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Archiv Besinnung und Glaube

Fastenbesinnung – Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius – 2017

Die Zukunft der Religion in der Leistungs- und Erlebnisgesellschaft – Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius
Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius – evangelische Pfarrgemeinde Karthause

Die Fastenbesinnung wurde erstmalig im Leseverein von einem evangelischen Geistlichen durchgeführt. Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius von der evangelischen Pfarrgemeinde Karthause referierte über die Zukunft der Religion in der Leistungs-und Erlebnisgesellschaft.

Die Kirchen schwächeln – Religion boomt. Pfarrer Gregorius sprach über die Chancen, die sich dem christlichen Glauben trotz des Verfalls der traditionellen Kirchlichkeit bieten.
Ins Auge sticht zunächst der Boom der Religion: Nach dem Ende politisch-ideologischen Massenbewegungen kommt die Stunde der Religion in dämonischer Gestalt: gewalttätiger Islamismus, christlich verbrämter Nationalismus in Amerika und Russland, erzkonservative Strömungen in den Konfessionskirchen. Wer genauer hinschaut entdeckt aber auch echte Religion in ursprünglicher Gestalt.
Hier stellt sich die Frage nach dem Glauben nicht so sehr als Frage nach der Zugehörigkeit zu einer Institution, sondern als Frage nach dem persönlich gewählten und erneuerten Glauben. Einige Jahrzehnte führte die Suche nach religiösen Erfahrungen überall hin nur nicht in die traditionelle christliche Religion.
Heute kann Vieles, was früher als Pflichtprogramm der kirchlichen Tradition gepflegt wurde, wieder überzeugen und berühren, freilich nur wenn es Qualität hat, wenn es als „echt“ empfunden wird und tatsächlich zu eigenen, persönlichen religiösen Erfahrungen hilft. Persönliche Begegnungen sind wichtig.
Gebraucht werden Geistliche, die ansprechbar und befragbar sind und sich im öffentlichen Raum, jenseits kirchlicher Bezirke bewegen können. Das überfordert viele.
Der Grund liegt nicht nur im Zeitmangel. Die überzogenen Leistungserwartungen und die kommerzialisierte Erlebniskultur („Events“) der westlichen Gesellschaften schaffen eine neue Sehnsucht nach Entschleunigung, Einkehr und tragenden Ritualen. Das religiöse Instrumentarium des christlichen Glaubens passt perfekt zu unserer optisch verfassten Kultur. Da geht es nicht nur um Texte, sondern auch Wasser, Wein, Öl, Kerzen, Weihrauch, um Räume, Symbole, Rituale, Licht, Gesten, und Bilder.
Nachkonziliare Abrissbirnen haben nicht nur Überholtes beseitigt, sondern auch Wertvolles zerstört.
Wo Gemeinden sich zu unbedingter Schlichtheit und reiner Wortorientierung verpflichtet sehen, trocknet Religion aus. Zugang zu persönlichen Glaubenserfahrungen bietet heute kaum mehr die Zugehörigkeit zu einer konfessionellen Tradition („ich bin halt so erzogen“), auch nicht die intellektuelle Einsicht in die Wahrheit des Glaubens (Katechismus, Predigt und Unterricht).
Heute führt der Weg zunächst über das Herz und den Leib, über sinnliche Erfahrungen und dann hin zum Geist und zum Verstand. Ob die Pfarrgemeinden noch einmal Dreh- und Angelpunkt der religiösen Praxis sein können, ist fraglich.
Sie erweisen sich derzeit leider oft als ungeeignet für eine Erneuerung des persönlichen Glaubens.
Viele Menschen finden Zugang über gelungene Begegnungen im Bereich Raum – Ritual – Gebet – Segen – Musik, oft jenseits der sozialen Kontrolle der Wohnortgemeinde.
Wo der Zugang in der Weise gelungen ist, wird dann auch alles andere wieder interessant, sogar die eigene Kirche und Gemeinde. Schon lange war die Offenheit vieler Menschen für den christlichen Glauben nicht mehr so groß.
Die unterschwellige Erneuerung des konfessionellen Gegensatzes bei vielen jüngeren „Funktionären“ der Konfessionskirchen ist eine Gefahr für den Glauben der kommenden Generationen und schafft ein binnenkonfessionelles Inzuchtklima.
Die katholische Kirche lebt seit dem Konzil nicht mehr nur von ihrer eigenen Substanz, sondern auch von dem, was im Garten des reformatorischen Christentums gewachsen ist.
Und die evangelische Kirche kann nicht bestehen, ohne ihr vorreformatorisches Erbe. Vorwärts geht es nur zusammen, nicht getrennt.
Der nächste Schritt auf dem Weg zur Einheit wäre, dass sich die katholische Kirche endlich durchringt, ALLE Getauften zur Eucharistie einzuladen.
Nicht nur von Fall zu Fall ausnahmsweise, sondern grundsätzlich und endgültig.

