nikolaus von Kues und Prof. Dr. Heckenbach über „Kult und Musik“ sowie der Katharinenball, eine Weinprobe im Kolpinghaus und eine gut besuchte Jahreshauptversammlung 1984 zeigten die umfangreichen Aktivitäten auf.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball am 5. Januar 1985 fand leider nicht die erhoffte Beteiligung. Dagegen war die Karnevalssitzung im Kammermusiksaal überfüllt. Erstmals schwang Rudi Schmidt das närrische Zepter als Sitzungspräsident, nachdem Itsche einem Jüngeren nach 13 Jahren das Amt übertragen hatte. Auch die übrige Jahreszeit hatte ein volles Programm. Fahrten nach Xanten und Kevelaer, nach Prüm und Himmerod, Jubilarenehrung für 25- und 50-jährige Mitgliedschaft, Besinnungstage, bestimmten das Vereinsgeschehen. In der Jahreshauptversammlung 1985 wurde Berthold Matthias Schäfer neuer geistlicher Beirat, nachdem Pastor Michael Franz aus gesundheitlichen Gründen die Aufgabe nicht mehr wahrnehmen konnte. Für sein Engagement um unseren Verein wurde er spontan zum Ehrenmitglied ernannt.
In einer Vortragsveranstaltung sprach Diözesanbischof Dr. Spital zu brennenden Fragen unserer Zeit im vollbesetzten Saal der Handwerkskammer. Das Treffen zum hl. Martin und der Katharinenball beendeten das Vereinsjahr.
Auch das Jahr 1986 verlief in gewohnter Weise. Leider mussten wir unser Ehrenmitglied und langjährigen geistlichen Beirat, Pastor Michael Franz zu Grabe tragen. Er liegt auf dem Friedhof in Gemmerath begraben. Viele Koblenzer nahmen an der Beerdigung teil. In der Jahreshauptversammlung 1986 mit Neuwahlen gab es keine Veränderungen im Vorstand.
Der Katharinenball am 29. November wurde gemeinsam mit den Pfarrangehörigen von St. Kastor gefeiert, und zwar aus Anlass des 1150. Geburtstages des Kastordoms. Eine Tombola zu Gunsten der Kirche erbrachte einen Erlös von 4.225,– DM.
Den Dreikönigsball 1987 eröffneten die Sternsinger von St. Kastor mit freudigem Gesang. Die zahlreichen Besucher dankten mit Gaben und Beifall.
Die Kappensitzung verlief erfolgreich. Die Fahrten nach Fulda zu Bischof Dr. Dyba und nach Saarbrücken waren jeweils mit über 100 Teilnehmern ausgebucht. Die Besinnungstage waren gut besucht. Im übrigen standen für den Vorstand die Vorbereitungen für das 125. Stiftungsfest im Jahre 1988 an. Die Jahresversammlung stand im Zeichen herzlicher Begegnung, die Regularien wurden zügig erledigt.
Mit einem festlichen Dreikönigs-Bohnen-Ball am 2. Januar 1988 begann das Jubiläumsjahr 1988 aus Anlass der 125. Wiederkehr des Gründungstags unseres Vereins.
Das Pontifikalamt mit Bischof Dr. Hermann Josef Spital, mit gestaltet von den Kirchenchören der Pfarreien von Herz Jesu und St. Elisabeth, an der Orgel Heinz Anton Höhnen, erlebten wir eindrucksvoll in St. Kastor. Danach begann die Festakademie im Görressaal. Mit einer Eröffnungsfanfare und der Begrüßung durch unseren Vorsitzenden begann die Feier. Es folgten die Ansprache des Bischofs und ein Grußwort des Landtagspräsidenten Dr. H.P. Volkert. Oberbürgermeister Hörter überbrachte die Glückwünsche von Rat, Verwaltung und Bürgerschaft unserer Stadt. Die Festansprache hielt der Präsident der Görresgesellschaft,
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Hiroaki Masuda.
Die Meditation in der Fastenzeit im Eltzerhofkloster war sehr gut besucht. Das Thema der Kappensitzung mit „125 Jahre lang ist die Lese jung geblieben“ war ein voller Erfolg. An der Fahrt ins Land der Franken nahmen 120 Mitglieder und Freunde teil; und die Flandernfahrt mit nahezu der gleichen Anzahl von Teilnehmern war voller Erlebnisse. In der Jahreshauptversammlung wurden die Veranstaltungen nachbereitet und als sehr eindrucksvoll bezeichnet. Dem Vorstand wurde aus der Versammlung hohes Lob zuteil. „Debbekooche-Esse“ und die Adentsbesinnung beschlossen das ereignisreiche Jubiläumsjahr. In diesem Jahr verloren wir zwei Ehrenmitglieder, Heinrich Elsner am 11. August 1988 und Pastor Jakob Malburg am 26. September 1988.
Im blumengeschmückten großen Saal der Rhein-Mosel-Halle begannen wir am 7. Januar 1989 unser Gesellschaftsleben mit dem traditionellen Dreikönigs-Bohnen-Ball. Die Kappensitzung im neuen Narrenschiff mit einem „gemischten Elferrat“ unter Michaela, alias Michael Hörter, begeisterte das närrische Publikum.
Die Frühlingsfahrt führte nach Essen zur Villa Hügel mit dem herrlichen Park und anschließend in die Münsterkirche mit Domschatzkammer. Nach dem Gottesdienst fuhren wir zum geselligen Abschluss nach Welling.
Sehr zahlreich war die Teilnahme an unserer Jubilarenehrung im Weindorf.
Der zweitägige Herbstausflug brachte uns ins Elsass. Straßburg, Colmar, Obernai mit dem Odilienberg und Neu-Breisach waren die Stationen. Überrascht zeigten sich alle Teilnehmer, dass wir die Grenzen ohne Passkontrollen überschreiten konnten. Europa nimmt Gestalt an.
Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung waren der Rückblick auf das Jubiläumsjahr 1988 und die Neuwahlen zum Vorstand. Ehrenmitglied und Schatzmeister Willi Daniel verzichtete aus Altersgründen auf eine erneute Kandidatur. Vorsitzender Dr. Ewald Thul fand lobende Worte des Dankes für die langjährige und auch zeitweise sehr schwierige Tätigkeit. Zum Nachfolger wurde einstimmig Stadtkämmerer Heinz-Dieter Maahs gewählt. Alle bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt.
Zum Debbekooche-Esse fanden sich 120 Besucher im Kolpinghaus ein. Eugen Lambert fand frohe Begrüßungsworte, und Manfred Gniffke und Werner Laube erfreuten mit lustigen Geschichten und Mundart-Gedichten.
Die Besinnungsnachmittage in der Fastenzeit und im Advent waren von unserem geistlichen Beirat, Pastor Berthold Matthias Schäfer großartig vorbereitet. Ehrenmitglied Peter Kloke, der auch lang im Vorstand tätig war, wurde im Alter von 82 Jahren heimgerufen.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball 1990 hatte mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Oberbürgermeister Willi Hörter einen besonderen Höhepunkt.
Dr. Ewald Thul wies bei der Überreichung der Urkunde besonders auf die großen Verdienste in schwieriger Vereinszeit und auf die langjährige Präsidentschaft im Elferrat der Lese hin.
„Bunt in Bunt“ gab sich die Lesesitzung am 21. Februar 1990 im übervollen Kammermusiksaal der Rhein-Mosel-Halle. In den Uniformen der Koblenzer Karnevalsvereine gab man der Freude darüber Ausdruck, dass man nunmehr auch Mitglied der AKK ist.
Unvergessen bleibt die Reise nach Thüringen nach Öffnung der innerdeutschen Grenze. Mit drei Bussen und 150 Teilnehmern fuhren wir am 11. Mai 1990 zunächst nach Bad Hersfeld, um am nächsten Tag frühmorgens die Grenze zu überschreiten. Die Vopos kontrollierten zwar die Pässe sehr genau, aber der Grenzübertritt war wenig problematisch. Der nachfolgende Besuch auf der Wartburg war für alle ein besonderes Erlebnis. Nach einer Kurzbesichtigung Eisenachs ging’s nach Weimar, einer freundlichen Stadt, die zum Bummeln einlud. Danach fuhren wir nach Erfurt zum Dom, wo wir von dem Weihbischof Hans Reinhard Koch mit großer Freude und Herzlichkeit begrüßt wurden. Mit Weihbischof Koch feierten wir in der Severi-Kirche Eucharistie. Als Gastgeschenk übergaben wir ein Messbuch, pädagogische Materialien für den Kindergarten und Medikamente. Nach dem Stadtbesuch ging es zurück nach Kirchheim, wo wir uns über das Erlebte unterhielten und voller Dankbarkeit am späten Abend zufrieden nach Koblenz zurückkehrten.
Die Herbstfahrt führte über Aschaffenburg und Miltenberg zur barocken Wallfahrtskirche Walldürn, wo wir mit unserem geistlichen Beirat die heilige Messe feierten. Nach abendlicher Rast in Stahlhofen trafen wir kurz vor Mitternacht wieder in Koblenz ein.
Die Besinnungstage vor Ostern und Weihnachten fanden die erhoffte Resonanz. Am 17. März trafen wir uns auf Einladung unseres Mitglieds Franz Krautkremer in der alten Kirche in Spay und am 8. Dezember 1990 in St. Kastor. Beide Meditationen gestaltete Pastor Schäfer.
Die Jahreshauptversammlung1990 stand im Zeichen des Rückblicks auf unsere Fahrt nach Thüringen und Beratungen von Hilfeleistungen in Erfurt.
Im Hinblick auf die Aufgabenmehrung in unserem Vorstand wurde eine Satzungsänderung beschlossen, die eine Erweiterung des Vorstandes um zwei Beisitzer vorsieht. Neu in den Vorstand wurden Alfred Schweitzer und Michael Hörter gewählt.
Im Kolpinghaus fand wieder das St. Martinstreffen mit Debbekooche-Esse statt.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball 1991 war trotz hervorragendem Programm nur mäßig besucht.
Der Vorstand ist hierüber sehr besorgt und hofft im Folgejahr auf stärkeren Besuch, andernfalls ist seine weitere Durchführung aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich.
Wegen des Golfkrieges wurde die Kappensitzung abgesagt.
Zur Jubilarenehrung traf man sich am 4. Juni 1991 im Weindorf. Pastor Kurt Butterbach, ehemals Pfarrer von Liebfrauen, machte sich zum Sprecher der Geehrten und erinnerte an unvergessliche Stunden in der Lese.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 7. Juni 1991 im Pfarrsaal von St. Josef war eine Satzungsänderung zu beschließen, die die Anerkennung der Gemeinnützigkeit unseres Vereins sicherstellen sollte. Bei zwei Enthaltungen wurde die Satzungsänderung beschlossen.
Ein Angebot des Vereins, einen Ausflug für junge Familien zu veranstalten, fand große Resonanz. Zwei Busse mit 30 Kindern, begleitet von ihren Eltern und Großeltern, erlebten frohe Stunden im Brohltal.
Die Herbstfahrt führte nach Selfkant in Holland und war von unserem Mitglied Hanns Heidemanns organisiert worden. Wassenberg und Roermond waren Ziele des Besichtigungsprogramms.
Die Fastenmeditation stand unter dem Leitgedanken „Ostern entgegen“ und der Besinnungstag im Advent „Neuer Aufbruch in der Kirche“.
Unsere Aufbauhilfe Ost waren eine Kücheneinrichtung für den Kindergarten im Marienstift Erfurt und die Übernahme der Außengestaltung des kath. Kindergartens in Weimar. Michael Hörter und Vereinsmitglied Lothar Doré überbrachten die Hilfen in Thüringen.
Die Jahreshauptversammlung am 18. Oktober 1991 befasste sich mit den üblichen Regularien und der Beschlussfassung über ein Geschenk an unsere Heimatstadt aus Anlass ihrer 2000-Jahrfeier. Vorsitzender Dr. Thul erläuterte den Plan des Vorstands, der Stadt Koblenz ein Glockenspiel [mehr] zu schenken, das an der Wand des Jesuitenkollegs angebracht werden solle. Der Vorschlag fand die Zustimmung aller Anwesenden.
Prof. Dr. Franz Ronig zeigte am 19. November 1991 in der HWK eine instruktive Diaschau über seine Reise nach Bolivien. Diese hatte er im Auftrag der Bischofskonferenz Boliviens durchgeführt, um eine Bestandsaufnahme der kirchlichen Baudenkmäler in die Wege zu leiten.
Der Dreikönigsball 1992 war der Auftaktball im Jubiläumsjahr „2000 Jahre Koblenz“. Eine festliche Gestaltung und ein erstklassiges Programm rief viele Besucher in die Rhein-Mosel-Halle.
„Tour de Lese“ war das Motto der Kappensitzung am 26. Februar 1992. Der neue Sessionsorden zeigt die Kastorkirche und war sehr begehrt.
Mit drei Bussen fuhr die Lese am 16. Mai 1992 zur Salier-Ausstellung nach Speyer. Auch die Besichtigung des Kaiserdoms und der Altstadt standen auf dem Programm. In Wachenheim feierten wir Eucharistie. Danach trafen wir uns zur frohen Runde im Winzerverein.
Glockenspiel für Koblenz! Am 2. Juni 1992 wurde Oberbürgermeister Willi Hörter unser Glockenspiel als Geschenk für die Bürgerschaft auf dem Jesuitenplatz übergeben. Viele Mitglieder und Gäste hatten sich dort eingefunden, um den ersten Glockenklang zu hören. Die Gülser Blaskapelle St. Servatius umrahmte die großartige Feier, an die sich ein Umtrunk im Hof des Rathaus-Gebäudes II anschloss.
Die Herbstreise führte nach Metz. Die Kathedrale mit Fenstern von Marc Chagall hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Nach der Stadtrundfahrt ging es nach Trier, wo wir in St. Paulin einen gemeinsamen Gottesdienst feierten.
Der Ausflug der jungen Familien ging nach Kommern ins Freilichtmuseum. Kinder und Begleiter hatten ein begeisterndes Programm vorbereitet.
Am 17. September 1992 fand im Gewölbekeller des Mittelrhein-Museums die Buchvorstellung „Koblenz im deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhundert“ statt. Verfasser war Kulturdezernent Heinrich Denzer, Mitglied unseres Vereins. Viele Besucher waren unserer Einladung gefolgt. Das Büchlein wurde allen Vereinsmitgliedern als Geschenk übersandt.
Zur Jahreshauptversammlung traf sich die Lesefamilie im Pfarrzentrum St. Franziskus. Neben den Regularien erbrachten die Neuwahlen keine Veränderungen im Vorstand.
Das Debbekooche-Esse am 13. November 1992 hatte mit über 150 Teilnehmern wieder Rekordbesuch.
Auch zum Vortragsabend am 20. November 1992 mit dem sowjetischen Botschaftsrat Iwan A. Kurpakow, einem Freund unseres Vorsitzenden, kamen zahlreiche Zuhörer ins Auditorium der HWK. Eine lebhafte Diskussion schloss sich den Ausführungen des Referenten über die wirtschaftliche Situation Russlands an.
Die beiden Meditationstage in der Fastenzeit und im Advent waren von unserem geistlichen Beirat, Pastor Schäfer hervorragend gestaltet.
Nach langer Vakanz besuchte der Nikolaus 52 Kinder der Lesefamilie. Für alle Kinder hatte der Himmelsmann löbliche Worte und eine bunte Tüte mitgebracht. Die Kinder dankten mit alten Nikolausliedern.
Zum Dreikönigs-Bohnen-Ball 1993 war mit einem anspruchsvollen Programm eingeladen worden. Leider war die Teilnehmerzahl sehr rückläufig, so dass der Vorstand den Beschluss fasste, ab 1994 auf Ballveranstaltungen zu verzichten, da diese wegen der Kostenbelastungen nicht mehr finanzierbar war.
„Der Glöckner von Notre Lese“ war das Motto der Kappensitzung. Fünf Stunden wurden die närrischen Besucher „astrein“ unterhalten.
Fritzlar – Goslar – Halberstadt – Quedlinburg – Duderstadt waren die Ziele einer Dreitagesfahrt durch den Harz, die alle Teilnehmer im Wonnemonat Mai begeisterte.
Im Weindorf wurden am 4. Juni 1993 33 Mitglieder geehrt, die 25 bzw.40 Jahre dem Verein die Treue gehalten haben.
Unseren geistlichen Beirat, Pastor Berthold Matthias Schäfer, mussten wir leider nach Weiskirchen im Hochwald verabschieden. Als Dank für seine großen Verdienste in der Lese wurde ihm vom Vorstand die Goldene Görres-Medaille verliehen.
Daher war nur allzu verständlich, dass die Herbstfahrt zur Einführung unseres Freundes nach Weiskirchen ging, wo wir einen festlichen Gottesdienst und einen großen Empfang erlebten.
Zur Jahreshauptversammlung am 15. Oktober 1993 war nach St. Josef eingeladen. Pfarrer und Dechant Karl Schulz feierte mit uns Eucharistie, und wir konnten auch während des Gottesdienstes der neuen Orgel lauschen, die meisterhaft vom Organisten Mutschke gespielt wurde. Die Regularien im Pfarrsaal waren bald zügig beendet, so dass ausreichend Zeit zur frohen Unterhaltung gegeben war.
Mit 170 Teilnehmern war das Kolpinghaus zum Debbekooche-Esse ausverkauft. Hier stellte sich Prinz Karneval 1993/94 als Michael I. mit Kostproben seines humorvollen Könnens vor.
Die Besinnungstage am 27. März 1993 und auch am 11. Dezember 1993 hatte nochmals unser geistlicher Beirat, Pastor Schäfer gestaltet. Er dankte bei seiner letzten offiziellen Begegnung ausdrücklich der Lesefamilie für die schönen und guten Jahre, die er gemeinsam mit uns verbracht habe.
Mit einer neuen Veranstaltung überraschte der Vorstand seine Mitglieder am 30. Januar 1994. Erstmals wurde zu einem Neujahrskonzert eingeladen, als Ersatz für den Dreikönigs-Bohnen-Ball. Prof. Boris Lewantowitsch begeisterte in der vollbesetzten Galerie der HWK die Zuhörer mit Werken von Mozart, Schubert und Mussorgski. Der Vorstand beschloss spontan, diese Veranstaltung zu einer festen Einrichtung werden zu lassen.
Die Lesekappensitzung unter „Einspringpräsident“ Dr. Ewald Thul war ein voller Erfolg, da Michael I. mit Confluentia Karin als Tollitätenpaar die Jokusstadt Koblenz regierte und nur mit ihrem Besuch zur Verfügung stand.
Der Besinnungstag am 19. März 1994 wurde von Pastor Manfred Plunien gestaltet und stand unter dem Thema „Komme zu dir selbst“.
Ein Vortrag am 16. April 1994 mit Prof. Franz Josef Heyen in der HWK führte uns die neuen Chorfenster von Liebfrauen vor Augen.
Die Zweitagesfahrt am 7. und 8. Mai 1994 ins Land der Franken war ein kulturelles Erlebnis für alle Teilnehmer.
Am 19. September 1994 wurde unserem Vorstandsmitglied Gerhard Genzler die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Dem langjährigen Schriftführer wurde somit vom Vorsitzenden für seinen nie erlahmenden Einsatz gedankt.
Die Jahreshauptversammlung am 29. September 1994 verlief sehr zügig. Zum neuen geistlichen Beirat wurde einstimmig Domkapitular Stephan Schwarz, Pfarrer von St. Kastor, gewählt.
Das Ziel der Herbstfahrt am 8. Oktober 1994 war Frankfurt am Main.
Das Debbekooche-Esse fand am 9. November 1994 erstmals im Soldatenfreizeitheim Haus Horchheimer Höhe statt. Bis auf den letzten Platz war der große Saal besetzt. Dekorationen und Debbekooche waren sehr geschmackvoll.
