In der Festschrift zum hundertjährigen Bestehen unseres Vereins sucht unser Mitglied Peter Kloke die im Dunkeln des 19. Jahrhunderts liegenden Wurzeln der Lese-Fastnacht und beschreibt die Entwicklung bis in die frühen 1960er Jahre. So wie mit anderen Äußerungen des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens unserer Vaterstadt, war und ist der Katholische Leseverein auch mit der „Kowelenzer Faasenacht“ verbunden.
Wenn auch die Begründer unserer Gesellschaft im Jahre 1863 aus anderen Motiven ihr Werk ins Leben riefen, so fand doch in späteren Jahrzehnten das althergebrachte närrische Treiben auch im Leseverein eine Pflegestätte. Mit Freude dürfen wir feststellen, dass es bis heute so geblieben ist.
Mit Maß und in Grenzen gefeierte Fastnacht ist Ausdruck des Volkstums unserer rheinischen Heimat. Darum hat die Feier dieses Volksfestes mit Recht ihren Platz im Leben unseres Vereins. Wann die ersten Sitzungen und Maskenbälle gehalten wurden, ist leider nicht festzustellen. Aus Inseraten in alten Zeitungen vor der Jahrhundertwende geht aber schon hervor, dass man jedes Jahr im Katholischen Leseverein dem Karneval huldigte. Zu Lichtmess fand meistens die erste Sitzung oder ein Ball statt. Am Schwerdonnerstag gab es die Herrensitzung, zu der Damen keinen Zutritt hatten. Daneben gab es dann noch 2 oder 3 Sitzungen mit Damen und die Maskenfeste. Zutritt hatten nur Mitglieder und von Mitgliedern eingeführte Gäste. Die Sitzungen bestritt der Verein mit Rednern aus den eigenen Reihen. Es gab Mitglieder, die als Verfasser humorvoller Lieder hervortraten, die zu bestehenden oder eigens komponierten Melodien gesungen wurden. Mancher Büttenredner, der bei den offiziellen Karnevalsgesellschaften im Residenz- Theater (heute Apollo-Kino) oder später in der alten Festhalle in die „Bütt“ steigen durfte, hatte sich seine ersten karnevalistischen Erfolge in den Sitzungen des Lesevereins errungen. So war bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 der Leseverein mit dem karnevalistischen Treiben in Koblenz eng verbunden. Besonders traten als stadtbekannte Karnevalisten unsere Mitglieder Peter Schottler, Josef Eisenach, Anton Kilzer, Moritz und August Watrinet und Jean Keil hervor, um nur einige zu nennen. Nicht vergessen sei Winand Jechel, der im Jubiläumsjahr 1963 auf 50 Jahre Vereinstätigkeit in diesem Sinne zurückblicken kann. Als in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg die Karnevalsveranstaltungen wieder aufgenommen wurden, da stand auch der Leseverein nicht zurück. Er ermöglichte es seinen Mitgliedern und deren Freunden, in altgewohnter Weise im eigenen Vereinshause Karneval zu feiern. Den Machthabern des „Tausendjährigen Reiches“ fiel es ausgerechnet zu Karneval 1937 ein, den Katholischen Leseverein gleichzuschalten; die angesetzten Veranstaltungen sollten schon ausfallen, da traten kurzentschlossen der Mosel-Hochwald-Hunsrück-Verein und der „Geländerverein“ als die Veranstalter auf. Sitzung und Maskenball waren gerettet. Man sieht, rechte Narren verstehen es, auch Diktatoren an der Nase herumzuführen!
Aus Schutt und Trümmern stand nach dem Zweiten Weltkrieg „Prinz Karneval“ wieder auf. Er und seine Anhänger fanden im Görreshaus den einzigen großen Saal in der Stadt, der trotz aller Kriegsschäden noch zu benutzen war. So diente der Görresbau nicht nur als provisorisches Landtagsgebäude, sondern auch als „Narrhalla“ der Karnevalsvereine. Auch der Leseverein selbst, der schon sehr bald wieder eine stattliche Mitgliederzahl auszuweisen hatte, setzte die Karnevalstradition in den eigenen Reihen fort. Winand Jechel und Peter Keil waren es, die mit Unterstützung des Vorstandes und eines Elferrates die ersten Sitzungen und Bälle wieder aufleben ließen. Als närrischer Präsident löste Willi Dienz Peter Keil ab. In jedem Jahr wurden jetzt Sitzung und Ball wieder durchgeführt. Als Willi Dienz 1952 aus beruflichen Gründen Koblenz verließ, wählte der Elferrat sein jüngstes Mitglied Willi Hörter als Präsidenten. Er ist es bis heute geblieben und leitet seit 1962 auch die Sitzungen der „Großen Koblenzer Karnevals-Gesellschaft“ als Präsident. Unter den Karnevalsprinzen der letzten zehn Jahre waren mehrere auch Mitglied des Katholischen Lesevereins: Werner Kratz, Heini Michiels, Paul Blaumeiser, Gerd Lütke und 1962/63 Prinz Helmut Queng. Als zu Fastnacht 1959 Koblenz keinen Prinzen gefunden hatte, da zog als Prinz des Lesevereins Winand Jechel, begleitet von Hofmarschall, Garden und Pagen im Prunkornat in das Görreshaus ein! Was den offiziellen Karnevalsgesellschaften nicht gelungen war, der Leseverein hatte es aus den Reihen seiner Mitglieder geschafft. Überraschung und Jubel der Sitzungsbesucher waren groß. Durch viele Jahrzehnte seines Bestehens gehören die Karnevals-Festlichkeiten zum Veranstaltungsprogramm des Lesevereins. Sie sind zu einer Tradition geworden, deren Pflege den Mitgliedern am Herzen liegt.
Unser Verein ist eine Besonderheit im Reigen der Koblenzer Karnevalsvereine, ist er doch gar kein Karnevalsverein. Trotzdem wird in der „Lese“ immer schon Fastnacht gefeiert; eine Karnevalssession ohne die „Lese“ gibt es nicht.