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Adventsbesinnung – Prof. P. Dr. Markus Schulze – 2016

Die Hoffnung auf ewiges Leben – Prof. P. Dr. Markus Schulze

Die Adventsbesinnung am 03. Dezember 2016 war wieder sehr gut besucht.

Es sprach Prof. P. Dr. Markus Schulze SAC Philosophisch – Theologische Hochschule Vallendar.
Sein Vortrag stand unter dem Thema: Die Hoffnung auf ewiges Leben: Ein schöner Traum oder Vollendung der Wirklichkeit?

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Fastenbesinnung – Franziskanerin Prof. Dr. Margarete Gruber – 2016

Besinnungsnachmittag – mit Franziskanerin Professor Dr. Margarete Gruber von der Hochschule Vallendar

Durch den Besinnungstag führte die Franziskanerin Professor Dr. Margarete Gruber von der Hochschule Vallendar.
Der große Saal des Eltzerhof-Stifts war voll besetzt.
Die Referentin hat vier Jahre in Jerusalem gelebt und dort ein ökumenisches Studienprogramm für Studierende der evangelischen und katholischen Theologie an der Dormitio-Abtei geleitet. In dieses Programm waren auch muslimische Theologen eingebunden, welche die Gemeinsamkeiten des Christentums und des Islam deutlich machten und die Vollendungshoffnungen beider Religionen darlegten, verknüpft mit dem Ölberg und dem Kidrontal, dem Felsendom, der Auferstehungskirche und der Dormitio, der Heimgang-Martinus-Kirche.

Sehr spannend waren Frau Grubers Ausführungen zum Leben des Heiligen Franziskus, der 1219 in den Orient gelangt und dort mit dem Sultan zusammentraf. Dieser entließ Franziskus aus der Gefangenschaft mit großen Geschenken. Franziskus war inspiriert von dem asketischen Vorbild des östlichen Mönchtums, das auch die muslimischen Sufis prägte.

Der Besinnungstag klang aus mit einem Gottesdienst in St. Kastor, dem Regionaldekan a.D. Bleeser vorstand und eine Begegnung im Eltzerhof bei Wein und Brot.

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Gedanken zu Weihnachten – Joseph Müller – 2015

Liehe Mitglieder, Freunde und Förderer der „Lese“

Gottes Sohn ist nicht zu Besuch gekommen, sondern will unter uns wohnen. Eine Weihnachtskarte habe ich gelesen. Es war eine Graphik: Kein Stall von Bethlehem, keine “ Heilige Nacht“, sondern eine Szene unserer Zeit: Eine vierspurige Autobahn, Autos, Stoßstange an Stoßstange. Darüber zwei große überdimensionale Hände, die vom Himmel her ein neugeborenes Kind halten und es in die hektische Betriebsamkeit senken. Und dazu der Text .. Uns ist ein Kind geboren.“
Es gibt heute viele Menschen, die sich für den religiösen Gehalt der Adventszeit und Weihnachtszeit nicht mehr interessieren. Das Christuskind ist ihnen gleichgültig, vielleicht noch eine Figur, die Kinderherzen rührt oder ein Motiv für Künstler ist. Es gibt aber auch Erwachsene, die noch irgendwie an Weihnachten glauben. die aber zugleich Angst davor haben. Meist sind es Alleinstehende und unglückliche Menschen. Sie denken an ihre Kindheit und erleben jetzt ihre gegenwärtige Situation als trostlos. Es graut ihnen vor den Feiertagen. Andere flüchten in umfangreiche Vorbereitungen: Geschenke suchen, Backen, Kochen, Karten schreiben. Sie haben keine Zeit für Stille und Nachdenken, was wesentlich ist oder nur Beiwerk.
Gott beschenkt uns! Es geht nicht zuerst um unser Gehirn, sondern um unser Herz! Nicht Mächtigen und Klugen wird .,Frieden auf Erden und große Freude“ verkündigt, sondern denen , die guten Willens sind und sich von Gott beschenken lassen.
Wir müssen unser Herz öffnen für Gottes Geschenk. Was der Mystiker Angelus Silcsinus im 17. Jahrhundert so ausdrückt: „Und wäre Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst doch ewiglich verloren.“ Gott schenkt uns Friede und Freude, was unsere Erwartung weit übersteigt!
Ein gnadenreiches Christfest wünscht Ihnen
.Joseph Müller, Pfarrer. i.R.
Geistlicher Beirat