Auch das zweite Neujahrskonzert der Lese am 8. Januar 1995, wieder mit Prof. Boris Lewantowitsch, war ein großer Erfolg. Auch diesmal war die Galerie des Handwerks voll besetzt.
Nach gründlichen Vorstandsberatungen wurde die Lesekappensitzung 1995 in den großen Saal der Rhein-Mosel-Halle verlegt. Sitzungspräsident Michael Hörter konnte nahezu 800 Gäste begrüßen. Ein übergroßer Clown als Bühnenbild und ein Elferrat in prächtigen Clownskostümen waren die Augenweide für eine gelungene Sitzungsparade.
„Christsein in einer säkularen Welt“ war das Thema unserer Fastenbesinnung mit Domkapitular Pfarrer Stephan Schwarz, unserem geistlichen Beirat.
Die Frühlingsfahrt führte ins Münsterland.
Zur Jubilarenehrung für 25- und 40-jährige Mitgliedschaft fanden sich am 12. Juni 1995 viele Mitglieder im Weindorf zusammen.
Mit einer Herbstfahrt nach Bonn in das Haus der Deutschen Geschichte, nach Schwarzrheindorf zum Besuch der berühmen Doppelkirche und dem Abschlussgottesdienst in St. Laurentius Ahrweiler endete ein schöner Tagesausflug.
In der Jahreshauptversammlung am 6. Oktober 1995 standen Satzungsänderungen und Neuwahlen an. Der Vorschlag zur Satzungsänderung lautete: Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter, sowie bis zu neun Beisitzern. Dem Vorschlag wurde mehrheitlich zugestimmt.
Die Vorstandswahlen brachten folgendes Ergebnis:
Vorsitzender: Dr. Ewald Thul Stellvertreter: Alfons Sauerborn Geistlicher Beirat: Domkapitular Stephan Schwarz Schatzmeister: Heinz-Dieter Maahs Beisitzer: Hans Breuer, Gerhard Genzler, Michael Hörter, Eugen Lambert, Bernd Rademacher, Alfred Schweitzer, Günther Zenzen.
Das Debbekooche-Esse fand wieder im vollbesetzten Saal des Soldatenfreizeitheimes statt..
Am 21. November 1995 erhielt unser Ehrenmitglied Oberbürgermeister a.D. Willi Hörter den Ehrenbürgerbrief der Stadt Koblenz.
Abwechslungsreich war das Neujahrskonzert 1996 erstmals in der großen Verkaufshalle von Mercedes-Benz mit Schülerinnen und Schülern der Musikschule Koblenz. Direktor Detlef König und Vorsitzender Dr. Ewald Thul begrüßten die zahlreich erschienenen Gäste.
Die Lesesitzung 1996 im großen Saal der Rhein-Mosel-Halle war gut besucht.
Die zweitägige Belgienfahrt am 22. und 23. Juni 1996 mit über 100 Teilnehmern war ein großartiges Erlebnis.
Am 15. August 1996 starb unser Ehrenmitglied und der Ehrenbürger unserer Heimatstadt Oberbürgermeister a.D. Willi Hörter. Seine Tatkraft und sein Wirken bleiben unvergessen.
Rommersdorf, das ehemalige Kloster in Heimbach-Weis bei Neuwied, war unser Besuchsziel am 3. Oktober 1996.
Zum Fest des hl. Martin trafen wir uns zum geschmackvollen Debbekooche im Hause Horchheimer Höhe.
Die Jahreshauptversammlung verlief harmonisch und klang, wie immer, mit Brot und Wein aus.
Wieder im Hause Mercedes-Benz begrüßten wir das neue Jahr mit einem klangvollen Konzert mit Edeltrud Kahn, Sopran, von der Oper Bonn, begleitet von Swetlana Trawnikowa, Koblenz, am Klavier.
Mit unserem Vorsitzenden als Aushilfs-Sitzungspräsident stand die Lesekappen-Sitzung unter Volldampf.
Berlin, Potsdam, Hildesheim waren die Stationen unserer Frühjahrsreise mit 50 Teilnehmern, an die man sich gerne erinnert.
25 Mitglieder wurden am 13. Juni 1997 für langjährige Mitgliedschaft geehrt.
Im Juni erschien erstmals die „Lese-Info“, ein Mitteilungsblatt des Vereins, die aktuelle Berichterstattung über die Geschehnisse der Gesellschaft vermittelt und Bindeglied zwischen Vorstand und Verein sein soll.
Die Besinnungstage in der Fastenzeit wurden von unserem geistlichen Beirat und im Advent von Pastor Plunien gestaltet.
Am Empfang im Gürzenich in Köln aus Anlass des 100-jährigen Bestehens von OMNES UNUM, unserem Dachverband, nahm eine Abordnung des Vorstands teil. Unser Vorsitzender nahm die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Köln wahr.
Am 13. September 1997 fuhr die Lese an die Lahn mit dem Besuch des Limburger Doms. Der prächtig renovierte Innenraum des Gotteshauses überraschte die vielen Reiseteilnehmer. Weilburg und Dietkirchen waren weitere Stationen der Herbstfahrt.
Aus der Jahreshauptversammlung ist zu berichten, dass die Satzung insoweit geändert wurde, dass auch evangelische Christen und andere Gläubige, die sich den Zielen der Lese verbunden fühlen, die Mitgliedschaft der Lese erwerben können. Außerdem folgten die Mitglieder einem Vorschlag des Vorstandes, Mittel für die Errichtung eines Cusanus-Denkmals anzusammeln.
Mit 180 Teilnehmern war das Debbekooche-Esse im Soldatenfreizeitheim wieder überaus gut besucht.
Mit Klassik und Romantik startete die Lese ins Jahr 1998. Das Konzert in der Daimler-Benz-Halle konnte die Gäste kaum aufnehmen. Daher versprach Direktor Detlef König in seiner Begrüßung, die Sitzplätze im nächsten Jahr um weitere 50 zu erhöhen. Ursula Targler, Sopran, mit Thomas Eitle am Klavier erhielten für ihre Darbietungen wahre Ovationen.
Ein Feuerwerk des Frohsinns zelebrierte der Lese-Elferrat mit Michael Hörter als Präsident und Ewald Thul als singender und reimender Protokoller in der Session 1998.
Am Fastenbesinnungstag meditierte Dechant und Pfarrer Helmut Kusche über das Thema „Christliches Leben im Zeichen des Kreuzes“.
Die Frühjahrsfahrt ging in die Nordeifel, zunächst nach Steinfeld, ehemals Prämonstratenserabtei, dann nach Monschau und am Nachmittag zur früheren Benediktinerabtei Kornelimünster.
Passau war das Ziel der Herbstreise vom 16. bis 18. Oktober 1998. Eine ausgiebige Stadtbesichtigung mit Orgelkonzert im Dom, eine Schifffahrt auf der Donau und Besuch der Marienfeste in Würzburg auf der Heimfahrt waren die Hauptstationen des Ausflugs.
Vom 22. bis 25. Oktober 1998 war OMNES UNUM, unser Dachverband, zu Gast in Koblenz
Neben der Arbeitstagung mit den Delegierten standen für den Vorstand eine Stadtführung mit Empfang im Schöffenstübchen und ein Essen mit dem Lesevorstand auf dem Programm. Die gemeinsame Eucharistiefeier erlebten wir in der St. Kastor-Basilika.
Nach der Wahlniederlage von Helmut Kohl fuhren unsere Vorstandsmitglieder Dr. Ewald Thul und Günther Zenzen ins Bundeskanzleramt, um unser Görresbild, 1876 von Settegast geschaffen, wieder in Empfang zu nehmen. Dort hatte es 16 Jahre im Arbeitszimmer von Bundeskanzler Helmut Kohl gehangen. Das Bild wurde als Leihgabe dem Mittelrhein-Museum überlassen.
Organist Joachim Aßmann erläuterte am 17. November 1998 in Herz Jesu zahlreichen Mitgliedern der Lese die Orgel und bot zum Abschluss ein großartiges Konzert.
In der Jahreshauptversammlung am 28. November 1998 ergaben sich bei den anstehenden Vorstandswahlen keine Veränderungen. Der Vorsitzende kündigte wegen steigender Kosten und sinkender Einnahmen eine Beschlussfassung über eine Beitragserhöhung für die nächste Mitgliederversammlung an.
Mit Philipp Klöckner, Violine, und Martin Stadtfeld, Klavier, begeisterten zwei junge Künstler die vielen Gäste beim Neujahrskonzert 1999 bei Mercedes-Benz.
Die närrische Kappensitzung war wieder gelungen. Der Lese-Orden mit Jesuitenkirche und Glockenspiel war ein begehrtes Sammlerobjekt.
Vom 18. bis 20. Juni 1999 fuhren wir in das Land der Welfen. Braunschweig, Wolfenbüttel, Halberstadt, Quedlinburg, Celle und Osnabrück waren die Hauptreiseziele.
66 Jubilare, eine Rekordzahl, wurden für 25, 40 und 50 Jahre treue Mitgliedschaft im Weindorf geehrt.
Die Bonner Museumsmeile und der Besuch der Kirche Maria im Kapitol in Köln erfreuten die Lesefamilie auf ihrer Herbstreise am 18. September 1999.
Die Jahreshauptversammlung stand ganz im Zeichen der Diskussion um die angekündigte Beitragserhöhung. Der Vorsitzende und der Schatzmeister begründeten die Notwendigkeit einer Anhebung des Jahresbeitrags von 30,- DM auf 50,- DM, der seit dem Jahre 1972 unverändert geblieben war. Bei nur vier Enthaltungen wurde der Erhöhung zugestimmt.
Debbekooche-Esse und Adventsbesinnung beendeten das Jahresprogramm.
Das Neujahrskonzert 2000 gestalteten wieder Philipp Klöckner und Martin Stadtfeld. Mercedes-Benz-Chef Detlef König sprach von einem Konzert der Extraklasse, und unser Vorsitzender dankte für ein Meisterkonzert.
Die Kappensitzung erfreute mit einem bunten Programm.
Einen Besinnungstag besonderer Art erlebten wir in der Fastenzeit mit Prof. Dr. Franz Ronig und einem eindrucksvollen Lichtbildervortrag über ein Evangeliar aus der Werkstatt Heinrich des Löwen.
Die Reise im Frühjahr in das Schwabenland.
Ein Vortrag von Martin Lohmann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung, am 4. Oktober 2000 über das Thema „Kirche und Medien“ fand große Resonanz.
Die Herbstfahrt nach Oberwesel und Karden war gelungen.
Die Jahreshauptversammlung am 20. Dezember 2000 verlief sehr harmonisch. Der Schatzmeister konnte im Rahmen seines Jahresberichtes mitteilen, dass für die Rücklage der Cusanus-Stele bereits ca. 25.000,- DM angespart sind.
Gute Stimmung herrschte beim Debbekooche-Esse am 10. November 2000 im Soldatenfreizeitheim auf der Horchheimer Höhe.
Über das Lebenswerk Nikolaus von Cues referierte Schulpfarrer Thomas Darscheid am 16. Dezember 2000 in einem viel beachteten Vortrag im Eltzerhof.
Über 400 Besucher erlebten am 7. Januar 2001 das Neujahrskonzert bei Mercedes-Benz.
Christine Niessen, Sopran, und Pjotr Wnukowski, Tenor, brillierten mit ihren Stimmen, hervorragend begleitet von Swetlana Trawnikowa am Klavier.
Die Wiederauferstehung der Klamaukpartei mit Werner Laube erlebte die großartige Kappensitzung der Lese am 21. Januar 2001 in der Rhein-Mosel-Halle.
Für den Besinnungstag in der Fastenzeit konnten wir den Jesuitenpater Hans Weyer gewinnen, der mit seinem Vortrag „Die kleine Terz“ besondere Beachtung fand.
Am Gründonnerstag verstarb unser Ehrenvorsitzender Peter Malmen im Alter von 90 Jahren. Von 1957 bis 1972 hat er unseren Verein mit großer Leidenschaft geführt und sich große Verdienste um unsere Gemeinschaft erworben. In Norath wurde er zur letzten Ruhe geleitet.
Zahlreich war die Teilnahme an unserer Jubilarenehrung am 15. Mai 2001 im Weindorf.
48 Mitglieder wurden für 50-, 40- und 25-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt.
Die mehrtägige Frühjahrsreise in die Mark Brandenburg und der Tagesausflug in das herbstliche Bernkastel-Kues fanden großen Anklang.
Am 5. August 2001, kurz vor seinem 90. Geburtstag, verstarb Pastor Kurt Butterbach, von 1950 bis 1968 Pfarrer von Liebfrauen, ein treues Mitglied unseres Vereines, in Rech an der Ahr.
Frohe Stunden erlebten viele Genießer beim Debbekooche-Esse auf der Horchheimer Höhe.
Im Pfarrsaal von St. Josef trafen wir uns zur Jahreshauptversammlung. Der Jahresbeitrag wurde auf 25,– Euro festgesetzt. Für Hans Breuer wurde Dr. Klaus Peter Grommes gewählt. Die übrigen Mitglieder des Vorstands wurden in ihren Ämtern bestätigt.
Das Neujahreskonzert 2002 lockte nahezu 450 Gäste in die Mercedes-Benz-Halle. Die Besucher erlebten ein großartiges Konzert mit dem jungen Geiger Philipp Klöckner und der Pianistin Swetlana Trawnikowa.
„Eine Welt ohne Gott ist eine Welt ohne Sinn und Hoffnung“ war das Thema der Fastenbesinnung mit unserem geistlichen Beirat, Domkapitular Stephan Schwarz im Eltzerhof.
Vom 13. bis 16. Juni 2002 waren unsere Mitglieder zu einer Reise an den Bodensee eingeladen, die begeisterte.
Auch die Herbstfahrt an den Niederrhein fand großen Zuspruch und Anerkennung.
Vorstandsmitglied Eugen Lambert wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Der Vorsitzende, Dr. Ewald Thul, fand lobende Worte für das tatkräftige Engagement des Geehrten um das Vereinsleben.
Aus der Jahreshauptversammlung am 22. November 2002, wieder im renovierten Gemeindesaal St. Franziskus, ist zu berichten, dass Michael Hörter für den erkrankten Alfons Sauerborn zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. „Itsche“ blieb aber Beisitzer im Vorstand.
Mit Sanitätsrat Dr. Clemens Henrich meditierten wir am 7. Dezember 2002 über das Thema: „Die Not der Geburt des Ewigen in uns“, das alle tief bewegte.
Das Neujahrskonzert am 5. Januar 2002 mit Schülerinnen und Schülern des Landesmusikgymnasiums Montabaur bei Mercedes-Benz war ein wahres Meisterkonzert junger Künstler mit stehenden Ovationen der Zuhörer.
Es war der würdige Auftakt für das Jubiläumsjahr „140 Jahre Katholischer Leseverein e.V. Koblenz“.
Für den Fastenbesinnungstag konnte kurzfristig für den erkrankten Referenten Prof. Dr. Franz Ronig die Schönstätter Theologin Dr. Margarete Gruber gewonnen werden.
Die Frühjahrsfahrt führte vom 18. bis 22. Juni 2003 nach Landshut und die eintägige Herbstreise nach Mainz.
Der Vorstand beschließt, die Erstellung des Cusanus-Denkmals dem Künstler und Bildhauer Waldemar Kaspers aus Schuld/Ahr zu übertragen. Als Standort ist der Platz vor der Florinskirche vorgesehen. Ein Spendenaufruf wird gestartet.
Anlässlich der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Katholischen Lesevereins hielt
Prof. Dr. Paul Mikat
Prof. Dr. Paul Mikat die Festansprache, die im Folgenden wiedergegeben wird.
Religion und Politik das Spannungsverhältnis
Religion und Politik markieren zwei in sich eigenständige, spezifisch strukturierte Wirklichkeitsbereiche. Während es politische Herrschaft primär mit den Wirklichkeitsdimensionen der Macht zu tun hat, und Politik als die Kunst der Sicherung und Gestaltung der für das Wohl und Gedeihen eines Gemeinwesens notwendigen Konzentrationsform eben von Macht begriffen werden muss, betrifft die Dimension der Religion den die menschliche Existenz unbedingt angehenden, tragenden und in die Pflicht nehmenden Sinngrund ihrer selbst: Ihr Gegenstand ist das Heilige. Andererseits gilt jedoch auch, wiewohl Politik und Religion ihrem politischen Gegenstand nach zwei sehr heterogene und in sich autonome Bereiche darstellen, dass sie von ihrem jeweiligen Zielgruppenverständnis doch in die Dimension der Geschichte hineinwirkt, sich auf die gesamte menschliche Existenz wie auf den Kontex ihrer Lebensbezüge bezieht und sich, einmal vom Menschen ergriffen, im Vollzug seines sittlichen Anspruchs auf dem Felde der Geschichte bewähren muss.
Entsprechendes gilt für politische Herrschaft, wie sehr diese sich auch auf die Verwaltung und Gestaltung von Macht konzentrieren muss. Ihre Funktionsabläufe in den sozialen Gebilden sind, sofern sie sich der Communis verpflichtet weiß, immer schon auf den Menschen und die Gemeinschaft bezogene Wertorientierungen, und das heißt, in den ethischen Anspruch mit einbezogen. In dem vom Ethischen getragenen Bemühen um das Wohl der Menschen eröffnet sich das Begegnungsfeld von Religion und Politik. Hierin sollen nun im Folgenden einige, speziell auf das Neue Testament bezogene, Gesichtspunkte und Fragen vorgetragen werden.
Vom christlichen Verständnis her nach dem Verhältnis von Politik und Religion zu fragen, kann immer nur heißen, nach der neutestamentlichen Sicht des Politischen fragen, die dem Christen bleibend vorgegeben ist als Wort Gottes, dem er sich in wechselnden, geschichtlichen Situationen stets neu zu stellen und dem er sich zu unterstellen hat. Für die neutestamentliche Sicht des Politischen ist davon auszugehen, dass das neue Testament nicht einmal im Ansatz eine Lehre des Politischen, eine Verordnung des Staates, eine Staatslehre oder eine Staatsphilosophie aufweist. Wohl lassen sich anhand ethisch situationsbedingter Aussagen zur politischen Herrschaft nun einige grundlegende Markierungen für das Verhältnis von Politik und Religion ausmachen, die als solche, auch vom heutigen geschichtlichen Standort aus betrachtet, ein erhellendes Licht auf die Zuordnung unserer beiden Bereiche, vor allem aber auf das Verhalten des Christen gegenüber dem Politischen, werfen. Zentrales Thema des Neuen Testamentes und gleichsam sein archimedischer Punkt ist die Botschaft von der durch Jesus Christus proklamierten, in seinem Wirken, Leiden und seiner Auferstehung angebrochenen und bestätigten und am Ende der Geschichte sich machtvoll vollziehenden Königsherrschaft Gottes. Auf diesem Hintergrund kann es denn keine Form politischer Herrschaft geben, die legitim mit einem absoluten Anspruch aufzutreten vermöchte; sie ist immer nur abgeleitete, relative, vorläufige Größe. Im Bereich des Politischen haben wir es also mit einem Bereich des Vorläufigen, des Relativen, des nicht Letzten, des nicht aufs Heil ausgerichteten Feld zu tun. Bei Röm. 13,1 heißt es lapidar: „Es gibt keine Gewalt außer von Gott, die es aber gibt, ist von Gott angeordnet.“
Sehen wir von den üblichen katholischen naturrechtlichen Begründungen dieser Stelle ab, die einfach nicht tragen, weil unsere Art vom Naturrecht dem Apostel Paulus völlig fremd war. Er spricht nur einmal, wenn Sie so wollen, in begrifflicher Schärfe vom Recht der Natur, nämlich im Korintherbrief, wo er den Frauen eine ganz bestimmte Haartracht verbietet. Niemand wird behaupten, er habe damit etwas außergeschichtlich, ein für alle Zeiten Gültiges anordnen wollen. Nein, hier erfolgt gar keine Wesensbestimmung. Weil es Herrschaft gibt, ist sie zugelassen, ist sie von Gott möglich gemacht worden. Das bedeutet nun einerseits, dass der Christ im Konfliktfall, so, wenn ihm etwa die Verkündigung von Christus dem Auferstandenen untersagt, oder wenn ihm die Apotheose des Cäsars, als des Politischen, abverlangt wird, ganz schlicht Gott mehr gehorchen muss als dem Menschen. Wie es die berühmte Konfliktpotentialität religiöser Interessen in der Apostelgeschichte 5,29 markiert, das ist eigentlich der Schlüsselsatz für das Verhältnis von Religion und Politik schon in der Antike gewesen. Hier zitiert der Verfasser der Apostelgeschichte, Lukas, in 5,29 einen Satz aus der Apologierede des Platon: „Gehorchen werde ich dem Gotte mehr als euch“. Bei Lukas, Apostelgeschichte 5,29, heißt es: „Man muss Gott mehr gehorchen als dem Menschen;“ gewissermaßen die große Thematisierung des Konfliktes von Religion und Politik. Als eine von Gott abgeleitete, innerweltliche relative Größe findet politische Macht an Gottes Herrschaft und an seinem Willen ihre jeweils konkrete, absolute Grenze. Das Neue Testament weiß um das hierin gelegene, außerordentliche Konfliktpotential, das in der Konfrontation, sei es mit der jüdischen Obrigkeit, sei es mit dem römischen Imperium, leidvoll manifestiert werden musste. Das Kreuz Christi ist das Symbol auch für das Verhältnis von Politik und Religion, insoweit es das Symbol der Konfliktpotentialität religiöser Interessen in dieser Welt ist. Christliche Loyalität gegenüber politischer Herrschaft muss in Widerstand durch Zeugnisablegung umschlagen, wenn diese für sich in Anspruch nimmt, was Gottes ist, und sich somit in Vergöttlichung ihrer selbst die Totalität eines umfassenden Anspruchs anmaßt, eine reale Möglichkeit, die in der Geschichte stets eintraf und auch weiterhin eintreffen muss, wenn totalitäre Systeme und Ideologien den Menschen in seiner Existenz total für sich zu vereinnahmen streben.