Lese-Schiff
Lassen sich die Anfänge des Karnevals in der „Lese“ heute nicht mehr genau rekonstruieren, sind doch viele Namen noch bekannt. Männer, die schon vor dem Ersten Weltkrieg den Karneval in unsrem Verein prägten, waren: Josef Eisenach, Anton Kilzer, Wienand Jechel, Moritz und August Watrinet.
Der Erste Weltkrieg zwang ebenso zur Pause wie die Gleichschaltung des Katholischen Lesevereins im Jahr 1937.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen Wienand Jechel und Peter Keil die ersten Sitzungen und Bälle wieder aufleben. Willi Dienz wurde Präsident. 1952 übergab er dieses Amt an das damals jüngste Elferratsmitglied Willi Hörter. Unser späterer Oberbürgermeister hatte sich die ersten Sporen als Protokollarius der „Lese“ verdient, wo er seinen Vater Willy Hörter sen. abgelöst hatte. 20 Jahre blieb Willi Hörter Präsident der Lese, bis ihm nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister (1972) Alfons „Itsche“ Sauerborn als neuer Präsident folgte.
Unter Itsche Sauerborn, unserem verstorbenen Ehrenmitglied, erhielten die Sitzungen jedes Jahr ein neues Motto. Der Elferrat war entsprechend kostümiert; ein neues Bühnenbild wurde gestaltet.
Über Schlossherren, Bücherwürmer, Lesezirkus und Marktplatz brachten Itsche und unser Elferrat viele Themen auf die Bühne. In dieser Zeit produzierte der Veranstaltungsausschuss den jährlichen Sessionsorden selbst. Im Werkraum von Gerhard Genzler wurden Jahr für Jahr die originell-kunstvollen Emailorden liebevoll hergestellt.
Nach 13 Jahren übergab Itsche Sauerborn 1985 das närrische Zepter an Rudi Schmidt, im „Nebenamt“ auch Präsident des Dähler Bornskrug. Die Tradition selbsthergestellter Orden blieb erhalten.
Im Jubiläumsjahr 1988 (125 Jahre Katholischer Leseverein) wurde Michael Hörter neuer Präsident, er setzt seitdem die Familientradition fort.
Im Jubiläumsjahr hatte sich der Elferrat etwas Besonderes einfallen lassen. Präsentierte er sich in der ersten Halbzeit als alte Herren aus der Zeit des Gründungsjahrs 1863, war er nach der Pause in der Gegenwart angekommen: 11 Punker, meisterlich von Artur Kraeber gestaltet. Das fast fünfstündige Programm stand unter dem Motto:
„Lese-Sitzung-Jubel-Lese, 125 Jahre immer schon gewese.“
Auch in den folgenden Jahren griff der Elferrat Themen auf und stellte die Sitzungen unter ein bestimmtes Motto.
Der „Lese“-Karneval lebt von den Aktiven des Veranstaltungsausschusses, die Jahr für Jahr mit viel Liebe und Freude die Sitzungen vorbereiten. Über viele Jahre war Itsche Sauerborn ihr „Vorsitzender“. Heute ist es Hans Breuer.
1991 wurde eine neue Ordensserie aufgelegt. Die Ära der selbstgefertigten Orden bei Gerhard Genzler ging zu Ende.
Mit der zerstörten Karmeliterkirche beginnend, wurden Koblenzer Gotteshäuser gewürdigt. Wegen des Golfkrieges sagten in Deutschland überall die Karnevalsoberen die fröhlichen Tage ab, so auch die AKK in Koblenz. Der Orden mit der Karmeliterkirche war bereits ausgeliefert, kam aber praktisch nicht zur Verleihung.
Im folgenden Jahr wurde die „frischerhobene“ Basilika St. Kastor dargestellt. Prominenteste Ordensträger waren der Apostolische Nuntius Erzbischof Dr. L. Kada und der Bischof von Stockholm, Dr. H. Brandenburg. Die Serie wurde bis 2001 fortgesetzt und ein begehrtes Sammelobjekt in Kreisen der Karnevalisten. Seit 2002 präsentieren wir alte Orden aus längst vergangenen „Lese“-Tagen in Neuauflage.
Einen Einschnitt ganz anderer Art gab es 1994. Unser Sitzungspräsident Michael Hörter wurde Prinz Karneval. Erstmals in ihrer 4 x 11-jährigen Geschichte stellt die AKK den Prinzen. Peter Burger schrieb zum Ende der närrischen Session: „Die Koblenzer Narrenwelt erlebt eine der schönsten Kampagnen der letzten Jahre. Welch ein Prinzenpaar! Michael Hörter und Karin Jost gelang es mühelos zu beweisen, dass sie alles andere als eine Notlösung waren.“
Koblenz hatte zwar einen Prinzen, die „Lese“ aber plötzlich keinen Präsidenten. Aber wir wären nicht die „Lese“, wenn wir für diese einmalige Situation keinen adäquaten Ersatz gehabt hätten. Unser Vorsitzender Dr. Ewald Thul erklärte sich bereit einzuspringen und präsentierte eine grandiose Sitzung.
1995, der Kammermusiksaal der Rhein-Mosel-Halle war eindeutig zu klein geworden, die Nachfrage nach der Lesesitzung längst so gestiegen, dass wir in den großen Saal wechseln mussten. Ein neues Bühnenbild wurde erstellt. Toni Scherpe entwarf einen riesigen Clown, der die ganze Bühne der Rhein-Mosel-Halle beherrscht. Der ganze Elferrat – bis zur Unkenntlichkeit geschminkt – steckte in bunten Clownskostümen. Dieses farbenprächtige Bild bestimmt die Lesesitzungen seitdem.