Geh in den Garten am Barbaratag.
Geh zu dem kahlen Kirschbaum und sag:
Kurz ist der Tag, grau ist die Zeit;
der Winter beginnt, der Frühling ist weit.
Doch in drei Wochen, da wird es geschehen:
Wir feiern ein Fest, wie der Winter so schön.
Baum, einen Zweig gib du mir von dir.
Ist er auch kahl, ich nehm ihn mir.
Und er wird blühen in seliger Pracht
mitten im Winter in der heiligen Nacht.
(Josef Guggenmos)

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Adventsbesinnung – Prälat Hans Lambert – 2015

Nach Hause finden – Prälat Hans Lambert

Die Adventsbesinnung am 12. Dezember 2015 war sehr gut besucht.
Es sprach Prälat Hans Lambert über das Thema „Nach Hause finden“

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Fastenbesinnung – Pater Dr. Albert Sieger Prior-Administrator der Abtei Maria Laach – 2015

Pater Dr. Albert Sieger Prior-Administrator der Abtei Maria Laach sprach über das Thema:
Noch 40 Tage, und Ninive ist zerstört (Jona 3,4) Gottes Barmherzigkeit und der Prophet Jona.

Pater Dr. Albert Sieger stellte der Lese in der Fastenzeit das Buche Jona vor. 40 Tage Buße und Fasten bewahrten Ninive vor Gottes Gericht.
Es geht sogar um zwei Bekehrungen.

Zunächst erhält Jona von Gott den Auftrag nach Ninive zu gehen. Er gehorcht aber nicht und reist in die entgegengesetzte Richtung versus Spanien. Jona stürzt ins Meer bei aufbäumender See und seine Rettung durch den Fisch (nachdem er im Bauch des Fisches zu Gott betet und überlebt) sind als Vorbild auf die Erlösung durch Jesus Christus aus dem Schatten des Todes zu deuten. Noch nicht völlig bekehrt, erfüllt Jona nun seinen Auftrag.

In Ninive angekommen, warnt er die Bewohner Ninives, sie mögen sich bekehren. Sie trauern und fasten 40 Tage lang und wenden damit das Gericht Gottes ab. Die Zerstörung von Ninive ist ein Hinweis auf Ostern (nach 40 Tagen Fastenzeit), dass die widergöttliche Wirklichkeit Menschen, die sich Gott versperrt, zerstört wird, führt Pater Albert aus und nennt die Vergebung für Ninive einen Hinweis auf Ostern, wo der Welt das neue Leben geschenkt wird.

Danach kommt Pater Albert zurück zu Jona, dessen Bekehrung noch nicht abgeschlossen ist, sondern der in Zorn und Bosheit verfällt, weil Gottes Gericht nicht eintritt, aber auch hier erbarmt sich Gott und lässt einen schattenspendenden Rizinusstrauch wachsen.

01 Mitnehmen dürfen wir, dass Gott uns auch unverdientermaßen immer mit seiner Güte umgibt und aus dem menschlichen Versagen seiner Boten neues Leben entstehen lässt.

Dem tiefsinnigen Vortrag folgte der gemeinsame Gottesdienst mit Pater Albert in St. Kastor und traditionell anschließend daran Agape mit Brot und Wein und intensiven Gesprächen.

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Adventsbesinnung – Dr. Ulrich Offerhaus – 2014

Nikolaus von Kues – Dr. Ulrich Offerhaus

Die Adventsbesinnung am 06. Dezember 2014 durch Dr. Ulrich Offerhaus beschäftigte sich mit Nikolaus von Kues (1401 – 1464).