Auf der anderen Seite ist mit all dem gerade nicht eine prinzipielle Feindschaft des Christen gegenüber der politischen Macht und ihren Institutionen angesprochen, denn die stammt von Gott, sie ist von ihm angeordnet; Röm. 13,1. Im Blick auf Gott muss der Christ – soweit es ihm als Christ möglich ist – den übergeordneten Gewalten gehorchen, er muss, nach einem Worte Jesu, dem Kaiser geben, was des Kaisers ist. Nun wollen wir just dieses viel zitierte, auch viel missverstandene Wort im Hinblick auf seine Bedeutung für das Spannungsverhältnis von Religion und Politik noch kurz befragen. „Er aber sagte ihnen, so gebt dem Gott, was Gottes ist und dem Kaiser, was des Kaisers ist;“ Mk 12,17 und die entsprechenden Parallelen. Interessanterweise wird hier zunächst überhaupt nicht gesagt, wem was ist. Ausgangspunkt: „Ist es erlaubt, Steuern zu zahlen?“ als Versuchungsfrage. Die Münze wird gereicht, „Wes Bildnis seht ihr? Gebt!“ Das klassische Missverständnis dieser Stelle, ich würde sagen, das im naturrechtlichen Abstraktionsdenken wurzelnde Mißverständnis dieser Stelle ist die Scheidung der Bereiche, so als gäbe es nach diesem Satz einen Bereich, der ist Gottes, und der andere Bereich, der ist dem Cäsar oder dann weitergeführt, als hätte diese Stelle etwas zu tun mit dem Verhältnis von Kirche und Staat nach dem Motto: Jeder ist eigenständig in seinem Bereich, und dann gibt es Überschneidungsgebiete, dafür schließen wir Konkordate. In unmittelbarer Nähe des Satzes vom Zinsgroschen steht nun der Satz vom Hauptgebot; „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, mit deiner ganzen Seele, mit all deinen Kräften und deinem ganzen Gemüt.“ Für mich ist also ausgedrückt darin die Dreiheit: Du sollst Gott lieben mit deiner Ganzheit, wobei lieben im Neuen Testament nichts mit Gernehaben und Mögen zu tun hat (wichtig für den politischen Bereich, ich liebe meinen Hund, mein Vaterland und meine Briefmarkensammlung, das sind doch sehr verschiedene Elemente; ich habe gar keine Briefmarkensammlung, aber ich liebe meine Frau). Ich soll ja auch meinen Feind lieben, ich soll ihn nicht mögen, „Gerne haben“ kann man nicht befehlen. Lieben heißt, das Heil des anderen wollen, auch wenn er meines nicht will. Dann kann es befohlen werden. Dann kann es zum Gegenstand eines ethischen Anspruchs gemacht werden. Feindesliebe! Nicht: Finde den anderen nett! Das „Nettsein“ ist nicht der Gegenstand des Neuen Testaments, sondern schaffe du sein Heil. Gib Gott deine Ganzheit!
Das heißt: Gott lieben. Darauf hat er Anspruch.
Kehren wir zu unserer Zuordnung von Religion und Politik zurück: Gott hat den Anspruch auf Ganzheit des Menschen; kann es dann außerhalb des Ganzheitsanspruchs Gottes überhaupt einen anderen Anspruch geben? Oder wird nicht der Anspruch des Cäsars überhaupt erst dann legitimiert, wenn er Anspruch innerhalb des Ganzheitsanspruches Gottes ist? – Gib Gott deine Ganzheit! – Und innerhalb dieser Ganzheit – gib gelassen dem Cäsar, d.h. auch deine Gabe an den Cäsar.
Ich spreche hier jetzt den Bereich des Politischen an: Wenn Gott die Ganzheit nicht nur der religiösen Existenz, sondern der menschlichen Existenz schlechthin für sich beanspruchen kann, dann kann der Mensch keine Ganzhingabe leisten außerhalb dieser Ganzhingabe an Gott. Der Christ ist derjenige, der sich dieses Verhältnisses bewusst ist oder zumindest bewusst sein sollte. Ich kann nicht ein ganzes Leben aufgeben für die Politik. Prüfen wir einmal unsere Redeübertreibungen, ob sie noch wahrhaftig sind. Vor allen Dingen das, was wir so auf Friedhöfen äußern. „Er hat Tag und Nacht für den Sport gelebt.“ Abgesehen davon, dass das auch dem Sport nicht bekommt: der Sport, die Politik, ein Mensch hat keinen Anspruch auf die Ganzheit meiner Existenz. Weder meine Frau, noch meine Familie, noch mein Vaterlang noch die Politik, nur Gott hat Anspruch auf Ganzheit. Dann wird das rechte Maß dessen, was ich im irdischen Bereich tatsächlich zu geben habe, von Gott her bemessen. Wenn du etwas gibst, bleibst du damit innerhalb des Anspruches Gottes? Politisch ausgedrückt, wenn du dieses oder jenes tust in dem Bereich des Politischen, ist es gedeckt vom Ganzheitsanspruch Gottes?
Frage des Christen in der Politik: Es gibt, ich bitte das richtig zu verstehen, keine christliche Politik in dem Sinne, als seien die Inhalte des irdisch Politischen spezifisch christlich. Aber es gibt natürlich das Handeln von Christen im Bereich der irdischen Wirklichkeit, und der Christ hat seinen Sinnhorizont. Dieser Sinnhorizont des Christlichen widerstreitet nicht dem Vernünftigen.
Die Religion ist nicht etwas, in der Glaube gewissermaßen die materiell inhaltliche Voraussetzung des vernünftig politischen Handelns ist. Wäre dem so, so könnte es Handlungseinheiten sinnvoller Art zwischen Christen und Nichtchristen, zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen nicht geben. Nur weil das aus der irreversiblen Vernunft der Dinge dieser Welt Gebotene dem christlichen ja nicht widerstreitet, sind solche Handlungseinheiten in dieser Welt möglich. Als Christ wird er natürlich sein politisches Tun, so er denn existentiell christlich ist, in eine Verbindung zum Anspruch Gottes bringen. Genau diese Verbindung nennen wir Religion. Dann stellen sich einige Fragen, Fragen der Begrenzung von Möglichkeiten innerhalb des Irdischen. Er wird nicht eine schlechthin weltimmanente Erfolgsrationalität zum obersten Kriterium politischen Handelns machen können, sondern wird immer fragen müssen, ob sie sittlich ethisch eingebunden bleibt in den Ganzheitsanspruch Gottes, drastisch ausgedrückt: wenn du Wahlkampf führst, führst du deinen Wahlkampf so, dass er gleichzeitig Gabe an Gott ist?
Das ist der Punkt. Nicht, führst du ihn so, dass du auf jeden Fall den anderen besiegst. Gibt es für dich Feinde? Wenn ja, dann gehe zu ihnen hin! Du musst den ersten Schritt machen. Nicht derjenige macht den ersten Schritt in der Welt des Neuen Testaments, der im Recht ist: Weil der im Unrecht ist, das wird selbstverständlich vorausgesetzt. Wenn du im Recht bist, was immer nur heißen kann, wenn du glaubst, du wärst im Recht, dann gehe zu dem anderen hin, versöhne dich mit ihm, was nicht wiederum heißt, nimm seine Meinung an, sondern wende dich in aller Schärfe und heftig dem irdisch Kontroversen zu. Aber tue es als jemand, der das Heil des anderen wie sein eigenes Heil will. Hier wirkt sich jene von uns im Glauben gebrauchte Bruderschaft der Menschen aus, die eigentlich ja christologisch verordnet ist, denn er ist euer Bruder. In ihm, heißt es im Epheserbrief, hat Gott die Feindschaft überwunden, die Trennwand niedergerissen, die da einst trennte.
Zurück zur Zinsgroschenperikope: Gebt Gott eure Ganzheit und niemand anderem. Und wenn ihr gebt, gebt es gelassen innerhalb des Ganzheitsanspruchs Gottes. Ein zweiter Punkt. Weiß sich der Christ aufgefordert, politische Ordnungsgewalten dieser Welt prinzipiell anzuerkennen, so muss er hierbei doch immer auch die notwendige Profanität der politischen Macht und den vorläufigen Charakter ihrer endlichen Ordnung im Blick behalten. Niemals darf er sich, und das ist nun das Gebot der Relativität des Irdischen, sich Dingen verschreiben, indem er in ihnen ganz aufgeht oder, jetzt anders ausgedrückt, der Faszination der politischen Macht unterliegt. Vielmehr muss er sich dessen bewusst bleiben, dass die Zukunft Gottes nicht in der irdischen Polis liegt, kurzum, dass unser Heil etwas ist, das oberhalb des Politischen ist. Bei Philipper 3,20 heißt es: „Unsere Heimat ist im Himmel.“ Vom Heimatrecht erwarten wir das Heil, d.h. den Retter. Es gibt im Bereiche der Politik keinen endgültigen Retter, weil es in ihm kein existentielles Heil für den Christen gibt. Politeuma, der Ausdruck, der hier in Philipper 3,20 gebraucht wird, bezeichnet an sich die Heimat im eigentlichen Sinne, kommt wohl aus der Seefahrersprache, dass also derjenige, der als Seefahrer in Cicilien oder Kleinasien saß und aus Athen stammte, wenn man den also gefragt hat, wo stammst du eigentlich her, wo ist deine Heimat, wo bist du zu Hause, wo hast du dein völlig originäres Bürgerrecht? Dann konnte der sagen, meine Politeuma, die ist jetzt in Athen. Und es ist interessant, dass uns dieser Begriff hier begegnet. Es ist das eigentliche Heimat-recht, das eigentliche Zuhausesein. „Richtet euch hier ein,“ sagt die Stelle, „aber erwartet nicht das Heil,“ hier seid ihr nicht eigentlich zu Hause. Kann einer jetzt nun sagen, die Stelle passt mir nicht, sie steht im Neuen Testament. Sie sagt etwas über das Verhältnis von Religion und Politik aus, nämlich wo Heil ist. Gerade dieser Hinweis, Phil. 3,20 , auf die genuin eschatologische, heilgeschichtliche Dimension christlicher Existenz, macht uns ja auch in historischer Sicht die Problematik einer geschichtlichen Entwicklung im Abendland deutlich, in deren Verlauf die Kirche nicht nur verschiedene Formen der Staatsautoritäten nachgeahmt hat, sondern selber zum Teil zur Trägerin staatlicher Gewalt wurde, und nicht mehr nur als Gemeinschaft der Gläubigen innerhalb eines Staatsverbandes existierte. Der Kirche als dem endzeitlichen Gottesvolk kommt es nicht zu, ein Mandat über innerweltliche Ordnung zu beanspruchen, sich mit der politischen Potestas vollständig oder teilweise zu identifizieren. Sie ist die Größe des Gegenüber, die endzeitlich ausgerichtete Größe des Gegenüber.
Und drittens, als Schlusspunkt, wenn Sie das noch gestatten. Die Kirche und der einzelne Christ nehmen im Bereiche dieser Welt ihr christliches Proprium wahr. Wenn so viel vom Weltauftrag der Christen und der Kirche die Rede ist, dann muss dieser Weltauftrag der Christen und der Kirche doch offenbar etwas zu tun haben mit dem, was im Zentrum des Neuen Testaments steht, nämlich der in Jesus Christus angebrochenen Gottesherrschaft und in ihr, der einst vollendeten Heimat. Die eigentliche Gefahr der Kirche, die sie auch dann für ihren Dienst im Bereiche des Politischen schwächen wird, ist die Verwischung ihres Propriums. Ich wage die These: Je stärker die Kirche wieder eine Kirche der Verkündigung des Heils, des Kultes, des Gebetes, kurzum je spiritueller sie wieder wird, desto stärker wird sie in ihrem Weltdienst sein.
Die heute viel beklagte Schwäche der Kirche in dieser Welt, die hängt ja nicht etwa mit fehlendem, innerweltlichem Sozialengagement zusammen, sondern eine geistliche Größe, die sich auf den Bereich des innerweltlich Sozialen, aus noch so guten Gründen – ich werte das ja nicht ab – reduziert und ihn als ihr eigentliches Proprium nimmt, wird austauschbar mit anderen Gruppen, die weltlich immanent gleiche Ziele verfolgen. Wenn es die primäre und propriumbildende Aufgabe der Kirche ist, Sozialdienste innerweltlicher Art, die ich nicht abwerte, zu leisten, dann würde ich tatsächlich angemessene, rationale Zusammenwirkungsformen, selbst unter Preisgabe der Existenz von Kirche, empfehlen. Das kann man doch vielleicht ganz vernünftig anders organisieren. Nun sagt das Neue Testament etwas darüber aus, was das Proprium ist. „Ich habe euch zuerst überliefert, was auch mir überliefert worden ist.“ Das zuerst in 1 Kor. 15,3. Was Paulus hier gebraucht, meint er nicht im Sinne einer Reihung, sondern im Sinne des Wichtigsten. Und dann kommt der berühmte Satz von der Auferstehung Jesu: „Dass der, der gestorben ist für uns, auferstanden ist.“ Diese Aussage bildet das Proprium.
Dieses Proprium bestätigt sich: „Darum verkünden wir den Tod des Herrn, bis dass er wiederkommt.“ Reduzieren wir dieses Proprium, schieben Sie es an die Seite, stellen Sie es gar nicht mehr auf den Glauben daran an, dann ist es eigentlich wenig sinnvoll, von hierher noch sich Gedanken über den sogenannten Weltdienst zu machen. Ich verkenne nicht die Bedeutung des aktiven Welthandelns von Christen, aber Christen müssen wissen, dass der Sinnhorizont, aus dem das wahrgenommen wird, der Sinnhorizont eines existentiellen Glaubens sein sollte. Und das ist interessant. Die Tugenden, die guten Werke, werden bei Paulus bezeichnet als Früchte des Glaubens, so wie die bösen Tagen des Menschen als Früchte des Unglaubens erscheinen. Offenbar gibt es hier also einen inneren Zusammenhang, auf den wir hier nicht eingehen. Auch wenn wir jetzt die ethische Seite ausklammern und gewissermaßen nur ein vorläufiges, neutestamentliches Summarium ziehen, so ergibt sich doch, dass der Bereich des Politischen gegenüber dem Bereich des Religiösen als dem existentiell ganzzeitlichen Bereich nicht isoliert ist. Zwar markieren Religion und Politik, so sagten wir anfangs, zwei in sich selbstständige Wirklichkeitsbereiche. Aber diese Selbstständigkeit der Wirklichkeitsbereiche isoliert sie nicht im Sinne des unabhängig voneinander Vollziehbaren, sondern der in ihnen tätige, lebende, handelnde Christ bleibt eingebunden in zwei Zielpunkte: nämlich den Anspruch Gottes und den des zu erwartenden Heils.
Diese Zielpunkte verwirklicht er allerdings nicht nur in seiner jeweils einzelnen individuellen Existenz, sondern als Wesen des Du im Rahmen einer Gemeinschaft. Auch die Kirche als religiöse Gemeinschaft ist also nicht isoliert von den politischen Gemeinschaften. Die Lehre vom Sauerteig sagt letztendlich genau dieses, dass hier gewirkt wird innerhalb der Strukturen dieser Welt, die damit schon ausgerichtet werden auf ihr Ende, nicht auf ihre Endgültigkeit, sondern auf ihr Funktionieren um der Menschen willen in dieser Zeit. Die eigentliche Bewusstseinslage im Bereiche des Politischen und in seinem Verhältnis zum Religiösen ist das Bewusstsein des Christen, dass das Ende der Geschichte in Christus eröffnet ist. Karl Barth hat mit Recht die Zeit dieser Welt bei allem, was in ihr noch passieren kann, im Grunde genommen als den Prolog der Heilszeit, wir könnten aber auch sagen, als das Auslaufen der Geschichte bezeichnet. Im österlichen Ereignis eröffnet sich die Endgültigkeit einer seienden, wie Rahner meint, Heilszeit, und das, was wir Geschichte nennen, verliert deshalb nicht an Bedeutung, aber es verliert an Radikalität. Dieses Bewusstsein, dass die Dinge dieser Welt nicht endgültig sind, sondern vorläufig, ist der eigentliche Grund christlicher Souveränität.
Unter diesem Titel verfasste Heinrich Wolf seine Chronik des Katholischen Lesevereins aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des Vereins. Sie gibt einen guten Einblick in die Geschehnisse jener Zeit, die zur Gründung unseres Vereins in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geführt haben.
Als am 20. November 1837 preußische Truppen das erzbischöfliche Palais in Köln umstellten und Oberpräsident von Bodelschwingh unangemeldet in das Zimmer des Kirchenfürsten drang, um Clemens August von Droste-Vischering zu verhaften und auf die Festung Minden zu bringen, ging ein Sturm der Entrüstung durch die deutschen Lande. Der alte Görres vernahm mit Erschütterung die Worte des Heiligen Vaters, der in einem Schreiben an alle Bischöfe der Welt gegen den Schritt Berlins protestierte. Wie einen Donnerschlag hörte die Welt die wuchtigen Anklagen seines „Athanasius“, einer Schrift, die nochmals die gewaltige innere Kraft des großen Sohnes unserer Stadt spüren ließ.