1999 besteigt einer der ganz Großen, nach 10-jähriger Abstinenz, wieder die Bütt: Werner Laube, der Redner der Klamaukpartei. Jahr für Jahr erfreut er nun – ausschließlich in der Bütt der „Lese“ – mit seinen geschliffenen Reden unser Publikum.
Peter Burger titelte in der Rhein-Zeitung nach der Sitzung dieses Jahres: „Katholischer Leseverein präsentierte das Beste aus dem Karneval der Stadt“.
In der Tat kamen und kommen viele Redner gerne zur „Lese“. Sie schätzen die gemütlich-familiäre Atmosphäre.
Unmöglich, alle Namen aufzuzählen! Einige seien doch genannt: Karl Rosenbaum, Rolf Diell, Heinz Grindel, Monika Kräber, Peter Fischer, Karl Wörsdörfer, Dieter Siefarth, Hans Nobel und viele mehr. Auch viele „Eigengewächse“ wie Sonja Werner, das „Lesequatschtett“ (Peter und Sabine Alfter, Nico Thomé und Stefan Helm), Hermann-Josef Wittbecker, Peter Kloke, Peter Iven, Dieter Balzer, Rolf Perscheid und unser neuer Protokollarius Stefan Otto gaben und geben den Sitzungen der „Lese“ eine unverwechselbare Note.
Es sind aber nicht nur die Redner, die gerne zur „Lese“ kommen. Die Koblenzer Tanzgruppen genießen einen hervorragenden Ruf. Viele von ihnen sind Rheinland-Pfalz- oder Deutsche Meister. Sie bereichern jedes Jahr unsere Sitzungen. Seit 2002 begeistert auch die Ballettschule Stützer unser Publikum.
Lassen wir nochmals Peter Burger zu Wort kommen: „Du glückliches Koblenz! Welch tolle Weine wachsen doch an den Rebhängen von Rhein und Mosel. Welch närrische Gewächse sind hier zu Hause. ‚Kellermeister’ Michael Hörter weiß nur allzu gut, in welchem Keller die besten Tropfen lagern. So präsentierte er in der ‚guten Stube der Stadt’ eine Aus-‚Lese’ der Besten des Koblenzer Karnevals.“
Katholischer Leseverein und Karneval – eine alte, doch immer jung gebliebene Tradition, die aus Koblenz nicht wegzudenken wäre.
Fazit: Et war on es immer widder scheen gewese! H. Breuer
1897 haben sich christlich orientierte Bürgergesellschaften im Verband Omnes Unum zusammengeschlossen. Dem Verband gehören neben dem Leseverein Koblenz die Bürgergesellschaften Köln, Neuss, Dortmund, Essen, Mannheim, Trier, die Gesellschaft Parlament Wuppertal und die Gesellschaft Erholung Remscheid an. Gegründet wurden diese Gesellschaften überwiegend im 19. Jahrhundert. Der Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie die gegenseitige Unterstützung sind Ziele des Verbandes.
Die beiden folgenden Gesellschaften haben eine Homepage:
Auf der Jahresversammlung im Juni 2019 wurde unser Vorsitzender Heinz-Peter Mertens für die nächsten drei Jahre zum Verbandspräsidenten von Omnes Unum gewählt.
Ohne Frage, die Veranstaltung war ein Besuch wert gewesen… so die Meinung der rund 150 Besucher in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde auf der Karthause. Es war ein Abend, den die renommierten Gesellschaften in Koblenz, das Casino zu Coblenz, der Katholische Leseverein, die Buchhandlung Reuffel, die Evangelische Kirchengemeinde und die Pfarrgemeinschaft Moselweiß-Karthause, als Gastgeber zu verantworten hatten.
Zum Hintergrund der Lesung: Um das Jahr 1500 brannten die Scheiterhaufen in Sevilla und Europa auf denen die „Hexen und Ketzer“ verbrannt wurden. Da kam Jesus auf die Welt, wurde vom Großinquisitor erkannt und sofort ins Gefängnis geworfen. Dort suchte ihn der Großinquisitor auf und setzte sich in einem langen Monolog mit Jesus auseinander. Jesus schwieg. Schon die Eingangssätze wie „Warum bist du gekommen, um uns zu stören“, ließen auf den Machtanspruch des Großinquisitors schließen, der für sich und seine Kirche die Verantwortung übernahm, die Lehre Christi den Menschen dosiert zu vermitteln, ihnen die Freiheit zu nehmen und dafür genügend zu essen zu geben.
Im übertragenen Sinne begründete er damit den Anspruch eines jeden Diktators, jedes „Rattenfängers“, mit der „richtigen“ Religion, Ideologie oder Politik die Menschen zu beherrschen, ihnen die Freiheit zu nehmen und ihnen dafür das materielle Leben hinreichend zu sichern.
Heinz-Peter Mertens / Stephan Otto / Gemeindebrief der ev. Kirchengemeinde Karthause
Unter diesem Titel verfasste Heinrich Wolf seine Chronik des Katholischen Lesevereins aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des Vereins. Sie gibt einen guten Einblick in die Geschehnisse jener Zeit, die zur Gründung unseres Vereins in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geführt haben.
Als am 20. November 1837 preußische Truppen das erzbischöfliche Palais in Köln umstellten und Oberpräsident von Bodelschwingh unangemeldet in das Zimmer des Kirchenfürsten drang, um Clemens August von Droste-Vischering zu verhaften und auf die Festung Minden zu bringen, ging ein Sturm der Entrüstung durch die deutschen Lande. Der alte Görres vernahm mit Erschütterung die Worte des Heiligen Vaters, der in einem Schreiben an alle Bischöfe der Welt gegen den Schritt Berlins protestierte. Wie einen Donnerschlag hörte die Welt die wuchtigen Anklagen seines „Athanasius“, einer Schrift, die nochmals die gewaltige innere Kraft des großen Sohnes unserer Stadt spüren ließ.