Dr. Ulrich Offerhaus

Drei Themen standen im Mittelpunkt:

     Nikolaus von Kues als 
     1. Reformer der Kirche
     2. Vordenker des Rechts 
     3. Vordenker der Ökumene

Nikolaus von Kues lebte in der Umbruchzeit an der Schwelle vom Mittelalter zur frühen Neuzeit. Charakterisiert war die Zeit durch Renaissance, Humanismus und in der Wirtschaft durch Einführung der kaufmännischen Buchführung und der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. 

Als Sohn eines Weinbergbesitzers und Moselschiffers in Kues an der Mosel geboren, endete seine Karriere als Kardinal und Stellvertreter des Papstes.

Ein großes Thema war die Reform der Kirche an der Spitze und an der Basis. Kritik an der Kirche und Reform an der Kirche waren die Themen seiner Zeit, um die auf den Konzilien in Konstanz und in Basel gerungen wurde.
Begonnen hat die Karriere des Juristen Nikolaus von Kues als Dekan am Stift St. Florin in Koblenz.
Nach seinen großen Auftritten auf dem Baseler Reformkonzil, wo es um die Überwindung der Kirchenspaltung ging (bis zu drei konkurrierende Päpste).
Danach begab er sich auf große Visitationsreise durch Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Er forderte Reformen in Kirchen, Klöstern und Stiften.
Anschließend als Kardinal und Fürstbischof im Bistum Brixen in Südtirol leitete er die Pfarrer mit hunderterlei Vorschriften zu einem gewissenhaften Dienst. Schließlich wurde er Generalvikar des Kirchenstaates (heute Kardinalstaatssekretär). In dieser Position verfasste er die „Reformatio generalis“, in der auch Papst und Kardinäle der Kontrolle von Visitatoren unterworfen werden sollten, um die Amtsführung kritisch zu durchleuchten. Entscheidungen des Papstes sollten an die Zustimmung des Bischofskollegiums gebunden sein. Durch ein ständiges Konzil soll dies gewährleistet sein. Wie wir heute wissen, scheiterte er mit diesen Gedanken, die allgegenwärtig auch heute noch modern erscheinen. 

Als Vordenker des Rechts war der ausgebildete Jurist vielfach in diplomatischen Missionen unterwegs. Seine Studien erfolgten in Heidelberg und schließlich an der bedeutenden Universität Padua. Aus der „De concordantia catholica“ zitierte er den Satz: „Denn jeder König und Kaiser hat ein öffentliches Amt wegen des öffentlichen Wohls inne.“ Das öffentliche Wohl bzw. das Gemeinwohl besteht im Frieden, dem Ziel, worauf Recht und gerechte Kriege gerichtet sind. 

Nikolaus als Vordenker der Ökumene. 
1453 eroberten die Türken Konstantinopel, was den Zusammenbruch des byzantinischen Reiches und eine starke Bedrohung der orthodoxen Kirche und Christenheit durch die muslimischen Türken bedeutete. Mit ungeheuren Massakern an den christlichen Einwohnern Konstantinopels war dies verbunden. Statt einen Kreuzzug zu planen, beschäftigte er sich in der Schrift „De pace fidei“ (der Frieden im Glauben) mit der Frage einer friedlichen Beziehung zwischen dem Christentum und den übrigen Weltreligionen.
Seine Vision eines Religionsfriedens ging weit über aktuelle Kirchenpolitik und alltägliche Reformanstrengungen hinaus. Eine Religion der Verschiedenheiten, der Mannigfaltigkeit der Bräuche war seine Zauberformel für ein Modell für eine friedliche Koexistenz unterschiedlicher Religionen und Kulturen – eine Illusion. 

Als Fazit kann festgehalten werden, dass Nikolaus von Kues seiner Zeit weit voraus war und bereits Gedanken aufgriff, die auch im Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 – 1965 Thema waren. Heute lautet versöhnte Verschiedenheit – eine Formel der christlichen Ökumene.  