Fahne des katholischen Leseverein
In diese Zeit reichen die geistigen Wurzeln es „Katholischen Lesevereins“ zurück. Aber der Kölner Kirchenstreit war nur ein äußeres Zeichen der tiefgehenden Auseinandersetzungen um die Position der katholischen Kirche in einer veränderten Welt. Starrem konservativem Denken stellte sich der junge Liberalismus gegenüber, der deutsche Katholizismus war in eine Entscheidung zwischen beiden Kräften gezwungen, um seinen eigenen über die Zeitlichkeit hinausweisenden Auftrag erfüllen zu können. Jahrzehnte eines heftigen inneren Ringens begannen, in das auch der Leseverein einbezogen wurde. Es hieße seine Bedeutung verkennen, wollte man in ihm nur eine spätbiedermeierliche Stätte zur Pflege der bürgerlichen Gemütlichkeit sehen. Der „Athanasius“ des großen Görres fand auch bei den Koblenzern ein begeistertes Echo. Männer aller Stände fanden sich in der Erbitterung über den Schritt der preußischen Regierung zusammen. Sie kamen in der „Donnerstagsgesellschaft“ zusammen, die ihrerseits aus einer „Dienstagsgesellschaft“ hervorgegangen war. Man besprach die politischen Ereignisse, ohne dabei allerdings auch einen guten Schoppen zu verschmähen. Es waren eben Rheinländer, die hier tagten. Die „Dienstagsgesellschaft“ fand sich nach der Flucht von Joseph Görres im Jahre 1819 nach Straßburg bei der Wirtin Thibus im „Vater Rhein“, damals Neustadt, zusammen. Die Seele dieser Gesellschaft war der Stadtrat Hermann Joseph Dietz, zu ihrem Kreis gehörten Clemens Brentano, Stramberg, bekannt als Verfasser des „Rheinischen Antiquarius“, Anwalt Adams I, der Maler M. Müller, Settegast und andere mehr. Meist waren es Angehörige der jüngeren Generation, das Alter hielt sich noch zurück. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit unter ihnen war auch K. H. Burkart, den der Oberpräsident für den Verfasser des beanstandeten Totenzettels für Joseph Görres hielt.
Als Dietz und sein Kreis von der Lebensbühne abgetreten waren, setzten J. N. Longard, Anwalt Adams, von Thimus, Dr. med. Duhr und andere ihr Werk fort und setzten sich für die katholischen Belange ein. Man sprach in diesem Kreis oft von der notwendigen Gründung eines Vereins, der auch eine gesellige Komponente haben müsse, wagte sich aber nicht so recht an eine Lösung. Mehrere Lehrer waren es nun, die die Sache tatkräftig in die Hand nahmen. So kamen dann am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1862 in den Abendstunden in der Wohnung des Lehrers Smits im Schulhaus von St. Castor die Lehrer Smits und Richartz und der Kaufmann Schweppenhäuser zusammen, um über die Gründung eines Vereins zu beraten. Das handschriftliche Original der Niederschrift über diese Zusammenkunft ist noch erhalten und befindet sich im Koblenzer Stadtarchiv in der Stadtbücherei. Diese Männer sahen mit politischem Weitblick, wie sich dunkle Wolken türmten und sich ein neuer Kampf gegen die Kirche ankündigte. Sie nahmen Kontakt mit der in der Schlinkschen Wirtschaft tagenden „Donnerstagsgesellschaft“ auf. Advokat-Anwalt Adams II entwarf ein kurzes Programm und die notwendigen Statuten und übergab sie Lehrer Richartz, der sie seinerseits seinen Freunden überbrachte. Diese trafen sich sonntagabends bei der Witwe Grünewald in der Löhrstraße 51. Nach diesen Vorbesprechungen konnte am 2. Januar 1863 im Lokal Grünewald die eigentliche Gründung des Katholischen Lesevereins durch 12 angesehene Bürger erfolgen. Der später so aktive Dr. Duhr „wollte auch erscheinen, war aber plötzlich dienstlich verhindert“. Man beriet ein vorläufiges Statut, das die Versammelten als provisorischer Vorstand am 4. Januar einem größeren Gremium zur Genehmigung vorlegten.
Am 11. Januar erfolgten dann bei einer Generalversammlung im gleichen Lokal die endgültige Gründung des Vereins und die Wahl eines Vorstandes. Auf der ersten Seite des Protokollbuches steht zu lesen: „Im Namen Gottes, dessen Segen über unserem Bunde ruhen, der unsere Beratungen leiten, unseren Entschließungen das Gedeihen geben wolle!“ Ein ernstes Grundmotiv war damit angeschlagen. Den Gründern mangelte es nicht an Tatkraft, der Vorstand wurde sofort beauftragt, bis zur Mietung eines Gesellschaftshauses Mitglieder aufzunehmen. 56 Koblenzer Bürger traten dem Verein schon am Abend des Gründungstages bei; ihre Namen gehören auch heute noch zu den angesehensten der Stadt .
In den bald gedruckten Statuten hieß es kurz und bündig: „Der Katholische Leseverein ist ein Verein Gleichgesinnter zu gemeinsamer Benutzung guter Lektüre und geselliger Erholung“. Vorsichtig war im Hinblick auf die Zeitumstände hinzugefügt; „Er bezweckt nicht die Einwirkung in öffentliche Angelegenheiten“. Neue Mitglieder sollten zuerst vom Vorstand, dann von der Generalversammlung „ballotiert“ werden. Man wollte keinen im Verein haben, der nicht innerlich dazugehörte. Schon die Gründungsberatungen ließen erkennen, dass man keinen „Schoppenverein“ anstrebte, sondern zu einem Sammelpunkt des katholischen Lebens in Koblenz werden wollte. Vor allem war man auch bemüht, das „Eindringen fremdartiger Elemente zu unterbinden“. Die Zeichen eines neuen Kirchenkampfes kündeten sich an.
Fahne des katholischen Leseverein
Unter dem Vorsitz des Advokat-Anwalts Franz Adams II begann der Leseverein seine Tätigkeit. Am 18. Januar fand bereits die zweite Generalversammlung statt, bei der der Vorstand über die Schaffung eines Vereinslokals berichtete. Man mietete das Haus des Fuhrunternehmers Meder, Löhrstraße 61, für jährlich 600 Taler. An die Mitglieder, deren Zahl inzwischen auf 76 angewachsen war, wurden Aktien von einem Taler ausgegeben. Unter dem 31. Januar 1863 berichtete die „Coblenzer Zeitung“ über das erste Stiftungsfest. In dem Bericht heißt es u.a.: „Seit dem Beginne dieses Jahres hat sich dahier eine Gesellschaft von Bürgern gebildet, welche unter dem Namen „Katholischer Leseverein“ Gleichgesinnten einen Versammlungsort zu guter Lektüre und geselliger Unterhaltung bieten soll. –
Die Eröffnung der neueingerichteten Gesellschaftslokale fand am verflossenen Sonntag durch ein Festessen von mehr als 150 Personen statt. Der Festsaal war mit den Bildnissen des Erzbischofs Clemens August und der Koblenzer Bürger J. Joseph von Görres und Hermann Joseph Dietz geschmückt. Fröhliche Lieder, ernste und heitere Reden hielten die Gesellschaft lange in freudigster Stimmung zusammen. Die Anhänglichkeit an den gemeinsamen Glauben, das Streben nach der Erhaltung der echten rheinischen Sitte und die ehrende Anerkennung der fleißigen Arbeit jedes Standes durchdrangen gleichmäßig alle Mitglieder der zahlreichen Versammlung; sie bildeten den Boden, auf dem sich alle zusammenfanden, sie bildeten das Band, welches Alle umschlang und fester aneinander schloss.“
Der Berichterstatter von anno 1863 hatte ohne Zweifel die Ziele des Vereins richtig erkannt und dargestellt. Aber die Mitglieder ruhten nicht. Als am 1. Februar die dritte Generalversammlung stattfand, zählte der Verein bereits 152 Mitglieder und hatte einen Fond, von dem der erste Wein gekauft werden konnte. Es war ein Ohm Erdener. Jedes Mitglied zahlte jetzt ein Eintrittsgeld von zwei Talern und einen monatlichen Beitrag von fünf Silbergroschen. Die vierte Generalversammlung am 8. Februar 1863 beschloss die Gründung einer Spar- und Darlehenskasse. Schultze-Delitzsch war hierbei das Vorbild. 1866 betrug die Mitgliederzahl bereits 609. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Handwerker, es folgten 106 Kaufleute, 62 mittlere und untere Beamte, 34 Geistliche, 7 Anwälte und Notare, 7 Richter, 7 Landwirte, 6 Ärzte, 4 Apotheker, 4 Arbeiter, 4 Architekten, 3 Oberlehrer und ein Regierungsassessor a.D. Kein einziger höherer Beamter der Regierung oder des Oberpräsidiums und kein Offizier wurde damals Mitglied.
Schon in den ersten Jahren des Bestehens nahm der Leseverein Verbindung mit gleichartigen Gesellschaften in anderen Städten auf. So war man mit Abordnungen auf den alljährlichen Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands in Frankfurt (1863), Würzburg (1864) und Trier (1865) vertreten. Der 1. Vorsitzende, Adams II, wird wiederholt in den Berichten neben Adolf Kolping, Prälat Thissen und August Reichensperger genannt. In Würzburg regte Adams II die Gründung katholisch-geselliger Vereine in möglichst allen Städten an und hatte damit großen Erfolg. Es kam zu Gründungen in Würzburg, Augsburg, Luxemburg, St. Wendel und Wissen.
Auf die Dauer ließ sich aber auch die Politik nicht ganz aus dem Vereinsleben verbannen. Bei den Gemeinderatswahlen Ende 1863 war Adams II als Kandidat der 2. Klasse aufgestellt worden. Zu einer Urwählerversammlung war er mit einer beträchtlichen Anzahl von Mitgliedern des Katholischen Lesevereins erschienen. Adams ergriff dabei das Wort und betonte, dass er und seine Freunde sich als „wahrhaft liberal“ bezeichnen könnten, da sie die Freiheit überall, die Freiheit für alle und jeden wollten. Auf dieser Basis sei ein Zusammengehen der einzelnen freisinnigen Parteien möglich, ja wünschenswert.
Das Jahr 1864 brachte ein Ereignis, das in der Vereinsgeschichte noch lange nachgeklungen ist. Am 19. Juni 1864 fanden sich die Mitglieder mit Angehörigen und Freunden zu einer großen Schifffahrt zum Niederwald zusammen. Die „Coblenzer Zeitung“ veröffentlichte darüber einen langen Bericht, der erkennen ließ, wie starke Eindrücke eine solche Fahrt damals auf die Menschen machte.
Da die Mitgliederzahl regelmäßig und stetig wuchs, sah sich der Vorstand ermuntert, den Bau eines eigenen Vereinshauses zu planen. Das Heim sollte „Im Herzen der Stadt“ liegen. Am 6. September 1864 wurde der Beschluss gefasst, das Haus des Waffen- und Metallwarenhändlers Paul Schäffer in der Firmungstraße zu erwerben. (Zunächst war der Kauf des Hontheimschen Hauses in der Neustadt vorgesehen.) Den Plan für den Neubau entwarf der Stadtbaumeister Nebel. Eine eigene Baukommission konnte die Planungen so beschleunigen, dass schon am 24. April 1865 die feierliche Grundsteinlegung in der Firmungstraße erfolgte. Das Aufsehen in der Bürgerschaft war groß, und noch heute ist es bewundernswert, wie schnell und zügig der kaum gegründete Verein ein solches Projekt verwirklichte. Schon damals bestand der Wunsch, das neue Vereinshaus möge zu einem Heim für alle katholischen Vereine der Stadt werden.
Görres Haus
Der Tag der Grundsteinlegung begann mit einem feierlichen Amt in der nahen Kirche zum hl. Johannes (Jesuiten), das Pastor Lorenzi von Liebfrauen zelebrierte. Der noch öde Bauplatz, der inmitten einer blühenden Flur lag, war durch Fahnen, grüne Bäume und Sträucher zu einem wahren Festplatz umgestaltet. Dechant Krementz hielt die Festansprache. Auch Advokat-Anwalt Adams II ergriff das Wort, wobei er u.a. betonte: „Alle die sind unsere Gesinnungsgenossen, denen es wahrhaftig am Herzen liegt, dass der katholische Glauben und die rheinische Sitte hierzulande erhalten bleiben.“ In den Grundstein eingemauert wurden sodann eine Urkunde, auf Pergament geschrieben, eine Münze mit dem Bild des Hl. Vaters Pius IX., ein Krönungstaler mit den Bildnissen des Landesherrn und der Königin Augusta und einen Huldigungstaler mit dem Bild König Friedrich Wilhelm IV. Adams II betonte bei der Grundsteinlegung auch: „Wir legen hinzu ein gutes Bild unserer lieben Vaterstadt Coblenz, wie sie heute ist, damit unsere Nachkommen, wenn sie vielleicht nach mehr als tausend Jahren diesen Grundstein öffnen, nicht nur lesen, was wir gewollt, sondern auch sehen, wie Coblenz im Jahre 1865 gewesen ist.“ In den Grundstein kamen aber auch je ein Schoppen Rhein- und Moselwein.
Für den Bau des Vereinshauses war ein Kapital von 42 000 Talern erforderlich. Die Mitglieder vereinigten sich zum
Inschrift – Görreshaus
größten Teil zu einem Sparverein, der die erforderliche Summe in monatlichen Raten im Laufe von 10 Jahren aufbringen sollte. Diese Regelung fand allgemeine Zustimmung. Kaum acht Monate waren seit der Grundsteinlegung vergangen, als die kirchliche Einsegnung und Eröffnung der unteren Gesellschaftsräume erfolgen konnte. Wieder sprachen Dechant Krementz und Advokat-Anwalt Adams II, wobei letzterer erklärte: „Dieses Haus steht in Gottes Hand, zum Joseph Görres ist’s genannt.“ Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Beschluss gefasst, als bleibende Erinnerung an die Erbauung des Hauses alljährlich Sammlungen durchzuführen und am Christfest sechs Knaben des Waisenhauses Kemperhof ein Geldgeschenk als verzinsliche Anlage auf der Sparkasse zu hinterlegen. Eine sofortige Kollekte erbrachte 40 Taler.
1866 war der Bau dann fertig. Die ganze Stadt wurde Zeuge der Einweihung des Hauses, die am 28. Januar erfolgte. Drei Jahre hatte der Verein bestanden – und schon verfügte er über ein solches Haus! Wieder war es Advokat-Anwalt Adams II, der zahlreiche Gäste begrüßen und ein Glückwunschschreiben des Trierer Oberhirten, des Bischofs Leopold Pelldram, vorlesen konnte. Aber auch die Tochter des großen Görres hatte geschrieben, und ihr Brief verdient im Wortlaut festgehalten zu werden:
Verehrter Herr Präsident!
Görres Denkmal
Mit großer Rührung habe ich, verehrter Herr, Ihr Schreiben gelesen. Dasselbe musste für mich gerade indiesen Tagen um so ergreifender sein, da die Erinnerung an die letzten Stunden und Worte des Verstorbenen dadurch mir wieder so recht vor sie Seele traten. Und wenn vor achtzehn Jahren, gleichsam vom Jenseits aus, der selige Vater den Untergang jener Gesinnung, die Sie, mein Herr, so kräftig vertreten, so schmerzlich beklagte, und an diesen Untergang der Gesinnung auch den Untergang des deutschen Volkes geknüpft sah, und wenn derselbe alsdann sagte: ihm sei nur die Aufgabe gestellt, sein Volk wieder in die Einheit mit Gott zurückzuführen, so werden Sie mir sicherlich nicht verargen, dass Ihr Schreiben in mir den frommen freudigen Glauben erregte: es sei dem Seligen bereits gelungen, am Throne Gottes für das Heil seines Volkes zu wirken, und so sei denn Ihr Haus wirklich im wahren Sinne des Wortes das Haus von Joseph Görres.
Möge Gott geben, dass die Räume Ihres stattlichen Hauses bald zu enge werden, um alle Diejenigen zu fassen, die in gleicher Gesinnung dort vereinigt sind, um für ihr Heil und das Heil ihres Vaterlandes zu wirken!
Mit aller Hochachtung
Ihre ergebenste M. Görres
München, den 26. Januar 1866.
Görres Relief
Gemeinsam betrat man dann den großen Saal, der, gemessen an den damaligen Zeitumständen, einen überwältigenden Eindruck machte. Ringsum an den Wänden sah man die Wappen all der Städte, in denen schon Lesevereine bestanden, sie umgaben die Wappen des päpstlichen Stuhles, Kurtriers und Preußens. Über 400 Personen nahmen an dem anschließenden Festessen teil. In der Festrede des 1. Vorsitzenden, noch immer Adams II, klang aber schon die Sorge um den bedrohten Kirchenstaat, das Patrimonium Petri, auf, und in Görres feierte man den mutigen Verteidiger der Freiheit der Kirche. Zahlreiche Glückwunschtelegramme trafen aus den verschiedensten deutschen Städten ein.
Der „Katholische Leseverein“ war durch seine machtvolle Entfaltung zu einem wichtigen Faktor des öffentlichen Lebens geworden. Die Behörden wurden auf ihn aufmerksam, nicht nur im wohlwollenden Sinne. Am 5. August 1865 schrieb der Polizeidirektor in einem Bericht: „Eine große Bedeutung in sozialer und politischer Hinsicht ist diesem Verein, der gegenwärtig schon 500 Mitglieder zählt, nicht abzusprechen, weil er durch geringes Eintrittsgeld dem Bürger- und namentlich dem Handwerkerstande die Teilnahme ermöglicht und durch Verabreichung billiger Nahrungsmittel und angemessener Lektüre diese Klasse der Bevölkerung von dem gewöhnlichen Wirtshausbesuche abhält, auf der anderen Seite aber immerhin seine Kräfte zu einer gemeinsamen Aktion konzentrieren kann.“ Das behördliche Misstrauen war geweckt. Als der Kulturkampf ausbrach, wurde der Leseverein tatsächlich zu einem Zentrum aller Bestrebungen im Kampf um die Freiheit der Kirche. Am 10. August 1875 wurde der Verein polizeilich geschlossen, weil in seinen Räumen zur „Besprechung öffentlicher Angelegenheiten“ Volksversammlungen stattgefunden hätten. Auch sei im Anschluss an den Verein die „Koblenzer Volkszeitung“ gegründet und gefördert worden.
Über das Verhältnis zwischen Katholischem Leseverein und „Koblenzer Volkszeitung“ war die Polizeidirektion durch nicht unwahrscheinliche Gerüchte informiert. Danach hatte der Verein aus seiner Spar- und Darlehnskasse Mittel an die Zeitung hergegeben. Auch sollte der Redakteur frei im Leseverein wohnen. Schließlich tagte, so mutmaßte die Behörde, in einem Konferenzzimmer des Vereins täglich die Redaktionsleitung mit den Herren Dr. Duhr, Helle, Dr. Frank, Wirt Grünewald, Pfarrer Weißbrodt (St. Kastor) und Pastor Roderich (Liebfrauen). Die „Koblenzer Volkszeitung“ verlegte daraufhin vorsichtigerweise ihr Geschäftszimmer in die Kornpfortstraße. Der Vereinsvorstand musste die Liste der Mitglieder und seine Akten dem zuständigen Landrat und Polizeidirektor übergeben, der seinerseits die Namen derer an die Regierung weiterleitete, die dort von Interesse sein könnten. Dabei stellte man fest, dass auch hochgestellte Persönlichkeiten wie Kammerpräsident Dr. Settegast, Friedensrichter Mohr und Kreisgerichtsrat Gescher dem Verein angehörten. Das Vereinshaus blieb drei Monate versiegelt und der Vorstand musste wegen „politischer Betätigung und Verbrüderung mit anderen Vereinen“ 300 Taler Strafe zahlen.
Nach drei Monaten aber setzte die Strafkammer des Koblenzer Landgerichts den Vorstand außer Verfolgung und hob die Schließung des „Görresbaues“ auf. Das Überwachungsrecht der Polizeibehörde blieb aber bestehen. Aus Anlass der feierlichen Wiedereröffnung wurde in St. Castor ein Dankamt gehalten. Gleichzeitig feierte der Verein sein 12. Stiftungsfest. Mit der Beendigung des Kulturkampfes fielen für den Verein die diskriminierenden Einschränkungen.