Fahne des katholischen Lesevereins
In diese Zeit reichen die geistigen Wurzeln es „Katholischen Lesevereins“ zurück. Aber der Kölner Kirchenstreit war nur ein äußeres Zeichen der tiefgehenden Auseinandersetzungen um die Position der katholischen Kirche in einer veränderten Welt. Starrem konservativem Denken stellte sich der junge Liberalismus gegenüber, der deutsche Katholizismus war in eine Entscheidung zwischen beiden Kräften gezwungen, um seinen eigenen über die Zeitlichkeit hinausweisenden Auftrag erfüllen zu können. Jahrzehnte eines heftigen inneren Ringens begannen, in das auch der Leseverein einbezogen wurde. Es hieße seine Bedeutung verkennen, wollte man in ihm nur eine spätbiedermeierliche Stätte zur Pflege der bürgerlichen Gemütlichkeit sehen. Der „Athanasius“ des großen Görres fand auch bei den Koblenzern ein begeistertes Echo. Männer aller Stände fanden sich in der Erbitterung über den Schritt der preußischen Regierung zusammen. Sie kamen in der „Donnerstagsgesellschaft“ zusammen, die ihrerseits aus einer „Dienstagsgesellschaft“ hervorgegangen war. Man besprach die politischen Ereignisse, ohne dabei allerdings auch einen guten Schoppen zu verschmähen. Es waren eben Rheinländer, die hier tagten. Die „Dienstagsgesellschaft“ fand sich nach der Flucht von Joseph Görres im Jahre 1819 nach Straßburg bei der Wirtin Thibus im „Vater Rhein“, damals Neustadt, zusammen. Die Seele dieser Gesellschaft war der Stadtrat Hermann Joseph Dietz, zu ihrem Kreis gehörten Clemens Brentano, Stramberg, bekannt als Verfasser des „Rheinischen Antiquarius“, Anwalt Adams I, der Maler M. Müller, Settegast und andere mehr. Meist waren es Angehörige der jüngeren Generation, das Alter hielt sich noch zurück. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit unter ihnen war auch K. H. Burkart, den der Oberpräsident für den Verfasser des beanstandeten Totenzettels für Joseph Görres hielt.
Als Dietz und sein Kreis von der Lebensbühne abgetreten waren, setzten J. N. Longard, Anwalt Adams, von Thimus, Dr. med. Duhr und andere ihr Werk fort und setzten sich für die katholischen Belange ein. Man sprach in diesem Kreis oft von der notwendigen Gründung eines Vereins, der auch eine gesellige Komponente haben müsse, wagte sich aber nicht so recht an eine Lösung. Mehrere Lehrer waren es nun, die die Sache tatkräftig in die Hand nahmen. So kamen dann am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1862 in den Abendstunden in der Wohnung des Lehrers Smits im Schulhaus von St. Castor die Lehrer Smits und Richartz und der Kaufmann Schweppenhäuser zusammen, um über die Gründung eines Vereins zu beraten. Das handschriftliche Original der Niederschrift über diese Zusammenkunft ist noch erhalten und befindet sich im Koblenzer Stadtarchiv in der Stadtbücherei. Diese Männer sahen mit politischem Weitblick, wie sich dunkle Wolken türmten und sich ein neuer Kampf gegen die Kirche ankündigte. Sie nahmen Kontakt mit der in der Schlinkschen Wirtschaft tagenden „Donnerstagsgesellschaft“ auf. Advokat-Anwalt Adams II entwarf ein kurzes Programm und die notwendigen Statuten und übergab sie Lehrer Richartz, der sie seinerseits seinen Freunden überbrachte. Diese trafen sich sonntagabends bei der Witwe Grünewald in der Löhrstraße 51. Nach diesen Vorbesprechungen konnte am 2. Januar 1863 im Lokal Grünewald die eigentliche Gründung des Katholischen Lesevereins durch 12 angesehene Bürger erfolgen. Der später so aktive Dr. Duhr „wollte auch erscheinen, war aber plötzlich dienstlich verhindert“. Man beriet ein vorläufiges Statut, das die Versammelten als provisorischer Vorstand am 4. Januar einem größeren Gremium zur Genehmigung vorlegten.
Am 11. Januar erfolgten dann bei einer Generalversammlung im gleichen Lokal die endgültige Gründung des Vereins und die Wahl eines Vorstandes. Auf der ersten Seite des Protokollbuches steht zu lesen: „Im Namen Gottes, dessen Segen über unserem Bunde ruhen, der unsere Beratungen leiten, unseren Entschließungen das Gedeihen geben wolle!“ Ein ernstes Grundmotiv war damit angeschlagen. Den Gründern mangelte es nicht an Tatkraft, der Vorstand wurde sofort beauftragt, bis zur Mietung eines Gesellschaftshauses Mitglieder aufzunehmen. 56 Koblenzer Bürger traten dem Verein schon am Abend des Gründungstages bei; ihre Namen gehören auch heute noch zu den angesehensten der Stadt .
In den bald gedruckten Statuten hieß es kurz und bündig: „Der Katholische Leseverein ist ein Verein Gleichgesinnter zu gemeinsamer Benutzung guter Lektüre und geselliger Erholung“. Vorsichtig war im Hinblick auf die Zeitumstände hinzugefügt; „Er bezweckt nicht die Einwirkung in öffentliche Angelegenheiten“. Neue Mitglieder sollten zuerst vom Vorstand, dann von der Generalversammlung „ballotiert“ werden. Man wollte keinen im Verein haben, der nicht innerlich dazugehörte. Schon die Gründungsberatungen ließen erkennen, dass man keinen „Schoppenverein“ anstrebte, sondern zu einem Sammelpunkt des katholischen Lebens in Koblenz werden wollte. Vor allem war man auch bemüht, das „Eindringen fremdartiger Elemente zu unterbinden“. Die Zeichen eines neuen Kirchenkampfes kündeten sich an.