Heinz-Peter Mertens

Adventsbesinnung 2014
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Fastenbesinnung – Dominikaner Professor Dr. Dr. Wolfgang Ockenfels – 2014

Ordnung und Moral der Wirtschaft – Dominikaner Professor Dr. Dr. Wolfgang Ockenfels 

Zu diesem Thema sprach am 29. März 2014 der Dominikaner Professor Dr. Dr. Wolfgang Ockenfels im Rahmen des Besinnungstages der »Lese« in der Fastenzeit.
Professor Ockenfels, auf diesem Feld einer der kompetentesten Kenner der Szene, zeigte auf, welche Probleme in einer Zeit wirtschaftlicher Wandlungen verschärft auftreten und wie man ihnen sozialverträglich begegnen kann.

Nach dem Gottesdienst in der Basilika St. Kastor war noch hinreichend Zeit, bei Brot
und Wein mit dem Referenten das Thema aus den eigenen Erfahrungen heraus zu vertiefen.

Ewald Thul

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Adventbesinnung – Abt Benedikt, Maria Laach – 2013

»Glauben – wozu?« – Abt Benedikt, Maria Laach – 2013

Am Samstag des 2. Advent versammelte sich die Lesefamilie im großen Saal des Elzerhofstifts zu ihrem traditionellen Besinnungsnachmittag.
Aus allen Ecken des Hauses mussten Stühle herbeigeschafft werden; so groß war die Zahl der Besucher. Spontan eröffnete Ernst-Matthias Schmitz, ehemaliger Organist von Herz Jesu, die besinnliche Stunde am Klavier mit einem Adventslied.

Abt Benedikt von Maria Laach war der geistliche Referent, der mit einfühlsamen Worten das nicht unproblematische Thema „Glauben – wozu?“ behandelte.
Unser Glaube in seiner heilenden Funktion sei auch wesentlich dem Nächsten zugewandt. Abt Benedikt berührte in seinen Ausführungen auch das Thema der Heiligen Messe, die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament und das Erleben der feiernden Gemeinde.

Abschluss des Tages war die Messfeier in der Basilika St. Kastor, der Abt Benedikt, unterstützt vom Diakon Horst Dany, vorstand.
Und wie in der „Lese“ üblich, fand man sich anschließend im Eltzerhofstift zu guten Gesprächen bei Brot und Wein ein. 

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Predigt vom Diakon Horst Dany – 2013

Predigt vom Diakon Horst Dany – 2013

Liebe Schwestern und Brüder im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus,