Einen Glanzpunkt in der Geschichte des Vereins bildete das Jahr 1876. Am 24. Januar dieses Jahres wurde in seinen Räumen aus Anlass des 100. Geburtstags von Joseph Görres die „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland“ gegründet. Advokat-Anwalt Eduard Müller hielt bei der Eröffnung die Begrüßungsansprache und feierte Görres als Streiter für Wahrheit, Freiheit und Recht. Das Kernwort seiner Ansprache verdient auch heute noch erwähnt zu werden: „Seit Clemens August litt und Görres stritt, war man wieder stolz, katholisch zu sein!“
Zum 20. Stiftungsfest 1883 wurde der große Saal gründlich renoviert. Ein Chronist schrieb damals: „In seiner Vollendung wird der Saal ein Meisterwerk decorativer Kunst genannt werden müssen.“ Die an den Wänden angebrachten Sprüche entstammten den Schriften von Görres. Beim 25. Stiftungsfest galt das Hoch der Festversammlung zwei Ehrenmitgliedern des Vereins: Erzbischof Krementz und Ludwig Windthorst.
Eine bedeutende Erweiterung erfuhr der Leseverein in den Jahren 1898/99, als man den Gebäudetrakt in der soeben fertiggestellten Eltzerhofstraße errichtete. Die Grundstücke waren bereits 1891 erworben worden. Eine neuzeitliche Kegelbahn im Hof und eine Terrasse darüber schlossen die Bauarbeiten ab.
Nach Anlegung des Vereinsregisters beim Amtsgericht Koblenz wurde der Katholische Leseverein am 24. Januar 1900 unter Nr. 2 dort eingetragen. Zugleich wurden die Satzungen entsprechend dem Beschluss der Mitgliederversammlung vom 10. Dezember 1899 den Bestimmungen des neuen Vereinsrechts angepasst.
Am Sonntag, dem 19. Januar 1913, beging der Verein mit großem Gepränge sein 50. Stiftungsfest. Es begann mit einem Pontifikalamt in St. Kastor und gipfelte am Abend in einer glanzvollen Festfeier, in deren Mittelpunkt eine Treuekundgebung zu dem anwesenden Bischof Michael Felix Korum stand, der auch die Festrede hielt.
Die Vereinsgeschichte verlief jetzt in ruhigen Bahnen. In der Hauptversammlung des Jahres 1920 wurde die Anregung zum Zusammenschluss aller gleichgearteten Vereine gegeben, die zur Gründung des Verbandes „Omnes unum“ führte. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte ein solcher Zustrom an Mitgliedern ein, dass die Neuaufnahme zeitweise gesperrt werden musste. 1924 zählte der Verein fast 1600 Mitglieder. Schwere Schäden erlitt das Vereinshaus durch ein Großfeuer im Jahre 1927.
Als 1933 eine wesentliche Veränderung der politischen Verhältnisse eintrat, begann auch für den „Katholischen Leseverein“ wieder eine kritische Zeit. Dem Druck der Nationalsozialisten nachgebend, musste man sich 1937 in „Koblenzer Leseverein“ umbenennen. Viele Mitglieder verließen den Verein, um nicht neuen Satzungen folgen zu müssen, andere blieben, um die Entwicklung abzuwarten und im rechten Augenblick wieder bei der Hand zu sein. Die Hauptversammlungen waren meist nicht beschlussfähig, aber instinktiv war man sich bewusst, dass auch dieser Sturm vorübergehen musste. Und er ging vorüber. 1939 wurde das Vereinsvermögen der sogenannten Organisation „Kraft durch Freude“ zugewiesen, das Protokollbuch weist von diesem Tage ab bis zum Zusammenbruch keine Eintragungen mehr aus. Am 28. Dezember 1944 wurde das Haus Eltzerhofstraße 6 a bis auf die Grundmauern zerstört, und auch der Görresbau erlitt erhebliche Schäden.
Das Ende des Krieges und damit des Nazismus brachte auch für den Leseverein einen neuen Beginn. Im Protokollbuch heißt es unter dem 6. Juni 1946: „Heute fand nach der Befreiung vom Naziterror die 1. Mitglieder-Generalversammlung des wieder mit dem Prädikat „katholischer“ geschmückten Lesevereins statt.“ Treuhänder war Rechtsanwalt Henrich, dem Ausschuss gehörten die Mitglieder Friesner, Jechel, Keil, Linowski, Stein, Stock und Watrinet an. Als Ehrenmitglieder wirkten beim Wiederaufbau des Vereins Prälat Albert Homscheid und Anton Kilzer mit. In den ersten Vorstand wurden (nach Höhe der Stimmen) die Mitglieder Schnorbach, Dr. Chardon, Watrinet, Stein, Keil, Jechel, Geisbüsch, Stock, Linowski und Friesner gewählt. Eine Zeit harten Aufbaus begann. Am 3. Januar 1947 zählte der Verein bereits wieder 481 Mitglieder.
Der Landtag tagt im Görreshaus vom 13.10.1948 – 30.03.1951
„Tiefste Lebenskraft, die sich auswirken muß bei aller Lebensgestaltung, ist die Liebe, die im Mitmenschen den Bruder sieht und das Ebenbild Gottes. Auch diese Liebe war ein leuchtender Stern im Wirken des Katholischen Lesevereins und soll es bleiben in einer notvollen Zukunft.“
Von 1963 bis 2003
Heinz-Dieter Maahs hat die Chronik unseres Vereins aus Anlass des 140-jährigen Jubiläums weitergeschrieben.
Das Jahrhundertjahr 1963 wurde vom Vorstand sorgsam vorbereitet. Eine Festwoche vom 19. bis 26. Mai sollte das 100-jährige Bestehen des Kath. Lesevereins festlich dokumentieren. Ministerpräsident Dr. h. c. Peter Altmeier hatte sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft zu übernehmen.
Mit einem Pontifikal-Hochamt in St. Kastor, das von Diözesanbischof Dr. Matthias Wehr zelebriert wurde, begannen die Jubiläumsfeierlichkeiten. Der Kirchenchor St. Kastor sang unter Leitung von Heinz Nickisch die Missa Festiva von Flor Peters, begleitet an der Orgel von Heinz Anton Höhnen.
Dr. Kurt Esser hielt die Festpredigt.
Am abendlichen Festakt im renovierten großen Festsaal konnte Vorsitzender Peter Malmen neben vielen Persönlichkeiten des kirchlichen und öffentlichen Lebens auch Ehrenmitglied und Schirmherr Ministerpräsident Dr. h. c. Peter Altmeier begrüßen. Der Vorsitzende gab zunächst einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, und Festredner Oberstudiendirektor Wilhelm Gulde stellte besonders die geistig religiösen Werte der katholischen Vereine in den letzten 100 Jahren heraus. Oberbürgermeister Macke überbrachte die Grüße der Stadt Koblenz und Domkapitular Schäfer die Glückwünsche des Bischofs.
Alt-Oberbürgermeister Josef Schnorbach, Staatsminister a. D. Johannes Junglas, Stadtdechant Peter Plein, Pastor Johannes Klein, Wienand Jechel und Willi Hörter sen. wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Festabend wurde mit Gesangsdarbietungen des Kirchenchors St. Kastor feierlich umrahmt.
Ein weiterer Höhepunkt der Festwoche brachte der Vortrag von Pater Maurus Münch.
O.S.B. von der Abtei St. Matthias Trier mit dem Thema: „100 Jahre Kath. Leseverein – Erbe und Verpflichtung“, der auch als Sonderdruck veröffentlicht wurde. Eine Feierstunde am Görresdenkmal zu Ehren des großen Koblenzers Josef Görres und eine Kranzniederlegung am Grabe des Mitgründers und ersten Vorsitzenden Advokat-Anwalt Franz Adams II fanden Widerhall bei den Mitgliedern.
Mit einem Tanzabend für die Koblenzer Jugend und dem Jubiläumsfestball als Abschluss endeten die Feierlichkeiten zur Hundertjahrfeier.
Bleibt noch besonders zu erwähnen, dass eine umfangreiche mit vielen Beiträgen und Bildern erstellte Festschrift große Beachtung fand, die von Theo Weber, Clemens Theis und Heinrich Wolf gestaltet wurde.
Dem Vorstand im Jubiläumsjahr gehörten an: Peter Malmen, Vorsitzender Karl Flach, Stellvertreter Prälat Dr. Kurt Esser, geistlicher Beirat Willi Daniel, Beisitzer Peter Kloke, Beisitzer Jakob Krämer, Beisitzer Alfons Sauerborn, Beisitzer Dieter Siefarth, Beisitzer Clemens Theis, Beisitzer Dr. Alois Wirtz, Beisitzer Gustav Wirtz, Beisitzer Heinrich Wolf, Beisitzer
In der Jahreshauptversammlung 1963 wurde der Vorstand nahezu vollständig bestätigt. Für das aus gesundheitlichen Gründen ausscheidende Mitglied Jakob Krämer wurde Dr. Clemens Henrich gewählt. Der Katharinenball wurde wegen der Ermordung von US-Präsident Kennedy kurzfristig abgesagt.
Im Rahmen des Besinnungstages am 2. Adventssonntag wurde Jupp Thunert wegen seiner großen Verdienste um unseren Verein zum Ehrenmitglied ernannt.
Die folgenden Jahre zeigten, dass der Besuch und die Nutzung unseres Vereinshauses merklich nachließen und die Wirtschaftlichkeit kaum gewährleistet war. Zeitweise musste der Restaurationsbetrieb geschlossen werden. Verhandlungen mit dem Bund, das Haus als Soldatenheim zu vermieten, scheiterten ebenso wie eine Nutzung durch die bischöfliche Behörde in Trier.
Ab dem 1. September 1965 wurde das Haus wieder geöffnet. Von einer Veräußerung wurde vorerst abgesehen.
In der Jahreshauptversammlung am 24. April 1968 wurden eine neue Satzung verabschiedet und ein neuer Vorstand gewählt. Vorsitzender blieb Peter Malmen, Stellvertreter Willi Daniel, geistl. Beirat Dr. Kurt Esser, Beisitzer: Anton Kirschhöfer, Dr. Ewald Thul, Heinrich Wolf, Günther Zenzen.
Josef Muth und Edmund Anton Reif wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt, da sie dem Verein uneigennützig helfend zur Verfügung gestanden hatten. Die wirtschaftliche Situation des Görreshauses verschlechterte sich zunehmend, so dass in der Jahreshauptversammlung 1971 der Verkauf des Vereinshauses beschlossen wurde. Für rund 1 Million DM wurde das Gebäude nach langen Verhandlungen von der Stadt Koblenz erworben. Der Vertrag wurde am 1. März 1972 beurkundet. Damit konnte erreicht werden, dass ein Abbruch dieses historisch wertvollen Gebäudes verhindert wurde.
Zu einem Altennachmittag hatte der Vorstand am 15. März 1972 nochmals in das Görreshaus eingeladen. Es fanden sich viele Mitglieder ein. Man war sich bewusst, dass das Vereinsleben auch nach Trennung von dem Vereinshaus weitergeht, da in der Vergangenheit schon Veranstaltungen in der Rhein-Mosel-Halle stattgefunden hatten und alle gut besucht waren.
Ab Juli 1972 übernimmt Frau Elisabeth Wolf die Geschäftsführung des Vereins.
Das 110-jährige Stiftungsfest feierte der Verein, verbunden mit dem Dreikönigs-Bohnen-Ball, im kleinen Saal der Rhein-Mosel-Halle. Wilhelm Fürst und Heinrich Elsner erhielten für ihre Verdienste um den Verein die Urkunde als Ehrenmitglieder. Oberbürgermeister Willi Hörter überreichte im Auftrag des Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl dem Vorsitzenden Peter Malmen den Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz für die Verdienste des Kath. Lesevereins auf gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet.
Am 10. Februar 1973 starb unser Ehrenmitglied, Domkapitular Peter Plein, und wenige Tage später, am 18. Februar 1973, wurde unser langjähriger geistlicher Beirat, Pastor Carl Schlüter heimgerufen. Unser Ehrenmitglied Oberbürgermeister a.D. Josef Schnorbach verließ uns am 22. August des gleichen Jahres. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird er zu Grabe getragen.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball 1974 fand aus organisatorischen Gründen im Kaisersaal des Kurfürstlichen Schlosses statt. Über 800 Besucher fanden sich ein, so dass auch die Nebenräume in Anspruch genommen werden mussten. Es war ein festlicher Abend, an den man sich noch lange Zeit gerne erinnerte.
Die Kappensitzung im gleichen Jahr fand so großen Zuspruch, dass man den großen Saal der Rhein-Mosel-Halle anmieten musste.
Als bedeutende Vortragsveranstaltung ist ein Abend mit Erzherzog Dr. Otto von Habsburg zu erwähnen, der auf Einladung unseres Vereins im überfüllten Saal der IHK über das Thema „Ist Europa noch zu retten?“ referierte.
In der Jahreshauptversammlung auf der Königsbach wurde der Vorstand unverändert bestätigt. Für den verstorbenen Pastor Schlüter wurde Pastor Michael Franz als geistlicher Beirat gewählt. Heinrich Wolf wurde für seine engagierte 25-jährige Vorstandstätigkeit zum Ehrenmitglied ernannt.
Höhepunkte des Görresjahres 1976 waren die Veranstaltungen der Görres-Gesellschaft vom 25. bis 29. September 1976 aus Anlass ihrer Gründung vor 100 Jahren in Koblenz. Ein Pontifikalamt in St. Kastor mit den Kardinälen Höffner und Volk, den Bischöfen Kempf und Dr. Stein und den Vertretern des Staates, an ihrer Spitze Bundespräsident Walter Scheel und Ministerpräsident Dr. Kohl, und dem anschließenden Festakt in der Rhein-Mosel-Halle waren bedeutende Ereignisse.
Der Leseverein gedachte seines großen Sohnes in Vortragsveranstaltungen mit Prof. Dr. Bossle, des Verlegers Dr. Binkowski und Prof. Dr. Illies.
Am 28. August 1977 starb unser Ehrenmitglied Ministerpräsident a.D. Dr. h. c. Peter Altmeier. Nach einem Staatsakt in der Rhein-Mosel-Halle und dem Totenamt in der St. Josefskirche wurde der Ehrenbürger der Stadt Koblenz unter großer Anteilnahme von Persönlichkeiten des kirchlichen und weltlichen Lebens und der Bevölkerung auf dem Hauptfriedhof zur Ruhe gebettet.
In der Jahreshauptversammlung am 15. November 1977 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Dr. Ewald Thul wird 1. Vorsitzender, Peter Malmen einstimmig Ehrenvorsitzender mit Sitz und Stimme im Vorstand, Willi Daniel Stellvertreter; geistlicher Beirat blieb Pastor Michael Franz, weitere Vorstandsmitglieder sind Heinrich Wolf, Günther Zenzen und Alfons Sauerborn. Anton Kirchhöfer hat nach 10-jähriger Vorstandstätigkeit nicht mehr kandidiert.
Leider musste in 1978 der Dreikönigs-Bohnen-Ball ausfallen, da kein geeigneter Balltermin zu erhalten war. Dafür wurde das Frühlingsfest im größeren Rahmen gefeiert. Außerdem wurden Fahrten nach Oberwesel und Limburg veranstaltet, die großen Zuspruch fanden.
Vorstandsmitglied Heinrich Wolf erhielt den Altstadtpreis 1978, der zum vierten Male verliehen wurde. Er wurde ausgezeichnet für seine heimatkundlichen Schriften und seine ausgezeichneten fotografischen Bildberichte.
Erwähnenswert ist im Rahmen der Gedenkfeiern aus Anlass des 200.Geburtstages von Clemens von Brentano der Vortragsabend unseres Vereins am 10. März 1978 in der Deinhard-Kongress-Halle vor über 400 Zuhörern mit Prof. Dr. Heckmann aus Bad Vilbel, einem der besten Kenner von Brentanos, wie der Vorsitzende Dr. Thul in seiner Begrüßung erwähnte.
Die Jahreshauptversammlung am 21. November 1978 verlief harmonisch. Der Vorsitzende konnte mitteilen, dass sich die Mitgliederzahl auf 538 erhöht hat.
Der Dreikönigsball 1979 fand wieder bei guter Beteiligung im großen Saal der Rhein- Mosel-Halle statt.
Höhepunkt im Karneval war die Kappensitzung der Lese unter Itsche Sauerborn, der das närrische Präsidium anführte. Vorsitzender Dr. Ewald Thul dankte im Verlauf der Veranstaltung dem anwesenden Oberbürgermeister Willi Hörter, der fast zwei Jahrzehnte Sitzungspräsident der Lese gewesen war. Peter Kloke, der 30 Jahre aktiv in den Lesesitzungen tätig war, verabschiedete sich aus der Bütt.
Ehrenmitglied Josef Muth wurde am 17. März 1979 zu Grabe getragen. Er hatte in schwerer Zeit dem Verein mit Rat und Tat zur Verfügung gestanden.
Die weiteren traditionellen Jahresveranstaltungen verliefen ohne Besonderheiten. Allerdings ließ die Beteiligung manchmal zu wünschen übrig. Zur Jahreshauptversammlung 1979 fand sich die Lesefamilie erstmals im Pfarrzentrum St. Franziskus zum Gottesdienst und den anstehenden Regularien zusammen.
Die Veranstaltungen im Jahre 1980 waren gut besucht.
Die Verdienste des 2. Vorsitzenden und langjährigen Schatzmeisters Willi Daniel wurden durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt.
Die Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen am 5. September 1980 brachten keine Veränderungen im Vorstand.
Die Teilnahme am Katharinenball am 29. November 1980 erfüllte nicht die Erwartungen des Vereins, dagegen war der Dreikönigsball am 3. Januar 1981 wieder ein glanzvoller Erfolg. Ebenso die Kappensitzung am 25. Februar, in der OB Willi Hörter für den verhinderten Itsche Sauerborn als Sitzungspräsident einsprang und souverän durchs bunte Programm führte.
Dr. Erich Franke, einem treuen Freund und Förderer unseres Vereins, wurde die Ehrenmitgliedschaft zuerkannt. Der Stadtrat ehrte den langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Historiker mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft.
Erinnert sei auch noch an eine Fahrt nach Trier, auf der man unterwegs spontan die Wallfahrtskirche in Klausen besuchte und eine Kerze vor dem Marienaltar aufstellte.
Das Jahr 1982 verlief ohne Besonderheiten, ebenso die Jahresversammlung am 15. Oktober, die in geselliger Runde mit einem guten Glas Wein endete. Zuvor waren noch unsere verdienten Mitglieder Peter Kloke und Peter Iven zu Ehrenmitgliedern ernannt worden.
Einen Verlust für unseren Verein bedeutete der plötzliche und allzu frühe Tod unseres langjährigen Vorstandsmitglieds Heinrich Wolf, den wir am 30. Mai 1983 zu Grabe trugen. Seit 1949 hat er die Geschicke der Lese wesentlich mit gestaltet und tatkräftig unterstützt. Sein von ihm geschaffenes Fotoarchiv ist eine Dokumentation der Zeitgeschichte.
Ein besonderes Ereignis war am 4. Februar 1983 die Heiligtumsfahrt nach Maastricht, die uns gemeinsam mit Angehörigen der Pfarrei St. Beatus und einer Abordnung der St. Sebastianusbruderschaft Ehrenbreitstein dorthin führte. Als Geschenk wurde eine Reliquie des hl. Servatius überbracht mit der Urkunde des Trierer Bischofs. Mit 14.000 Gläubigen feierten wir zusammen das Festhochamt mit Bischof Dr. Gijsen, ein einmaliges Erlebnis für alle Teilnehmer.
In der Jahreshauptversammlung 1983 wurden Eugen Lambert und Gerhard Genzler neu in den Vorstand gewählt, als Nachfolger für den verstorbenen Heinrich Wolf und für den Ehrenvorsitzenden Peter Malmen, der für ein Beisitzeramt nicht mehr kandidierte. Der übrige Vorstand wurde wiedergewählt.