Fahne des katholischen Leseverein
Unter dem Vorsitz des Advokat-Anwalts Franz Adams II begann der Leseverein seine Tätigkeit. Am 18. Januar fand bereits die zweite Generalversammlung statt, bei der der Vorstand über die Schaffung eines Vereinslokals berichtete. Man mietete das Haus des Fuhrunternehmers Meder, Löhrstraße 61, für jährlich 600 Taler. An die Mitglieder, deren Zahl inzwischen auf 76 angewachsen war, wurden Aktien von einem Taler ausgegeben. Unter dem 31. Januar 1863 berichtete die „Coblenzer Zeitung“ über das erste Stiftungsfest. In dem Bericht heißt es u.a.: „Seit dem Beginne dieses Jahres hat sich dahier eine Gesellschaft von Bürgern gebildet, welche unter dem Namen „Katholischer Leseverein“ Gleichgesinnten einen Versammlungsort zu guter Lektüre und geselliger Unterhaltung bieten soll. –
Die Eröffnung der neueingerichteten Gesellschaftslokale fand am verflossenen Sonntag durch ein Festessen von mehr als 150 Personen statt. Der Festsaal war mit den Bildnissen des Erzbischofs Clemens August und der Koblenzer Bürger J. Joseph von Görres und Hermann Joseph Dietz geschmückt. Fröhliche Lieder, ernste und heitere Reden hielten die Gesellschaft lange in freudigster Stimmung zusammen. Die Anhänglichkeit an den gemeinsamen Glauben, das Streben nach der Erhaltung der echten rheinischen Sitte und die ehrende Anerkennung der fleißigen Arbeit jedes Standes durchdrangen gleichmäßig alle Mitglieder der zahlreichen Versammlung; sie bildeten den Boden, auf dem sich alle zusammenfanden, sie bildeten das Band, welches Alle umschlang und fester aneinander schloss.“
Der Berichterstatter von anno 1863 hatte ohne Zweifel die Ziele des Vereins richtig erkannt und dargestellt. Aber die Mitglieder ruhten nicht. Als am 1. Februar die dritte Generalversammlung stattfand, zählte der Verein bereits 152 Mitglieder und hatte einen Fond, von dem der erste Wein gekauft werden konnte. Es war ein Ohm Erdener. Jedes Mitglied zahlte jetzt ein Eintrittsgeld von zwei Talern und einen monatlichen Beitrag von fünf Silbergroschen. Die vierte Generalversammlung am 8. Februar 1863 beschloss die Gründung einer Spar- und Darlehenskasse. Schultze-Delitzsch war hierbei das Vorbild. 1866 betrug die Mitgliederzahl bereits 609. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Handwerker, es folgten 106 Kaufleute, 62 mittlere und untere Beamte, 34 Geistliche, 7 Anwälte und Notare, 7 Richter, 7 Landwirte, 6 Ärzte, 4 Apotheker, 4 Arbeiter, 4 Architekten, 3 Oberlehrer und ein Regierungsassessor a.D. Kein einziger höherer Beamter der Regierung oder des Oberpräsidiums und kein Offizier wurde damals Mitglied.
Schon in den ersten Jahren des Bestehens nahm der Leseverein Verbindung mit gleichartigen Gesellschaften in anderen Städten auf. So war man mit Abordnungen auf den alljährlichen Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands in Frankfurt (1863), Würzburg (1864) und Trier (1865) vertreten. Der 1. Vorsitzende, Adams II, wird wiederholt in den Berichten neben Adolf Kolping, Prälat Thissen und August Reichensperger genannt. In Würzburg regte Adams II die Gründung katholisch-geselliger Vereine in möglichst allen Städten an und hatte damit großen Erfolg. Es kam zu Gründungen in Würzburg, Augsburg, Luxemburg, St. Wendel und Wissen.
Auf die Dauer ließ sich aber auch die Politik nicht ganz aus dem Vereinsleben verbannen. Bei den Gemeinderatswahlen Ende 1863 war Adams II als Kandidat der 2. Klasse aufgestellt worden. Zu einer Urwählerversammlung war er mit einer beträchtlichen Anzahl von Mitgliedern des Katholischen Lesevereins erschienen. Adams ergriff dabei das Wort und betonte, dass er und seine Freunde sich als „wahrhaft liberal“ bezeichnen könnten, da sie die Freiheit überall, die Freiheit für alle und jeden wollten. Auf dieser Basis sei ein Zusammengehen der einzelnen freisinnigen Parteien möglich, ja wünschenswert.
Das Jahr 1864 brachte ein Ereignis, das in der Vereinsgeschichte noch lange nachgeklungen ist. Am 19. Juni 1864 fanden sich die Mitglieder mit Angehörigen und Freunden zu einer großen Schifffahrt zum Niederwald zusammen. Die „Coblenzer Zeitung“ veröffentlichte darüber einen langen Bericht, der erkennen ließ, wie starke Eindrücke eine solche Fahrt damals auf die Menschen machte.
Da die Mitgliederzahl regelmäßig und stetig wuchs, sah sich der Vorstand ermuntert, den Bau eines eigenen Vereinshauses zu planen. Das Heim sollte „Im Herzen der Stadt“ liegen. Am 6. September 1864 wurde der Beschluss gefasst, das Haus des Waffen- und Metallwarenhändlers Paul Schäffer in der Firmungstraße zu erwerben. (Zunächst war der Kauf des Hontheimschen Hauses in der Neustadt vorgesehen.) Den Plan für den Neubau entwarf der Stadtbaumeister Nebel. Eine eigene Baukommission konnte die Planungen so beschleunigen, dass schon am 24. April 1865 die feierliche Grundsteinlegung in der Firmungstraße erfolgte. Das Aufsehen in der Bürgerschaft war groß, und noch heute ist es bewundernswert, wie schnell und zügig der kaum gegründete Verein ein solches Projekt verwirklichte. Schon damals bestand der Wunsch, das neue Vereinshaus möge zu einem Heim für alle katholischen Vereine der Stadt werden.