sicher kennen einige von Ihnen die politische Satiresendung „heute show“, die Freitagabend im ZDf ausgestrahlt wird. Da werden die Kommödien, die unsere politischen Parteien und ihre Protagonisten aufführen zu Lachnummern verarbeitet und jeder bekommt da, salopp gesagt, sein Fett weg. Natürlich bleibt auch die katholische Kirche nicht verschont. Allerdings sind ihre Aufführungen in letzter Zeit eher Tragödien und bieten daher mehr Grund zum Weinen als zum Lachen.
So auch in der Sendung vor einigen Wochen, als die unterlassene Hilfeleistung, bei einer mutmaßlich vergewaltigten Frau, durch zwei Krankenhäuser unter katholischer Trägerschaft Schlagzeilen machte.
Da antwortete der Generalvikar des Erzbistums Köln auf die in diesem Zusammenhang an ihn gerichtete Frage: „Was hätte denn Jesus getan?“ nach einigem Zögern „…nun, Jesus war kein Mediziner!“
Was für eine erbärmliche Antwort. Ich glaube, nein ich bin mir sicher, jede oder jeder von uns, hätte auf diese Frage eine andere, eine bessere Antwort gegeben.
Liebe Mitchristen, gerade das heutige Evangelium beantwortet uns die Frage: was hätte Jesus getan? ganz eindeutig.
Wir kennen die Erzählung, die uns alle drei Jahre am gleichen Sonntag vorgetragen wird. Die Schriftgelehrten und Pharisäer, die für Recht und Gerechtigkeit stehen, wollen Jesus wieder einmal auf die Probe stellen um, wie es heißt: einen Grund zu haben, ihn zu verklagen.
Und sie haben zweifellos Recht. Die Strafe für eine treulose Braut war nach biblischen Gesetz die Steinigung, die Strafe für eine treulose Ehefrau war die Erdrosselung. Für den Mann waren übrigens dieselben Strafen vorgesehen und niemand hat nach damaligem Empfinden die Berechtigung und die Angemesssenheit der Strafe angezweifelt.
Jesus mag aber offensichtlich diesen selbstgerechten Vertretern des Rechts nicht in die Augen sehen, er bückt sich und schreibt scheinbar unbeteiligt in den Sand. Seine Haltung macht deutlich, hier darf es nicht um Macht und Konfrontation gehen. Hier geht es nicht ums Rechthaben.
Als die Rechthaber aber nicht locker lassen, sagt Jesus den alle entscheidenden Satz: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie!“
Jesus kommentiert nicht das Recht, er setzt es auch nicht außer Kraft, aber er provoziert die Menschen die das Recht anwenden und vollstrecken wollen.
Prinzipien sind immer richtig, solange sie nicht angewandt werden müssen. Sie sind meistens problematisch, wenn sie auf das gelebte Leben treffen und darin angewandt werden sollen.
Recht muß Recht bleiben! Aber, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, allein die Barmherzigkeit kann den Menschen auffangen. Beides zueinander ins Verhältnis zu bringen – Recht und Barmherzigkeit – ist die Herausforderung des Evangeliums an uns alle, auch an die Leitung unserer Kirche.
Solange unsere Kirche nur mit Skandalen und lebensfernen Entscheidungen Schlagzeilen macht tritt ihr Auftrag, die Botschaft Jesu den Menschen zu verkünden, vollkommen in den Hintergrund. Es ist höchste Zeit, die Schönheit und Lebensnähe unseres christlichen Glaubens wieder zum strahlen zu bringen.
Jesus kam als Heiland in diese Welt. Das heißt: er will die Menschen heil machen an Leib und Seele. Mit seiner Botschaft will er uns nicht das Leben schwer machen sondern erleichtern und Hilfe geben zu einem gelingenden Leben. Und er hat gesagt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! (Mt 9,13)
Schwestern und Brüder, als Seelsorger gehe ich oft an dem schmalen Grat entlang, der zwischen Recht und Barmherzigkeit liegt und ich weiß manchmal nicht, ob ich in den einen oder anderen Abgrund falle. Es gibt schlimme Lebenssituationen die ich menschlich gut verstehen kann, die aber dennoch durch nichts zu rechtfertigen sind.
In diesen Begegnungen hilft mir oft die Frage: was hätte Jesus getan? Dann erinnere ich mich an das zukunftsweisende Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium: „Ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr.“
Nichts wird beschönigt. Was Sünde ist bleibt Sünde. Aber dem Sünder wird eine Zukunft eröffnet. Er darf weiterleben, darf weitergehen, allerdings um den Preis der Umkehr.
Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein, dieser von Jesus im heutigen Evangelium gesprochene Satz provoziert auch uns. Stellen wir uns nicht auf die Seite der Rechthaber sondern seien wir barmherzig, auf das auch wir Barmherzigkeit erfahren.
 
Liebe Mitchristen, wir haben einen neuen Papst. Was ist nicht alles in den letzten vier Tagen schon über ihn und von ihm gesagt und geschrieben worden. Berufene und Unberufenen haben schon das Programm für sein gesamtes Pontifikat entworfen. Gestern las ich: Papst der Armen!
Es gehört schon immer zum Wesen der Kirche für die Armen einzutreten, so wie es auch am heutigen Misereor- Sonntag geschieht. – Ich möchte jedoch den Begriff „arm“ etwas erweitern. Auch in unserer Glaubensgemeinschaft, der katholischen Kirche, gibt es Arme.
Es sind Menschen, deren Lebensentwürfe gescheitert sind und denen daraufhin seitens der Kirche das Brot des Lebens, die Heilige Kommunion, verweigert wird. Es sind Menschen die eine Lebensform oder eine Partnerbeziehung wählen, die von der Kirche nicht gebilligt wird und die deshalb öffentlich als Sünder hingestellt werden.
Hier, das ist mein persönlicher Wunsch, sollte Papst Franziskus korrigierend eingreifen, um jenen „Armen“ die volle Gemeinschaft mit und in unserer Kirche zu ermöglichen.

Liebe Gottesdienstgemeinde, beten wir für unseren neuen Papst Franziskus.
Beten wir darum, das er und seine Ratgeber, mit Hilfe des Heiligen Geistes, die richtigen Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden und sich bei ihren Entscheidungen immer wieder darauf besinnen, was Jesus gesagt und wie er gehandelt hätte.
Herr, erneuere Deine Kirche und fange bei mir an!

AMEN