Beachtung verdient die Renovierung des Görreshauses durch das Land Rheinland-Pfalz. Nach der Übereignung durch die Stadt an das Land am 8. Dezember 1980 wurden inzwischen die Planungen für die Renovierung durchgeführt und Mittel von rd. 6,8 Mill. DM bereitgestellt, so dass die Bauarbeiten im April 1983 beginnen konnten, welche für das Staatsorchester Rheinische Philharmonie eine Bleibe schaffen sollten. Am 22. November 1983 konnte das Richtfest gefeiert werden.
Dreikönigsball, Kappensitzung, Fahrten nach Bernkastel-Kues und Aachen, Vorträge von Prof. Dr. Rudolf Haubst über Nikolaus von Kues und Prof. Dr. Heckenbach über „Kult und Musik“ sowie der Katharinenball, eine Weinprobe im Kolpinghaus und eine gut besuchte Jahreshauptversammlung 1984 zeigten die umfangreichen Aktivitäten auf.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball am 5. Januar 1985 fand leider nicht die erhoffte Beteiligung. Dagegen war die Karnevalssitzung im Kammermusiksaal überfüllt. Erstmals schwang Rudi Schmidt das närrische Zepter als Sitzungspräsident, nachdem Itsche einem Jüngeren nach 13 Jahren das Amt übertragen hatte. Auch die übrige Jahreszeit hatte ein volles Programm. Fahrten nach Xanten und Kevelaer, nach Prüm und Himmerod, Jubilarenehrung für 25- und 50-jährige Mitgliedschaft, Besinnungstage, bestimmten das Vereinsgeschehen. In der Jahreshauptversammlung 1985 wurde Berthold Matthias Schäfer neuer geistlicher Beirat, nachdem Pastor Michael Franz aus gesundheitlichen Gründen die Aufgabe nicht mehr wahrnehmen konnte. Für sein Engagement um unseren Verein wurde er spontan zum Ehrenmitglied ernannt.
In einer Vortragsveranstaltung sprach Diözesanbischof Dr. Spital zu brennenden Fragen unserer Zeit im vollbesetzten Saal der Handwerkskammer. Das Treffen zum hl. Martin und der Katharinenball beendeten das Vereinsjahr.
Auch das Jahr 1986 verlief in gewohnter Weise. Leider mussten wir unser Ehrenmitglied und langjährigen geistlichen Beirat, Pastor Michael Franz zu Grabe tragen. Er liegt auf dem Friedhof in Gemmerath begraben. Viele Koblenzer nahmen an der Beerdigung teil. In der Jahreshauptversammlung 1986 mit Neuwahlen gab es keine Veränderungen im Vorstand.
Der Katharinenball am 29. November wurde gemeinsam mit den Pfarrangehörigen von St. Kastor gefeiert, und zwar aus Anlass des 1150. Geburtstages des Kastordoms. Eine Tombola zu Gunsten der Kirche erbrachte einen Erlös von 4.225,– DM.
Den Dreikönigsball 1987 eröffneten die Sternsinger von St. Kastor mit freudigem Gesang. Die zahlreichen Besucher dankten mit Gaben und Beifall.
Die Kappensitzung verlief erfolgreich. Die Fahrten nach Fulda zu Bischof Dr. Dyba und nach Saarbrücken waren jeweils mit über 100 Teilnehmern ausgebucht. Die Besinnungstage waren gut besucht. Im übrigen standen für den Vorstand die Vorbereitungen für das 125. Stiftungsfest im Jahre 1988 an. Die Jahresversammlung stand im Zeichen herzlicher Begegnung, die Regularien wurden zügig erledigt.
Mit einem festlichen Dreikönigs-Bohnen-Ball am 2. Januar 1988 begann das Jubiläumsjahr 1988 aus Anlass der 125. Wiederkehr des Gründungstags unseres Vereins.
Das Pontifikalamt mit Bischof Dr. Hermann Josef Spital, mit gestaltet von den Kirchenchören der Pfarreien von Herz Jesu und St. Elisabeth, an der Orgel Heinz Anton Höhnen, erlebten wir eindrucksvoll in St. Kastor. Danach begann die Festakademie im Görressaal. Mit einer Eröffnungsfanfare und der Begrüßung durch unseren Vorsitzenden begann die Feier. Es folgten die Ansprache des Bischofs und ein Grußwort des Landtagspräsidenten Dr. H.P. Volkert. Oberbürgermeister Hörter überbrachte die Glückwünsche von Rat, Verwaltung und Bürgerschaft unserer Stadt. Die Festansprache hielt der Präsident der Görresgesellschaft,
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Hiroaki Masuda.
Die Meditation in der Fastenzeit im Eltzerhofkloster war sehr gut besucht. Das Thema der Kappensitzung mit „125 Jahre lang ist die Lese jung geblieben“ war ein voller Erfolg. An der Fahrt ins Land der Franken nahmen 120 Mitglieder und Freunde teil; und die Flandernfahrt mit nahezu der gleichen Anzahl von Teilnehmern war voller Erlebnisse. In der Jahreshauptversammlung wurden die Veranstaltungen nachbereitet und als sehr eindrucksvoll bezeichnet. Dem Vorstand wurde aus der Versammlung hohes Lob zuteil. „Debbekooche-Esse“ und die Adentsbesinnung beschlossen das ereignisreiche Jubiläumsjahr. In diesem Jahr verloren wir zwei Ehrenmitglieder, Heinrich Elsner am 11. August 1988 und Pastor Jakob Malburg am 26. September 1988.
Im blumengeschmückten großen Saal der Rhein-Mosel-Halle begannen wir am 7. Januar 1989 unser Gesellschaftsleben mit dem traditionellen Dreikönigs-Bohnen-Ball. Die Kappensitzung im neuen Narrenschiff mit einem „gemischten Elferrat“ unter Michaela, alias Michael Hörter, begeisterte das närrische Publikum.
Die Frühlingsfahrt führte nach Essen zur Villa Hügel mit dem herrlichen Park und anschließend in die Münsterkirche mit Domschatzkammer. Nach dem Gottesdienst fuhren wir zum geselligen Abschluss nach Welling.
Sehr zahlreich war die Teilnahme an unserer Jubilarenehrung im Weindorf.
Der zweitägige Herbstausflug brachte uns ins Elsass. Straßburg, Colmar, Obernai mit dem Odilienberg und Neu-Breisach waren die Stationen. Überrascht zeigten sich alle Teilnehmer, dass wir die Grenzen ohne Passkontrollen überschreiten konnten. Europa nimmt Gestalt an.
Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung waren der Rückblick auf das Jubiläumsjahr 1988 und die Neuwahlen zum Vorstand. Ehrenmitglied und Schatzmeister Willi Daniel verzichtete aus Altersgründen auf eine erneute Kandidatur. Vorsitzender Dr. Ewald Thul fand lobende Worte des Dankes für die langjährige und auch zeitweise sehr schwierige Tätigkeit. Zum Nachfolger wurde einstimmig Stadtkämmerer Heinz-Dieter Maahs gewählt. Alle bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt.
Zum Debbekooche-Esse fanden sich 120 Besucher im Kolpinghaus ein. Eugen Lambert fand frohe Begrüßungsworte, und Manfred Gniffke und Werner Laube erfreuten mit lustigen Geschichten und Mundart-Gedichten.
Die Besinnungsnachmittage in der Fastenzeit und im Advent waren von unserem geistlichen Beirat, Pastor Berthold Matthias Schäfer großartig vorbereitet. Ehrenmitglied Peter Kloke, der auch lang im Vorstand tätig war, wurde im Alter von 82 Jahren heimgerufen.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball 1990 hatte mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Oberbürgermeister Willi Hörter einen besonderen Höhepunkt.
Dr. Ewald Thul wies bei der Überreichung der Urkunde besonders auf die großen Verdienste in schwieriger Vereinszeit und auf die langjährige Präsidentschaft im Elferrat der Lese hin.
„Bunt in Bunt“ gab sich die Lesesitzung am 21. Februar 1990 im übervollen Kammermusiksaal der Rhein-Mosel-Halle. In den Uniformen der Koblenzer Karnevalsvereine gab man der Freude darüber Ausdruck, dass man nunmehr auch Mitglied der AKK ist.
Unvergessen bleibt die Reise nach Thüringen nach Öffnung der innerdeutschen Grenze. Mit drei Bussen und 150 Teilnehmern fuhren wir am 11. Mai 1990 zunächst nach Bad Hersfeld, um am nächsten Tag frühmorgens die Grenze zu überschreiten. Die Vopos kontrollierten zwar die Pässe sehr genau, aber der Grenzübertritt war wenig problematisch. Der nachfolgende Besuch auf der Wartburg war für alle ein besonderes Erlebnis. Nach einer Kurzbesichtigung Eisenachs ging’s nach Weimar, einer freundlichen Stadt, die zum Bummeln einlud. Danach fuhren wir nach Erfurt zum Dom, wo wir von dem Weihbischof Hans Reinhard Koch mit großer Freude und Herzlichkeit begrüßt wurden. Mit Weihbischof Koch feierten wir in der Severi-Kirche Eucharistie. Als Gastgeschenk übergaben wir ein Messbuch, pädagogische Materialien für den Kindergarten und Medikamente. Nach dem Stadtbesuch ging es zurück nach Kirchheim, wo wir uns über das Erlebte unterhielten und voller Dankbarkeit am späten Abend zufrieden nach Koblenz zurückkehrten.
Die Herbstfahrt führte über Aschaffenburg und Miltenberg zur barocken Wallfahrtskirche Walldürn, wo wir mit unserem geistlichen Beirat die heilige Messe feierten. Nach abendlicher Rast in Stahlhofen trafen wir kurz vor Mitternacht wieder in Koblenz ein.
Die Besinnungstage vor Ostern und Weihnachten fanden die erhoffte Resonanz. Am 17. März trafen wir uns auf Einladung unseres Mitglieds Franz Krautkremer in der alten Kirche in Spay und am 8. Dezember 1990 in St. Kastor. Beide Meditationen gestaltete Pastor Schäfer.
Die Jahreshauptversammlung1990 stand im Zeichen des Rückblicks auf unsere Fahrt nach Thüringen und Beratungen von Hilfeleistungen in Erfurt.
Im Hinblick auf die Aufgabenmehrung in unserem Vorstand wurde eine Satzungsänderung beschlossen, die eine Erweiterung des Vorstandes um zwei Beisitzer vorsieht. Neu in den Vorstand wurden Alfred Schweitzer und Michael Hörter gewählt.
Im Kolpinghaus fand wieder das St. Martinstreffen mit Debbekooche-Esse statt.
Der Dreikönigs-Bohnen-Ball 1991 war trotz hervorragendem Programm nur mäßig besucht.
Der Vorstand ist hierüber sehr besorgt und hofft im Folgejahr auf stärkeren Besuch, andernfalls ist seine weitere Durchführung aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich.
Wegen des Golfkrieges wurde die Kappensitzung abgesagt.
Zur Jubilarenehrung traf man sich am 4. Juni 1991 im Weindorf. Pastor Kurt Butterbach, ehemals Pfarrer von Liebfrauen, machte sich zum Sprecher der Geehrten und erinnerte an unvergessliche Stunden in der Lese.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 7. Juni 1991 im Pfarrsaal von St. Josef war eine Satzungsänderung zu beschließen, die die Anerkennung der Gemeinnützigkeit unseres Vereins sicherstellen sollte. Bei zwei Enthaltungen wurde die Satzungsänderung beschlossen.
Ein Angebot des Vereins, einen Ausflug für junge Familien zu veranstalten, fand große Resonanz. Zwei Busse mit 30 Kindern, begleitet von ihren Eltern und Großeltern, erlebten frohe Stunden im Brohltal.
Die Herbstfahrt führte nach Selfkant in Holland und war von unserem Mitglied Hanns Heidemanns organisiert worden. Wassenberg und Roermond waren Ziele des Besichtigungsprogramms.
Die Fastenmeditation stand unter dem Leitgedanken „Ostern entgegen“ und der Besinnungstag im Advent „Neuer Aufbruch in der Kirche“.
Unsere Aufbauhilfe Ost waren eine Kücheneinrichtung für den Kindergarten im Marienstift Erfurt und die Übernahme der Außengestaltung des kath. Kindergartens in Weimar. Michael Hörter und Vereinsmitglied Lothar Doré überbrachten die Hilfen in Thüringen.
Die Jahreshauptversammlung am 18. Oktober 1991 befasste sich mit den üblichen Regularien und der Beschlussfassung über ein Geschenk an unsere Heimatstadt aus Anlass ihrer 2000-Jahrfeier. Vorsitzender Dr. Thul erläuterte den Plan des Vorstands, der Stadt Koblenz ein Glockenspiel[mehr] zu schenken, das an der Wand des Jesuitenkollegs angebracht werden solle. Der Vorschlag fand die Zustimmung aller Anwesenden.
Prof. Dr. Franz Ronig zeigte am 19. November 1991 in der HWK eine instruktive Diaschau über seine Reise nach Bolivien. Diese hatte er im Auftrag der Bischofskonferenz Boliviens durchgeführt, um eine Bestandsaufnahme der kirchlichen Baudenkmäler in die Wege zu leiten.
Der Dreikönigsball 1992 war der Auftaktball im Jubiläumsjahr „2000 Jahre Koblenz“. Eine festliche Gestaltung und ein erstklassiges Programm rief viele Besucher in die Rhein-Mosel-Halle.
„Tour de Lese“ war das Motto der Kappensitzung am 26. Februar 1992. Der neue Sessionsorden zeigt die Kastorkirche und war sehr begehrt.
Mit drei Bussen fuhr die Lese am 16. Mai 1992 zur Salier-Ausstellung nach Speyer. Auch die Besichtigung des Kaiserdoms und der Altstadt standen auf dem Programm. In Wachenheim feierten wir Eucharistie. Danach trafen wir uns zur frohen Runde im Winzerverein.
Glockenspiel für Koblenz! Am 2. Juni 1992 wurde Oberbürgermeister Willi Hörter unser Glockenspiel als Geschenk für die Bürgerschaft auf dem Jesuitenplatz übergeben. Viele Mitglieder und Gäste hatten sich dort eingefunden, um den ersten Glockenklang zu hören. Die Gülser Blaskapelle St. Servatius umrahmte die großartige Feier, an die sich ein Umtrunk im Hof des Rathaus-Gebäudes II anschloss.
Die Herbstreise führte nach Metz. Die Kathedrale mit Fenstern von Marc Chagall hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Nach der Stadtrundfahrt ging es nach Trier, wo wir in St. Paulin einen gemeinsamen Gottesdienst feierten.
Der Ausflug der jungen Familien ging nach Kommern ins Freilichtmuseum. Kinder und Begleiter hatten ein begeisterndes Programm vorbereitet.
Am 17. September 1992 fand im Gewölbekeller des Mittelrhein-Museums die Buchvorstellung „Koblenz im deutschen Katholizismus des 19. und 20. Jahrhundert“ statt. Verfasser war Kulturdezernent Heinrich Denzer, Mitglied unseres Vereins. Viele Besucher waren unserer Einladung gefolgt. Das Büchlein wurde allen Vereinsmitgliedern als Geschenk übersandt.
Zur Jahreshauptversammlung traf sich die Lesefamilie im Pfarrzentrum St. Franziskus. Neben den Regularien erbrachten die Neuwahlen keine Veränderungen im Vorstand.
Das Debbekooche-Esse am 13. November 1992 hatte mit über 150 Teilnehmern wieder Rekordbesuch.
Auch zum Vortragsabend am 20. November 1992 mit dem sowjetischen Botschaftsrat Iwan A. Kurpakow, einem Freund unseres Vorsitzenden, kamen zahlreiche Zuhörer ins Auditorium der HWK. Eine lebhafte Diskussion schloss sich den Ausführungen des Referenten über die wirtschaftliche Situation Russlands an.
Die beiden Meditationstage in der Fastenzeit und im Advent waren von unserem geistlichen Beirat, Pastor Schäfer hervorragend gestaltet.
Nach langer Vakanz besuchte der Nikolaus 52 Kinder der Lesefamilie. Für alle Kinder hatte der Himmelsmann löbliche Worte und eine bunte Tüte mitgebracht. Die Kinder dankten mit alten Nikolausliedern.
Zum Dreikönigs-Bohnen-Ball 1993 war mit einem anspruchsvollen Programm eingeladen worden. Leider war die Teilnehmerzahl sehr rückläufig, so dass der Vorstand den Beschluss fasste, ab 1994 auf Ballveranstaltungen zu verzichten, da diese wegen der Kostenbelastungen nicht mehr finanzierbar war.
„Der Glöckner von Notre Lese“ war das Motto der Kappensitzung. Fünf Stunden wurden die närrischen Besucher „astrein“ unterhalten.
Fritzlar – Goslar – Halberstadt – Quedlinburg – Duderstadt waren die Ziele einer Dreitagesfahrt durch den Harz, die alle Teilnehmer im Wonnemonat Mai begeisterte.
Im Weindorf wurden am 4. Juni 1993 33 Mitglieder geehrt, die 25 bzw.40 Jahre dem Verein die Treue gehalten haben.
Unseren geistlichen Beirat, Pastor Berthold Matthias Schäfer, mussten wir leider nach Weiskirchen im Hochwald verabschieden. Als Dank für seine großen Verdienste in der Lese wurde ihm vom Vorstand die Goldene Görres-Medaille verliehen.
Daher war nur allzu verständlich, dass die Herbstfahrt zur Einführung unseres Freundes nach Weiskirchen ging, wo wir einen festlichen Gottesdienst und einen großen Empfang erlebten.
Zur Jahreshauptversammlung am 15. Oktober 1993 war nach St. Josef eingeladen. Pfarrer und Dechant Karl Schulz feierte mit uns Eucharistie, und wir konnten auch während des Gottesdienstes der neuen Orgel lauschen, die meisterhaft vom Organisten Mutschke gespielt wurde. Die Regularien im Pfarrsaal waren bald zügig beendet, so dass ausreichend Zeit zur frohen Unterhaltung gegeben war.
Mit 170 Teilnehmern war das Kolpinghaus zum Debbekooche-Esse ausverkauft. Hier stellte sich Prinz Karneval 1993/94 als Michael I. mit Kostproben seines humorvollen Könnens vor.
Die Besinnungstage am 27. März 1993 und auch am 11. Dezember 1993 hatte nochmals unser geistlicher Beirat, Pastor Schäfer gestaltet. Er dankte bei seiner letzten offiziellen Begegnung ausdrücklich der Lesefamilie für die schönen und guten Jahre, die er gemeinsam mit uns verbracht habe.
Mit einer neuen Veranstaltung überraschte der Vorstand seine Mitglieder am 30. Januar 1994. Erstmals wurde zu einem Neujahrskonzert eingeladen, als Ersatz für den Dreikönigs-Bohnen-Ball. Prof. Boris Lewantowitsch begeisterte in der vollbesetzten Galerie der HWK die Zuhörer mit Werken von Mozart, Schubert und Mussorgski. Der Vorstand beschloss spontan, diese Veranstaltung zu einer festen Einrichtung werden zu lassen.
Die Lesekappensitzung unter „Einspringpräsident“ Dr. Ewald Thul war ein voller Erfolg, da Michael I. mit Confluentia Karin als Tollitätenpaar die Jokusstadt Koblenz regierte und nur mit ihrem Besuch zur Verfügung stand.
Der Besinnungstag am 19. März 1994 wurde von Pastor Manfred Plunien gestaltet und stand unter dem Thema „Komme zu dir selbst“.
Ein Vortrag am 16. April 1994 mit Prof. Franz Josef Heyen in der HWK führte uns die neuen Chorfenster von Liebfrauen vor Augen.
Die Zweitagesfahrt am 7. und 8. Mai 1994 ins Land der Franken war ein kulturelles Erlebnis für alle Teilnehmer.