Görres Haus
Der Tag der Grundsteinlegung begann mit einem feierlichen Amt in der nahen Kirche zum hl. Johannes (Jesuiten), das Pastor Lorenzi von Liebfrauen zelebrierte. Der noch öde Bauplatz, der inmitten einer blühenden Flur lag, war durch Fahnen, grüne Bäume und Sträucher zu einem wahren Festplatz umgestaltet. Dechant Krementz hielt die Festansprache. Auch Advokat-Anwalt Adams II ergriff das Wort, wobei er u.a. betonte: „Alle die sind unsere Gesinnungsgenossen, denen es wahrhaftig am Herzen liegt, dass der katholische Glauben und die rheinische Sitte hierzulande erhalten bleiben.“ In den Grundstein eingemauert wurden sodann eine Urkunde, auf Pergament geschrieben, eine Münze mit dem Bild des Hl. Vaters Pius IX., ein Krönungstaler mit den Bildnissen des Landesherrn und der Königin Augusta und einen Huldigungstaler mit dem Bild König Friedrich Wilhelm IV. Adams II betonte bei der Grundsteinlegung auch: „Wir legen hinzu ein gutes Bild unserer lieben Vaterstadt Coblenz, wie sie heute ist, damit unsere Nachkommen, wenn sie vielleicht nach mehr als tausend Jahren diesen Grundstein öffnen, nicht nur lesen, was wir gewollt, sondern auch sehen, wie Coblenz im Jahre 1865 gewesen ist.“ In den Grundstein kamen aber auch je ein Schoppen Rhein- und Moselwein.
Inschrift – Görreshaus
Für den Bau des Vereinshauses war ein Kapital von 42 000 Talern erforderlich. Die Mitglieder vereinigten sich zum größten Teil zu einem Sparverein, der die erforderliche Summe in monatlichen Raten im Laufe von 10 Jahren aufbringen sollte. Diese Regelung fand allgemeine Zustimmung. Kaum acht Monate waren seit der Grundsteinlegung vergangen, als die kirchliche Einsegnung und Eröffnung der unteren Gesellschaftsräume erfolgen konnte. Wieder sprachen Dechant Krementz und Advokat-Anwalt Adams II, wobei letzterer erklärte: „Dieses Haus steht in Gottes Hand, zum Joseph Görres ist’s genannt.“ Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Beschluss gefasst, als bleibende Erinnerung an die Erbauung des Hauses alljährlich Sammlungen durchzuführen und am Christfest sechs Knaben des Waisenhauses Kemperhof ein Geldgeschenk als verzinsliche Anlage auf der Sparkasse zu hinterlegen. Eine sofortige Kollekte erbrachte 40 Taler.
1866 war der Bau dann fertig. Die ganze Stadt wurde Zeuge der Einweihung des Hauses, die am 28. Januar erfolgte. Drei Jahre hatte der Verein bestanden – und schon verfügte er über ein solches Haus! Wieder war es Advokat-Anwalt Adams II, der zahlreiche Gäste begrüßen und ein Glückwunschschreiben des Trierer Oberhirten, des Bischofs Leopold Pelldram, vorlesen konnte. Aber auch die Tochter des großen Görres hatte geschrieben, und ihr Brief verdient im Wortlaut festgehalten zu werden:
Verehrter Herr Präsident!
Görres Denkmal
Mit großer Rührung habe ich, verehrter Herr, Ihr Schreiben gelesen. Dasselbe musste für mich gerade in diesen Tagen um so ergreifender sein, da die Erinnerung an die letzten Stunden und Worte des Verstorbenen dadurch mir wieder so recht vor sie Seele traten. Und wenn vor achtzehn Jahren, gleichsam vom Jenseits aus, der selige Vater den Untergang jener Gesinnung, die Sie, mein Herr, so kräftig vertreten, so schmerzlich beklagte, und an diesen Untergang der Gesinnung auch den Untergang des deutschen Volkes geknüpft sah, und wenn derselbe alsdann sagte: ihm sei nur die Aufgabe gestellt, sein Volk wieder in die Einheit mit Gott zurückzuführen, so werden Sie mir sicherlich nicht verargen, dass Ihr Schreiben in mir den frommen freudigen Glauben erregte: es sei dem Seligen bereits gelungen, am Throne Gottes für das Heil seines Volkes zu wirken, und so sei denn Ihr Haus wirklich im wahren Sinne des Wortes das Haus von Joseph Görres.
Möge Gott geben, dass die Räume Ihres stattlichen Hauses bald zu enge werden, um alle Diejenigen zu fassen, die in gleicher Gesinnung dort vereinigt sind, um für ihr Heil und das Heil ihres Vaterlandes zu wirken!
Mit aller Hochachtung
Ihre ergebenste M. Görres
München, den 26. Januar 1866.
Görres Relief
Gemeinsam betrat man dann den großen Saal, der, gemessen an den damaligen Zeitumständen, einen überwältigenden Eindruck machte. Ringsum an den Wänden sah man die Wappen all der Städte, in denen schon Lesevereine bestanden, sie umgaben die Wappen des päpstlichen Stuhles, Kurtriers und Preußens. Über 400 Personen nahmen an dem anschließenden Festessen teil. In der Festrede des 1. Vorsitzenden, noch immer Adams II, klang aber schon die Sorge um den bedrohten Kirchenstaat, das Patrimonium Petri, auf, und in Görres feierte man den mutigen Verteidiger der Freiheit der Kirche. Zahlreiche Glückwunschtelegramme trafen aus den verschiedensten deutschen Städten ein.