Am 19. September 1994 wurde unserem Vorstandsmitglied Gerhard Genzler die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Dem langjährigen Schriftführer wurde somit vom Vorsitzenden für seinen nie erlahmenden Einsatz gedankt.
Die Jahreshauptversammlung am 29. September 1994 verlief sehr zügig. Zum neuen geistlichen Beirat wurde einstimmig Domkapitular Stephan Schwarz, Pfarrer von St. Kastor, gewählt.
Das Ziel der Herbstfahrt am 8. Oktober 1994 war Frankfurt am Main.
Das Debbekooche-Esse fand am 9. November 1994 erstmals im Soldatenfreizeitheim Haus Horchheimer Höhe statt. Bis auf den letzten Platz war der große Saal besetzt. Dekorationen und Debbekooche waren sehr geschmackvoll.
Auch das zweite Neujahrskonzert der Lese am 8. Januar 1995, wieder mit Prof. Boris Lewantowitsch, war ein großer Erfolg. Auch diesmal war die Galerie des Handwerks voll besetzt.
Nach gründlichen Vorstandsberatungen wurde die Lesekappensitzung 1995 in den großen Saal der Rhein-Mosel-Halle verlegt. Sitzungspräsident Michael Hörter konnte nahezu 800 Gäste begrüßen. Ein übergroßer Clown als Bühnenbild und ein Elferrat in prächtigen Clownskostümen waren die Augenweide für eine gelungene Sitzungsparade.
„Christsein in einer säkularen Welt“ war das Thema unserer Fastenbesinnung mit Domkapitular Pfarrer Stephan Schwarz, unserem geistlichen Beirat.
Die Frühlingsfahrt führte ins Münsterland.
Zur Jubilarenehrung für 25- und 40-jährige Mitgliedschaft fanden sich am 12. Juni 1995 viele Mitglieder im Weindorf zusammen.
Mit einer Herbstfahrt nach Bonn in das Haus der Deutschen Geschichte, nach Schwarzrheindorf zum Besuch der berühmen Doppelkirche und dem Abschlussgottesdienst in St. Laurentius Ahrweiler endete ein schöner Tagesausflug.
In der Jahreshauptversammlung am 6. Oktober 1995 standen Satzungsänderungen und Neuwahlen an. Der Vorschlag zur Satzungsänderung lautete: Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter, sowie bis zu neun Beisitzern. Dem Vorschlag wurde mehrheitlich zugestimmt.
Die Vorstandswahlen brachten folgendes Ergebnis:
Vorsitzender: Dr. Ewald Thul Stellvertreter: Alfons Sauerborn Geistlicher Beirat: Domkapitular Stephan Schwarz Schatzmeister: Heinz-Dieter Maahs Beisitzer: Hans Breuer, Gerhard Genzler, Michael Hörter, Eugen Lambert, Bernd Rademacher, Alfred Schweitzer, Günther Zenzen.
Das Debbekooche-Esse fand wieder im vollbesetzten Saal des Soldatenfreizeitheimes statt..
Am 21. November 1995 erhielt unser Ehrenmitglied Oberbürgermeister a.D. Willi Hörter den Ehrenbürgerbrief der Stadt Koblenz.
Abwechslungsreich war das Neujahrskonzert 1996 erstmals in der großen Verkaufshalle von Mercedes-Benz mit Schülerinnen und Schülern der Musikschule Koblenz. Direktor Detlef König und Vorsitzender Dr. Ewald Thul begrüßten die zahlreich erschienenen Gäste.
Die Lesesitzung 1996 im großen Saal der Rhein-Mosel-Halle war gut besucht.
Die zweitägige Belgienfahrt am 22. und 23. Juni 1996 mit über 100 Teilnehmern war ein großartiges Erlebnis.
Am 15. August 1996 starb unser Ehrenmitglied und der Ehrenbürger unserer Heimatstadt Oberbürgermeister a.D. Willi Hörter. Seine Tatkraft und sein Wirken bleiben unvergessen.
Rommersdorf, das ehemalige Kloster in Heimbach-Weis bei Neuwied, war unser Besuchsziel am 3. Oktober 1996.
Zum Fest des hl. Martin trafen wir uns zum geschmackvollen Debbekooche im Hause Horchheimer Höhe.
Die Jahreshauptversammlung verlief harmonisch und klang, wie immer, mit Brot und Wein aus.
Wieder im Hause Mercedes-Benz begrüßten wir das neue Jahr mit einem klangvollen Konzert mit Edeltrud Kahn, Sopran, von der Oper Bonn, begleitet von Swetlana Trawnikowa, Koblenz, am Klavier.
Mit unserem Vorsitzenden als Aushilfs-Sitzungspräsident stand die Lesekappen-Sitzung unter Volldampf.
Berlin, Potsdam, Hildesheim waren die Stationen unserer Frühjahrsreise mit 50 Teilnehmern, an die man sich gerne erinnert.
25 Mitglieder wurden am 13. Juni 1997 für langjährige Mitgliedschaft geehrt.
Im Juni erschien erstmals die „Lese-Info“, ein Mitteilungsblatt des Vereins, die aktuelle Berichterstattung über die Geschehnisse der Gesellschaft vermittelt und Bindeglied zwischen Vorstand und Verein sein soll.
Die Besinnungstage in der Fastenzeit wurden von unserem geistlichen Beirat und im Advent von Pastor Plunien gestaltet.
Am Empfang im Gürzenich in Köln aus Anlass des 100-jährigen Bestehens von OMNES UNUM, unserem Dachverband, nahm eine Abordnung des Vorstands teil. Unser Vorsitzender nahm die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Köln wahr.
Am 13. September 1997 fuhr die Lese an die Lahn mit dem Besuch des Limburger Doms. Der prächtig renovierte Innenraum des Gotteshauses überraschte die vielen Reiseteilnehmer. Weilburg und Dietkirchen waren weitere Stationen der Herbstfahrt.
Aus der Jahreshauptversammlung ist zu berichten, dass die Satzung insoweit geändert wurde, dass auch evangelische Christen und andere Gläubige, die sich den Zielen der Lese verbunden fühlen, die Mitgliedschaft der Lese erwerben können. Außerdem folgten die Mitglieder einem Vorschlag des Vorstandes, Mittel für die Errichtung eines Cusanus-Denkmals anzusammeln.
Mit 180 Teilnehmern war das Debbekooche-Esse im Soldatenfreizeitheim wieder überaus gut besucht.
Mit Klassik und Romantik startete die Lese ins Jahr 1998. Das Konzert in der Daimler-Benz-Halle konnte die Gäste kaum aufnehmen. Daher versprach Direktor Detlef König in seiner Begrüßung, die Sitzplätze im nächsten Jahr um weitere 50 zu erhöhen. Ursula Targler, Sopran, mit Thomas Eitle am Klavier erhielten für ihre Darbietungen wahre Ovationen.
Ein Feuerwerk des Frohsinns zelebrierte der Lese-Elferrat mit Michael Hörter als Präsident und Ewald Thul als singender und reimender Protokoller in der Session 1998.
Am Fastenbesinnungstag meditierte Dechant und Pfarrer Helmut Kusche über das Thema „Christliches Leben im Zeichen des Kreuzes“.
Die Frühjahrsfahrt ging in die Nordeifel, zunächst nach Steinfeld, ehemals Prämonstratenserabtei, dann nach Monschau und am Nachmittag zur früheren Benediktinerabtei Kornelimünster.
Passau war das Ziel der Herbstreise vom 16. bis 18. Oktober 1998. Eine ausgiebige Stadtbesichtigung mit Orgelkonzert im Dom, eine Schifffahrt auf der Donau und Besuch der Marienfeste in Würzburg auf der Heimfahrt waren die Hauptstationen des Ausflugs.
Vom 22. bis 25. Oktober 1998 war OMNES UNUM, unser Dachverband, zu Gast in Koblenz
Neben der Arbeitstagung mit den Delegierten standen für den Vorstand eine Stadtführung mit Empfang im Schöffenstübchen und ein Essen mit dem Lesevorstand auf dem Programm. Die gemeinsame Eucharistiefeier erlebten wir in der St. Kastor-Basilika.
Nach der Wahlniederlage von Helmut Kohl fuhren unsere Vorstandsmitglieder Dr. Ewald Thul und Günther Zenzen ins Bundeskanzleramt, um unser Görresbild, 1876 von Settegast geschaffen, wieder in Empfang zu nehmen. Dort hatte es 16 Jahre im Arbeitszimmer von Bundeskanzler Helmut Kohl gehangen. Das Bild wurde als Leihgabe dem Mittelrhein-Museum überlassen.
Organist Joachim Aßmann erläuterte am 17. November 1998 in Herz Jesu zahlreichen Mitgliedern der Lese die Orgel und bot zum Abschluss ein großartiges Konzert.
In der Jahreshauptversammlung am 28. November 1998 ergaben sich bei den anstehenden Vorstandswahlen keine Veränderungen. Der Vorsitzende kündigte wegen steigender Kosten und sinkender Einnahmen eine Beschlussfassung über eine Beitragserhöhung für die nächste Mitgliederversammlung an.
Mit Philipp Klöckner, Violine, und Martin Stadtfeld, Klavier, begeisterten zwei junge Künstler die vielen Gäste beim Neujahrskonzert 1999 bei Mercedes-Benz.
Die närrische Kappensitzung war wieder gelungen. Der Lese-Orden mit Jesuitenkirche und Glockenspiel war ein begehrtes Sammlerobjekt.
Vom 18. bis 20. Juni 1999 fuhren wir in das Land der Welfen. Braunschweig, Wolfenbüttel, Halberstadt, Quedlinburg, Celle und Osnabrück waren die Hauptreiseziele.
66 Jubilare, eine Rekordzahl, wurden für 25, 40 und 50 Jahre treue Mitgliedschaft im Weindorf geehrt.
Die Bonner Museumsmeile und der Besuch der Kirche Maria im Kapitol in Köln erfreuten die Lesefamilie auf ihrer Herbstreise am 18. September 1999.
Die Jahreshauptversammlung stand ganz im Zeichen der Diskussion um die angekündigte Beitragserhöhung. Der Vorsitzende und der Schatzmeister begründeten die Notwendigkeit einer Anhebung des Jahresbeitrags von 30,- DM auf 50,- DM, der seit dem Jahre 1972 unverändert geblieben war. Bei nur vier Enthaltungen wurde der Erhöhung zugestimmt.
Debbekooche-Esse und Adventsbesinnung beendeten das Jahresprogramm.
Das Neujahrskonzert 2000 gestalteten wieder Philipp Klöckner und Martin Stadtfeld. Mercedes-Benz-Chef Detlef König sprach von einem Konzert der Extraklasse, und unser Vorsitzender dankte für ein Meisterkonzert.
Die Kappensitzung erfreute mit einem bunten Programm.
Einen Besinnungstag besonderer Art erlebten wir in der Fastenzeit mit Prof. Dr. Franz Ronig und einem eindrucksvollen Lichtbildervortrag über ein Evangeliar aus der Werkstatt Heinrich des Löwen.
Die Reise im Frühjahr in das Schwabenland.
Ein Vortrag von Martin Lohmann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung, am 4. Oktober 2000 über das Thema „Kirche und Medien“ fand große Resonanz.
Die Herbstfahrt nach Oberwesel und Karden war gelungen.
Die Jahreshauptversammlung am 20. Dezember 2000 verlief sehr harmonisch. Der Schatzmeister konnte im Rahmen seines Jahresberichtes mitteilen, dass für die Rücklage der Cusanus-Stele bereits ca. 25.000,- DM angespart sind.
Gute Stimmung herrschte beim Debbekooche-Esse am 10. November 2000 im Soldatenfreizeitheim auf der Horchheimer Höhe.
Über das Lebenswerk Nikolaus von Cues referierte Schulpfarrer Thomas Darscheid am 16. Dezember 2000 in einem viel beachteten Vortrag im Eltzerhof.
Über 400 Besucher erlebten am 7. Januar 2001 das Neujahrskonzert bei Mercedes-Benz.
Christine Niessen, Sopran, und Pjotr Wnukowski, Tenor, brillierten mit ihren Stimmen, hervorragend begleitet von Swetlana Trawnikowa am Klavier.
Die Wiederauferstehung der Klamaukpartei mit Werner Laube erlebte die großartige Kappensitzung der Lese am 21. Januar 2001 in der Rhein-Mosel-Halle.
Für den Besinnungstag in der Fastenzeit konnten wir den Jesuitenpater Hans Weyer gewinnen, der mit seinem Vortrag „Die kleine Terz“ besondere Beachtung fand.
Am Gründonnerstag verstarb unser Ehrenvorsitzender Peter Malmen im Alter von 90 Jahren. Von 1957 bis 1972 hat er unseren Verein mit großer Leidenschaft geführt und sich große Verdienste um unsere Gemeinschaft erworben. In Norath wurde er zur letzten Ruhe geleitet.
Zahlreich war die Teilnahme an unserer Jubilarenehrung am 15. Mai 2001 im Weindorf.
48 Mitglieder wurden für 50-, 40- und 25-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt.
Die mehrtägige Frühjahrsreise in die Mark Brandenburg und der Tagesausflug in das herbstliche Bernkastel-Kues fanden großen Anklang.
Am 5. August 2001, kurz vor seinem 90. Geburtstag, verstarb Pastor Kurt Butterbach, von 1950 bis 1968 Pfarrer von Liebfrauen, ein treues Mitglied unseres Vereines, in Rech an der Ahr.
Frohe Stunden erlebten viele Genießer beim Debbekooche-Esse auf der Horchheimer Höhe.
Im Pfarrsaal von St. Josef trafen wir uns zur Jahreshauptversammlung. Der Jahresbeitrag wurde auf 25,– Euro festgesetzt. Für Hans Breuer wurde Dr. Klaus Peter Grommes gewählt. Die übrigen Mitglieder des Vorstands wurden in ihren Ämtern bestätigt.
Das Neujahreskonzert 2002 lockte nahezu 450 Gäste in die Mercedes-Benz-Halle. Die Besucher erlebten ein großartiges Konzert mit dem jungen Geiger Philipp Klöckner und der Pianistin Swetlana Trawnikowa.
„Eine Welt ohne Gott ist eine Welt ohne Sinn und Hoffnung“ war das Thema der Fastenbesinnung mit unserem geistlichen Beirat, Domkapitular Stephan Schwarz im Eltzerhof.
Vom 13. bis 16. Juni 2002 waren unsere Mitglieder zu einer Reise an den Bodensee eingeladen, die begeisterte.
Auch die Herbstfahrt an den Niederrhein fand großen Zuspruch und Anerkennung.
Vorstandsmitglied Eugen Lambert wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Der Vorsitzende, Dr. Ewald Thul, fand lobende Worte für das tatkräftige Engagement des Geehrten um das Vereinsleben.
Aus der Jahreshauptversammlung am 22. November 2002, wieder im renovierten Gemeindesaal St. Franziskus, ist zu berichten, dass Michael Hörter für den erkrankten Alfons Sauerborn zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. „Itsche“ blieb aber Beisitzer im Vorstand.
Mit Sanitätsrat Dr. Clemens Henrich meditierten wir am 7. Dezember 2002 über das Thema: „Die Not der Geburt des Ewigen in uns“, das alle tief bewegte.
Das Neujahrskonzert am 5. Januar 2002 mit Schülerinnen und Schülern des Landesmusikgymnasiums Montabaur bei Mercedes-Benz war ein wahres Meisterkonzert junger Künstler mit stehenden Ovationen der Zuhörer.
Es war der würdige Auftakt für das Jubiläumsjahr „140 Jahre Katholischer Leseverein e.V. Koblenz“.
Für den Fastenbesinnungstag konnte kurzfristig für den erkrankten Referenten Prof. Dr. Franz Ronig die Schönstätter Theologin Dr. Margarete Gruber gewonnen werden.
Die Frühjahrsfahrt führte vom 18. bis 22. Juni 2003 nach Landshut und die eintägige Herbstreise nach Mainz.
Der Vorstand beschließt, die Erstellung des Cusanus-Denkmals dem Künstler und Bildhauer Waldemar Kaspers aus Schuld/Ahr zu übertragen. Als Standort ist der Platz vor der Florinskirche vorgesehen. Ein Spendenaufruf wird gestartet.
Von 2004 bis 2014
Die Inhalte wurden im Februar / März 2017 vom Vorsitzenden Heinz-Peter Mertens aus den Protokollen zusammengefasst.
2004 bis 2006: Die Schaffung und Aufstellung der Cusanus-Stele prägte die Periode. Nachdem der Beschluss einstimmig gefasst war, waren Planung und Durchführung sowohl der Stele als ihre Plazierung Thema der Vorstandssitzungen. Am 13.12.2006 stand die durch den Künstler Walter Kaspers aus Schuld an der Ahr geschaffene Stele zur Abholung bereit. Die Kosten waren in auf € 99.000 geschätzt worden, bis Ende 2006 waren davon € 11.561 durch Spenden finanziert. Die Stele wurde zum Geschenk an die Stadt. Das Angebot wurde am 03. Juni 2004 durch den Stadtrat angenommen, die evangelische Gemeinde Koblenz war mit dem Standort der Stele einverstanden.
Das Glockenspiel war durch technischen Defekt 2004 ausgefallen, die Reparatur war kleiner als gedacht, aber Eugen Lambert als Kümmerer war regelmäßig von Nöten.
In 2004 wurde Detlef König, der sich um das Neujahrskonzert bei Daimler verdient gemacht hatte, die Ehrenmitgliedschaft verliehen. 2005 erhielt der geistliche Beirat, Domkapitular Stefan Schwarz, die gleiche Ehrung. Die Neujahrskonzerte wurden von Benedict und Philipp Klöckner unter Begleitung einer Pianistin in 2005 und 2006 zusammen mit der Sopranistin Ellen Luker und der Pianistin Sarah Hillen gestaltet.
Die Karnevalssitzungen 2004 bis 2006 unter Leitung von Michael Hörter erfreuten sich nach wie vor großer Beliebtheit. In 2005 wurde ein Orden geschaffen als Nachbildung des Leseordens aus 1913.
Die Besinnungen in der Fasten- und Adventszeit wurden gehalten von Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels, Berthold Mathias Schäfer (die Bergpredikt Jesu „Worte für unsere Zeit“), Schwester Dr. Margarete Gruber OSF („Die Ohnmacht des Menschen“), Pater Dr. M. Endrich, Abt Benedikt Müntenich, Maria-Laach („Wie heute Christ sein?“) und Prof. Ronig. Sie fanden wie üblich im großen Saal des Eltzerhofstiftes statt, zweimal begleitet von Susanne Burgschweiger an der Querflöte.
Die Bildungsreisen führten 2004 nach Erfurt, 2005 nach Dresden und 2006 ins Emsland mit Bad Bentheim, der Transrapid-Strecke, der Meier Werft, Papenburg und diversen Städtebesichtigungen. Die Tagestouren führten 2004 und 2005 nach Aachen, Augustusburg und Dernau/Ahr, 2006 nach Trier und zur Wallfahrtskirche in Klausen.
Die Vorstandswahlen in 2004 führten zur Wiederwahl des gesamten Vorstandes, so dass es auch keine Aufgabenänderungen gab. Bernd Rademacher war – wie schon seit 1997 – für die Protokollerstellung in den Kalenderjahren verantwortlich.
2007 bis 2009: Das herausragende Ereignis war die Aufstellung der Cusanus-Stele am 23.02.2007 und die im Mai stattgefundene Einweihungsfeier, zu der man Dr. Markus Dröge (heute Landesbischof Berlin), Weihbischof Jörg Michael Peters, OB Dr. Eberhard Schulte-Wissermann, Koblenz, und den Bläserkreis des Cusanus Gymnasium unter Leitung von Oberstudienrat Christian Rivinius begrüßen konnte. Bilder der Veranstaltung wurden auf einer CD festgehalten von den Gebrüdern Brennig.