Der „Katholische Leseverein“ war durch seine machtvolle Entfaltung zu einem wichtigen Faktor des öffentlichen Lebens geworden. Die Behörden wurden auf ihn aufmerksam, nicht nur im wohlwollenden Sinne. Am 5. August 1865 schrieb der Polizeidirektor in einem Bericht: „Eine große Bedeutung in sozialer und politischer Hinsicht ist diesem Verein, der gegenwärtig schon 500 Mitglieder zählt, nicht abzusprechen, weil er durch geringes Eintrittsgeld dem Bürger- und namentlich dem Handwerkerstande die Teilnahme ermöglicht und durch Verabreichung billiger Nahrungsmittel und angemessener Lektüre diese Klasse der Bevölkerung von dem gewöhnlichen Wirtshausbesuche abhält, auf der anderen Seite aber immerhin seine Kräfte zu einer gemeinsamen Aktion konzentrieren kann.“ Das behördliche Misstrauen war geweckt. Als der Kulturkampf ausbrach, wurde der Leseverein tatsächlich zu einem Zentrum aller Bestrebungen im Kampf um die Freiheit der Kirche. Am 10. August 1875 wurde der Verein polizeilich geschlossen, weil in seinen Räumen zur „Besprechung öffentlicher Angelegenheiten“ Volksversammlungen stattgefunden hätten. Auch sei im Anschluss an den Verein die „Koblenzer Volkszeitung“ gegründet und gefördert worden.
Über das Verhältnis zwischen Katholischem Leseverein und „Koblenzer Volkszeitung“ war die Polizeidirektion durch nicht unwahrscheinliche Gerüchte informiert. Danach hatte der Verein aus seiner Spar- und Darlehnskasse Mittel an die Zeitung hergegeben. Auch sollte der Redakteur frei im Leseverein wohnen. Schließlich tagte, so mutmaßte die Behörde, in einem Konferenzzimmer des Vereins täglich die Redaktionsleitung mit den Herren Dr. Duhr, Helle, Dr. Frank, Wirt Grünewald, Pfarrer Weißbrodt (St. Kastor) und Pastor Roderich (Liebfrauen). Die „Koblenzer Volkszeitung“ verlegte daraufhin vorsichtigerweise ihr Geschäftszimmer in die Kornpfortstraße. Der Vereinsvorstand musste die Liste der Mitglieder und seine Akten dem zuständigen Landrat und Polizeidirektor übergeben, der seinerseits die Namen derer an die Regierung weiterleitete, die dort von Interesse sein könnten. Dabei stellte man fest, dass auch hochgestellte Persönlichkeiten wie Kammerpräsident Dr. Settegast, Friedensrichter Mohr und Kreisgerichtsrat Gescher dem Verein angehörten. Das Vereinshaus blieb drei Monate versiegelt und der Vorstand musste wegen „politischer Betätigung und Verbrüderung mit anderen Vereinen“ 300 Taler Strafe zahlen.
Nach drei Monaten aber setzte die Strafkammer des Koblenzer Landgerichts den Vorstand außer Verfolgung und hob die Schließung des „Görresbaues“ auf. Das Überwachungsrecht der Polizeibehörde blieb aber bestehen. Aus Anlass der feierlichen Wiedereröffnung wurde in St. Castor ein Dankamt gehalten. Gleichzeitig feierte der Verein sein 12. Stiftungsfest. Mit der Beendigung des Kulturkampfes fielen für den Verein die diskriminierenden Einschränkungen.
Einen Glanzpunkt in der Geschichte des Vereins bildete das Jahr 1876. Am 24. Januar dieses Jahres wurde in seinen Räumen aus Anlass des 100. Geburtstags von Joseph Görres die „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland“ gegründet. Advokat-Anwalt Eduard Müller hielt bei der Eröffnung die Begrüßungsansprache und feierte Görres als Streiter für Wahrheit, Freiheit und Recht. Das Kernwort seiner Ansprache verdient auch heute noch erwähnt zu werden: „Seit Clemens August litt und Görres stritt, war man wieder stolz, katholisch zu sein!“
Zum 20. Stiftungsfest 1883 wurde der große Saal gründlich renoviert. Ein Chronist schrieb damals: „In seiner Vollendung wird der Saal ein Meisterwerk decorativer Kunst genannt werden müssen.“ Die an den Wänden angebrachten Sprüche entstammten den Schriften von Görres. Beim 25. Stiftungsfest galt das Hoch der Festversammlung zwei Ehrenmitgliedern des Vereins: Erzbischof Krementz und Ludwig Windthorst.
Eine bedeutende Erweiterung erfuhr der Leseverein in den Jahren 1898/99, als man den Gebäudetrakt in der soeben fertiggestellten Eltzerhofstraße errichtete. Die Grundstücke waren bereits 1891 erworben worden. Eine neuzeitliche Kegelbahn im Hof und eine Terrasse darüber schlossen die Bauarbeiten ab.
Nach Anlegung des Vereinsregisters beim Amtsgericht Koblenz wurde der Katholische Leseverein am 24. Januar 1900 unter Nr. 2 dort eingetragen. Zugleich wurden die Satzungen entsprechend dem Beschluss der Mitgliederversammlung vom 10. Dezember 1899 den Bestimmungen des neuen Vereinsrechts angepasst.
Am Sonntag, dem 19. Januar 1913, beging der Verein mit großem Gepränge sein 50. Stiftungsfest. Es begann mit einem Pontifikalamt in St. Kastor und gipfelte am Abend in einer glanzvollen Festfeier, in deren Mittelpunkt eine Treuekundgebung zu dem anwesenden Bischof Michael Felix Korum stand, der auch die Festrede hielt.
Die Vereinsgeschichte verlief jetzt in ruhigen Bahnen. In der Hauptversammlung des Jahres 1920 wurde die Anregung zum Zusammenschluss aller gleichgearteten Vereine gegeben, die zur Gründung des Verbandes „Omnes unum“ führte. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte ein solcher Zustrom an Mitgliedern ein, dass die Neuaufnahme zeitweise gesperrt werden musste. 1924 zählte der Verein fast 1600 Mitglieder. Schwere Schäden erlitt das Vereinshaus durch ein Großfeuer im Jahre 1927.