Manfred Diehl wurde am 26.02.2007 in den Vorstand kooptiert. Pfarrer Josef Müller trat im Februar 2009 in den Vorstand ein und löste mit der Wahl im September 2009 den geistlichen Beirat Domkapitular Stefan Schwarz ab. 2009 kandidiert Dr. Klaus-Peter Grommes nicht mehr für den Vorstand. Mit der Wahl 2009 beendet die Geschäftsführerin L. Wolf ihr Mandat. Die Aufgabe wird von Frau Ingrid Lambert übernommen.
Am 16.02.2009 wird Hans-Dieter Maahs Ehrenmitglied der Lese.
Die Neujahrskonzert 2007 werden von Svetlana Travnikova und Olga Gunia, in 2008 von Benedict und Philipp Klöckner mit dem Pianisten Joshua Galardi und 2009 mit Benedict Klöckner und Estelle Kruger (Gesang) wie schon in den Vorjahren bei Mercedes mit großem Erfolg durchgeführt.
Die Lesesitzungen unter Leitung von Michael Hörter fanden ebenfalls mit großem Erfolg statt. Zu nennen sind hier die Redner Werner Laube und Knacki Deuser.
Zu den Besinnungen konnten wir Prof. Dr. Ockenfels (10 Gebote für Wirtschaft und Politik), Prof. Heribert Niederschlag, Monsignore St. Wahl (Meditation zur kirchlichen Verkündigung in den Medien), Prälat Hans Lambert und Pater Manfred Entrich gewinnen.
Die Tagesreisen führten uns ins Weserbergland, in die fränkische Schweiz sowie nach Aschaffenburg und Seligenstadt. Weitere Tagesreisen führten nach Lorch, St. Lambertus Basilika in Bechtheim und nach Worms sowie nach Darmstadt, Lorch und Heppenheim. Auch fand jährlich das Debbekooche Essen mit nahezu 100 Teilnehmern statt. In 2009 hielt der neue geistliche Beirat Josef Müller zu dieser Veranstaltung einen Vortrag zu Sankt Martin.
Schließlich wagte sich die Lese mit Beschluss vom 11.02.2008 in das Internet mit der Erstellung einer Homepage ursprünglich gestaltet von Herrn Gangolf Krause.
2010 bis 2012 Ein besonderes Ereignis war die Heilig-Rock-Wallfahrt des Katholischen Lesevereins nach Trier. Für über 100 Teilnehmer war dies ein erhebendes Erlebnis.
Bei den Vorstandswahlen 2010 wurde der Vorstand wiedergewählt. Josef Müller als Geistlicher Beirat bestätigt. Zum 31.12.2011 trat Bernd Rademacher als Vorstandsmitglied zurück. Er war seit 1997 für 175 Protokolle im Verein verantwortlich.
In einer Ergänzungswahl 2012 wurde Heinz-Peter Mertens weiteres Vorstandsmitglied, nachdem Gerhard Genzler im März 2012 gesundheitsbedingt nicht mehr an Vorstandssitzungen teilnahm. Gleich in der ersten Vorstandssitzung regte Heinz-Peter Mertens an, die Chronik zu ergänzen. 2011 wurde Berthold Mathias Schäfer zum Ehrenmitglied ernannt. 2011 fand eine Besichtigung und ein Orgelgespräch in Sankt Florin statt. Die Anregung, einen Brunnen an der Cusanus-Stele zu errichten, entstand ebenfalls in 2011.
Die Neujahrskonzerte wie schon in den Vorjahren bei Mercedes Benz wurden von Benedict Klöckner mit Elisaveta Blumina am Piano und Veronika Pfaffenzeller, Sopran, durchgeführt. 2011 traten Ekaterina Tsachenko, Sopran, Nils Liepe am Piano und Niklas Liepe, Violine, auf; schließlich 2012 Benedict Klöckner, begleitet von André Jussow am Piano und Melanie Klöckner mit Sologesang.
Der Umbau der Rhein-Mosel-Halle führte dazu, dass sowohl 2011 als auch 2012 keine Lesesitzungen stattfanden. Krankheitsbedingt vertrat 2010 Stephan Otto als Sitzungspräsident Michael Hörter.
Die Besinnungen wurden von Prälat Hans Lambert (Die Pius-Brüder – Katholische Fundamentalisten), Domkapitular Monsignore Dr. Georg Bätzing (heute Bischof von Limburg), Prof. Dr. Heribert Niederschlag und erneut Prälat Hans Lambert gehalten.
Die Jubiläenehrung fand in 2011 statt, wie alle zwei Jahre.
Mehrtagesreisen führten ins Elsass, insbesondere nach Colmar in 2010, 2011 nach Ulm und 2012 nach Görlitz und Schlesien. Wie auch schon in Vorjahren, standen sämtliche Veranstaltungen unter der verantwortlichen Leitung von Adolf Meinung.
Die Tagesfahrten führten nach Deidesheim und Bruchsal, nach Köln mit Besuch der monastischen Gemeinschaft von Jerusalem und nach Oppenheim und Nierstein mit Empfang durch den Oberbürgermeister.
Der Vorschlag, eine Funkuhr für die Jesuitenkirche (Citykirche) zu stiften, kam in 2012 von Eugen Lambert und wurde noch vor Jahresende durch die Firma Korfhage umgesetzt. Ein Abbild der historischen Vorlage diente bei der Gestaltung als Vorlage für die Uhr. Die ursprüngliche Uhr wurde im 2. Weltkrieg 1944 zerstört. Die Neue ziert nun seit mehreren Jahren den Glockenturm der Kirche an alter Stelle.
Als weitere Veranstaltung fand eine Matinee im Rathaus im Rahmen der Internationalen Musiktage am 24.03.2012 statt.
Die Schaffung einer Sitzgruppe an der Cusanus-Stele wurde zurückgestellt, ebenso die Brunnenanlage. Eine Beleuchtung an der Stele wurde jedoch angebracht.
Die Jahre 2013 und 2014 Die im Krieg zerstörte Uhr an der Jesuitenkirche (Citykirche) wird durch den Leseverein im Februar 2013 erneuert; dabei gilt die alte Uhr als Vorbild bei der Gestaltung. Die Einweihung findet im September 2013 statt. Die Initiative zu dieser Aktion hatte Vorstandsmitglied Eugen Lambert ergriffen. Das mit der Uhr verbundene Glockenspiel erfreut die Besucher des Jesuitenplatzes den ganzen Tag über. Eugen Lambert wählt aus dem Bestand der Melodien jahreszeitlich abgestimmt immer wieder die jahreszeitlich geeigneten aus. An der Cusanus-Stele wird die Beleuchtung installiert. Die Jubiläumsfeier ist zentraler Bestandteil des Vereinslebens in 2013. Der Leseverein beteiligt sich mit einem Zuschuss an der Renovierung der Kapelle des Eltzerhof-Klosters wie auch mit einem weiteren Zuschuss an der „Nacht der offenen Kirchen“.
Als Sonderprogrammpunkt findet in 2014 eine Autorenlesung mit Rudolf Bauer statt „Was ist los mit den Christen“? Rudi Bauer, ein Altstädter Urgestein, war viele Jahre Chef der Zeitung „Rheinische Post“, die in Düsseldorf erscheint. Heinz-Peter Mertens regt an, auch an die Ballveranstaltungen wieder anzuknüpfen durch eine gesellschaftliche Veranstaltung. Neben unserem Objekt in der Waisenhausstraße wird das gewerblich genutzte Nachbarobjekt einer Bebauung zugeführt, die eine Bereicherung der Umgebung mit sich bringt. Bei den Wahlen im Oktober 2013 scheidet Michael Hörter aus dem Vorstand aus. Johannes Thul wird in den Vorstand gewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wird Manfred Diehl gewählt. Heinz-Dieter Maahs legt sein Vorstandsamt nach Abrechnung des Jubiläumsjahres zum 31.12.2014 nieder. Die Neujahrskonzerte 2013 und 2014 werden gestaltet von Benedict Klöckner am Cello, begleitet am Piano von Danae Dörken bzw. Anna Federova. Gesanglich ist Melanie Klöckner eingebunden.
Nach dem Ausfall der Karnevalsveranstaltungen 2011 und 2012 , bedingt durch Umbau der Rhein-Mosel-Halle, ist die Sitzung 2013 unter Leitung von Michael Hörter wieder ein großer Erfolg. Die hohen Kosten nach Umbau der Halle machen nicht nur der Lese zu schaffen und führen, wie in allen Jahren, zu einer finanziellen Unterdeckung. 2014 leitet Stephan Otto zum ersten Mal als neuer Sitzungspräsident erfolgreich die Sitzung. Die Besinnungen werden gehalten von Pfarrer Stefan Wolf (Vom Mut Erfahrungen zu machen), Abt Benedikt Müntenich (Glauben wozu?), Prof. Wolfgang Ockenfels (Ordnung und Moral der Wirtschaft) begleitet von Lukas Klemmer an der Gitarre und nochmals von Stefan Wolf.
Die Mehrtagesreisen führen 2013 in die Oberpfalz und Böhmen, Bayreuth, Eger, Marienbad und Waldsassen. 2014 nach Leipzig, Lützen, Muldetal (erstmals mit der Firma Welter’s Reisen, Mayen, als Veranstalter). Die Tagesfahrten führen 2013 nach Wetzlar und Limburg/Lahn und 2014 nach Aachen.
Da in den Gründerjahren die Mitgliederzahl regelmäßig und stetig wuchs, sah sich der Vorstand ermuntert, den Bau eines eigenen Vereinshauses zu planen. Das Heim sollte „Im Herzen der Stadt“ liegen.
Katholischer Leseverein im Görreshaus zu Coblenz
Am 6. September 1864 wurde der Beschluss gefasst, das Hausdes Waffen- und Metallwarenhändlers Paul Schäffer in der Firmungstrasse zu erwerben. (Zunächst war der Kauf des Hontheimschen Hauses in der Neustadt vorgesehen.) Den Plan für den Neubau entwarf der Stadtbaumeister Nebel. Eine eigene Baukommission konnte die Planungen so beschleunigen, dass schon am 24. April 1865 die feierliche Grundsteinlegung in der Firmungstraße erfolgte. Das Aufsehen in der Bürgerschaft war groß, und noch heute ist es bewundernswert, wie schnell und zügig der kaum gegründete Verein ein solches Projekt verwirklichte. Schon damals bestand der Wunsch, das neue Vereinshaus möge zu einem Heim für alle katholischen Vereine der Stadt werden.
Görreshaus – Festsaal
Für den Bau des Vereinshauses war ein Kapital von 42 000 Talern erforderlich. Die Mitglieder vereinigten sich zum größten Teil zu einem Sparverein, der die erforderliche Summe in monatlichen Raten im Laufe von 10 Jahren aufbringen sollte.
Görreshaus – Festsaal Emporen
1866 war der Bau dann fertig. Die ganze Stadt wurde Zeuge der Einweihung des Hauses, die am 28. Januar erfolgte. Drei Jahre hatte der Verein bestanden – und schon verfügte er über ein solches Haus! Wieder war es Advokat-Anwalt Adams II, der zahlreiche Gäste begrüßen und ein Glückwunschschreiben des Trierer Oberhirten, des Bischofs Leopold Pelldram, vorlesen konnte.
Eine interessante Phase erlebte das Görreshaus, als am 21. August 1947 der Landtag von Rheinland-Pfalz den großen Saal sowie weitere Räumlichkeiten des Hauses mietete, um hier seine Plenar- und Ausschusssitzungen durchzuführen. Bis zur Übersiedlung nach Mainz vollzog sich im „Görresbau“ eine wichtige Phase rheinland-pfälzischer Landesgeschichte.
Bis zum Jahre 1972 war das Haus Vereins- und Versammlungshaus. 1983 wurde das Görreshaus vom Land Rheinland-Pfalz erworben und bis 1985 in seiner alten Form wiederhergestellt.
Gestalter eines modernen katholischen Geschichtsbildes
Die Bürgerinnen und Bürger vom Rhein-Mosel-Eck wissen ihren Joseph Görres zu schätzen. Neben dem Fürsten Metternich, dem bedeutenden Architekten Münchens Friedrich von Gärtner, dem Mitbegründer des Zentrums August Reichensperger, dem Naturwissenschaftler Johannes Müller, dem Apotheker Friedrich Mohr und dem Kardinal und Erzbischof von Köln, Philipp Krementz, gehört Görres zu den unvergessenen Koblenzern.
Man hat ihm zu Ehren 1928 in den Koblenzer Rheinanlagen ein Denkmal errichtet, und natürlich tragen auch eine Straße, ein Platz, der Lesevereinsbau und ein Gymnasium hier seinen Namen.
15 Jahre nach Joseph Görres Tod (1848) gründete sich 1863 in der Rhein-Mosel-Stadtder Katholische Leseverein. Seine Mitglieder, allen sozialen Schichten entstammend, folgten in vielfältiger Weise diesem Manne, der bis auf den heutigen Tag als Publizist und Gestalter eines modernen, universalen katholischen Geschichtsbildes gilt.
Zur Erinnerung an ihn schufen die Männer der „Lese“ ihr Vereinshaus und gaben ihm den Namen „Görresbau“. In diesem ansehnlichen Gebäude wurde mehrmals bedeutende Geschichte geschrieben. 1876, zum 100. Geburtstag von Görres, wurde die „Görresgesellschaft zur Pflege der Wissenschaften im katholischen Deutschland“ gegründet. 1948 bis 1951 tagte hier der rheinland-pfälzische Landtag. 1972 wurde der Bau des Lesevereins an die Stadt Koblenz verkauft, die ihn 1980 dem Land Rheinland-Pfalz übereignete. Seitdem ist der Görresbau Domizil des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie.
Joseph Görres wurde 1776 in der Rheinstraße, dort, wo sich heute anstelle des Hotels Riesen-Fürstenhof ein modernes Hochhaus erhebt, geboren. Er war Schüler, Lehrer und später auch Leiter (nach 1799) des einstigen Jesuiten-Gymnasiums.
Dass Görres als Pädagoge auf allen möglichen Gebieten aktiv war, zeigt zu Beginn des
19. Jahrhunderts auch sein Eintreten für das Schulturnen und die Turnerschaft. Darüber schrieb Dr. Hans Bellinghausen u.a.: „Nach Abzug der Franzosen wurde in Koblenz eine Turnanstalt gegründet, die der Pestalozzi-Volksschule angegliedert war. Der Schweizer Lehrer Rossel war der Gründer dieser Anstalt, die die Aufmerksamkeit des ehemaligen Direktors für Öffentlichen Unterricht , Joseph Görres, auf sich lenkte. Görres unterstützte tatkräftig das Turnwesen und ließ sogar einen Sportplatz im Gelände des heutigen Schulhofes des Görres-Gymnasiums anlegen.“
1814 machte er als schreibgewaltiger Journalist Furore mit seinem „Rheinischen Merkur“. Die Zeitung war damals das Sprachrohr als „Fünfte Großmacht“ gegen Napoleon und für eine nationale Demokratie, so Bellinghausen.
Zeitweilig wohnte Görres damals in einem Haus in der Schlossstrasse, in dem später der Liederdichter Max von Schenkendorf lebte und 1817 starb.
Redakteur war Görres kurzfristig (1798) der Zeitung „Das rothe Blatt“ und redigierte vorübergehend auch, von Straßburg aus, die Zeitschrift „Der Katholik“.
Der unbequeme Journalist wurde von der preußischen Regierung aus politischen Gründen verfolgt und musste 1819 nach Bayern fliehen, wo er Professor an der Universität München wurde.
Er und seine Familie fanden nach ihrem Tode ihre letzte Ruhestätte auf dem Südlichen Münchner Friedhof, wo auch noch andere bekannte Koblenzer bestattet sind.
Für die Verbreitung des christlichen Gedankengutes und für die in jenen Jahren erstarkende katholische Kirche wurde er die große symbolische Gestalt.
Wenn Görres auch nach 1819 fern der Heimat in Bayern lebte, so war sein Name doch in Koblenz allgegenwärtig, vor allem im Katholischen Leseverein.
Nicht allzu viele Koblenzer wissen, dass ihr Joseph Görres im Dom zu Köln präsent ist und zwar in Form eines großformatigen Fensters im Bereich Südlanghaus/Südquerhaus. Der Mann war auch vehementer Mahner für den Weiterbau des Kölner Doms. „Das Gedächtnisfenster gilt als eines der bedeutendsten Werke der Glasmalerei des 19. Jahrhunderts“, heißt es dazu in einer Dokumentation des Kölner Domblattes 1981. Das Fenster wurde seiner Zeit von Freunden, darunter zahlreichen Koblenzern gestiftet. Es entstand 1855 bei Ainmiller in München und wurde 1856 im Dom eingesetzt.
Im zweiten Weltkrieg wurde das Glasgemälde stark beschädigt. 1980 erhielt es seinen angestammten Platz und leuchtet dort nun wieder im alten Glanz als ein wichtiges Denkmal der Kunstgeschichte.
Abschied vom langjährigen Vorsitzenden Dr. jur. utr. Ewald Thul
Trauerrede (Auszug)
Dr. Ewald Thul
Ewald gehörte über 50 Jahre der LESE an, davon über 39 Jahre als deren Vorsitzender und spiritus rector. Mit 35 Jahren – im Jahr 1968 – übernahm er Aufgaben in unserer LESE. Gleich zu Beginn standen umwälzende Veränderungen an – der Verein konnte sich das Görreshaus wirtschaftlich nicht mehr leisten. Mit dem durch ihn forcierten Verkauf an die Stadt 1972 wurde dessen Abriss nicht nur verhindert, sondern die Erwerber renovierten es zum heutigen Zustand. Die klassischen traditionellen Ballveranstaltungen der LESE, der Katharinen- und der Dreikönigs-Bohnenball prägten damals noch das gesellschaftliche Leben, galten aber ab 1994 als nicht mehr zeitgemäß und mussten weggelassen werden. Das ist bedauerlich, denn solche Veranstaltungen dienten nicht nur dem Tanz, sondern auch der Kommunikation zwischen Jung und Alt. 1977 übernahm Ewald für 39 Jahre den Vorsitz der LESE. Für die 125-Jahrfeier im Jahr 1988 konnte er Bischof Dr. Hermann Josef Spital zum Pontifikalamt und Prof. Dr. Paul Mikat als Festredner gewinnen zum Thema Politik und Religion. Für die Besinnungstage in der Fasten- und Adventszeit konnte Dr. Thul namhafte Referenten gewinnen, darunter Pastor Kusche, Domkapitular Stephan Schwarz, Dr. Margarete Gruber, der heutige Bischof Georg Bätzing, Prof. Niederschlag, Prälat Lambert, Abt Benedikt Müntenich aus Maria Laach und Prof. Wolfgang Ockenfels. Schwerpunkte und nach außen sichtbare Zeichen des Einsatzes der LESE für die Stadt sind die Schenkungen.
Den weggefallenen Bällen folgte als Ersatz unser Neujahrskonzert, das mittlerweile mit 25 Jahren zur Tradition der LESE gehört. Junge, intenational auftretende Künstler wie Benedict Klöckner, Cello, Anna Federova und Danae Dörken (Piano) gehören zur Weltspitze. In 2013 schließt sich die 150-Jahrfeier mit Bischof Dr. Stephan Ackermann mit anschließendem Festvortrag von Wolfgang Bosbach zum Thema „Mit Mut für die christliche Überzeugung kämpfen“ in der Castor Basilika an. In einem Schreiben zum Jubiläum dankt und gratuliert Papst Franziskus unserem Verein und schließt sein Schreiben mit der Erteilung des apostolischen Segens. Der Katholische Leseverein hat seinen langjährigen Vorsitzenden – der den Verein durch ein halbes Jahrhundert geführt hat – viel zu verdanken. Er hinterlässt eine große Lücke.
Wir werden Herrn Dr. Ewald Thul in guter Erinnerung behalten. Heinz-Peter Mertens
(Dr.jur.utr. Ewald Johannes Thul – *28.07.1933 – †20.03.2019)
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