Als 1933 eine wesentliche Veränderung der politischen Verhältnisse eintrat, begann auch für den „Katholischen Leseverein“ wieder eine kritische Zeit. Dem Druck der Nationalsozialisten nachgebend, musste man sich 1937 in „Koblenzer Leseverein“ umbenennen. Viele Mitglieder verließen den Verein, um nicht neuen Satzungen folgen zu müssen, andere blieben, um die Entwicklung abzuwarten und im rechten Augenblick wieder bei der Hand zu sein. Die Hauptversammlungen waren meist nicht beschlussfähig, aber instinktiv war man sich bewusst, dass auch dieser Sturm vorübergehen musste. Und er ging vorüber. 1939 wurde das Vereinsvermögen der sogenannten Organisation „Kraft durch Freude“ zugewiesen, das Protokollbuch weist von diesem Tage ab bis zum Zusammenbruch keine Eintragungen mehr aus. Am 28. Dezember 1944 wurde das Haus Eltzerhofstraße 6 a bis auf die Grundmauern zerstört, und auch der Görresbau erlitt erhebliche Schäden.
Das Ende des Krieges und damit des Nazismus brachte auch für den Leseverein einen neuen Beginn. Im Protokollbuch heißt es unter dem 6. Juni 1946: „Heute fand nach der Befreiung vom Naziterror die 1. Mitglieder-Generalversammlung des wieder mit dem Prädikat „katholischer“ geschmückten Lesevereins statt.“ Treuhänder war Rechtsanwalt Henrich, dem Ausschuss gehörten die Mitglieder Friesner, Jechel, Keil, Linowski, Stein, Stock und Watrinet an. Als Ehrenmitglieder wirkten beim Wiederaufbau des Vereins Prälat Albert Homscheid und Anton Kilzer mit. In den ersten Vorstand wurden (nach Höhe der Stimmen) die Mitglieder Schnorbach, Dr. Chardon, Watrinet, Stein, Keil, Jechel, Geisbüsch, Stock, Linowski und Friesner gewählt. Eine Zeit harten Aufbaus begann. Am 3. Januar 1947 zählte der Verein bereits wieder 481 Mitglieder.
Der Landtag tagt im Görreshaus vom 13.10.1948 – 30.03.1951
Eine interessante Phase erlebte der Verein, als am 21. August 1947 der Landtag von Rheinland-Pfalz den großen Saal sowie weitere Räumlichkeiten des Hauses mietete, um hier seine Plenar- und Ausschusssitzungen durchzuführen. Bis zur Übersiedlung nach Mainz vollzog sich im „Görresbau“ eine wichtige Phase rheinland-pfälzischer Landesgeschichte. Zum 90. Stiftungsfest im Jahre 1953 konnte Ehrendomherr Dechant Homscheid, der den Weg des Lesevereins lange begleitet hatte, das Geleitwort zur Festschrift verfassen. Was er damals schrieb, gilt auch heute noch, auch nachdem der Verein wieder festen Grund in der Koblenzer Bürgerschaft gefunden hat und aus dem Leben der Stadt und ihrer Pfarreien nicht mehr wegzudenken ist:
„Tiefste Lebenskraft, die sich auswirken muß bei aller Lebensgestaltung, ist die Liebe, die im Mitmenschen den Bruder sieht und das Ebenbild Gottes. Auch diese Liebe war ein leuchtender Stern im Wirken des Katholischen Lesevereins und soll es bleiben in einer notvollen Zukunft.“
(K)ein Fest, wie jedes andere… Traditionelle Lesesitzung der krönende Abschluss der Saalfaasenacht
Es war wieder angerichtet, als am Mittwoch vor Schwerdonnerstag der Katholische Leseverein wieder zu seiner Kappensitzung eingeladen hat. Ein vollbesetzter Saal in der Rhein-Mosel-Halle und ein Programm, was seines Gleichen im Umkreis sucht. So hätte an dieser Stelle eine imposante Aufzählung eines an Höhepunkten reichen Programms erfolgen können…hätte. Nachdem Einzug des Elferrates mit dem Jugendcorps der Grün-Weißen aus Kölsch-Büllesbach und den Musikern aus Güls und Lay begrüßte gekonnt und routiniert der Präsident der Lese, Stephan Otto, die Gäste und stellte gleich die erste „Neuerung“ an diesem Abend vor, es sollte nicht die letzte sein. Nach vielen Jahren hat sich im Elferrat eine Wachablösung vollzogen. Viele der „alten“ Freunde haben Platz gemacht und nicht weniger als „sieben auf einen Streich“ haben sich jetzt neu im Elferrat eingefunden. Kurzfristig musste Dr. Oliver Tissot wegen Krankheit seinen Auftritt bei der Lese absagen. Eine kleine Klippe, die aber ohne aufzufallen, geschickt bis zum Besuch des Koblenzer Tollitätenpaares umschifft wurde. Der herzliche Besuch von Prinz Sven und Confluentia Lisa mit dem Gefolge der KG Rheinfreunde war für beide Seiten sicherlich ein Höhepunkt. Jetzt sollte sich ein erstes Highlight in der Rednergilde ankündigen….sollte… Einige Minuten vorher wurde dem Präsidenten mitgeteilt, dass es eben nicht zu einem Auftritt kommen sollte. Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung. Was tun? Wie überbrückt man 25 Minuten eingeplante Redezeit? Vorziehen….Fehlanzeige…..schunkeln….hatten wir schon…..tanzen? Zweimal nach Gang?…..geht nicht…und nun? Kurzerhand hat der Präsident sich das Handy von Bühnenmeister Olav Kullak geschnappt, wo sein Protokoll abgespeichert war und ab ging’s mit der Bütt nach vorne. So hatte die Lese doch noch sein Protokoll bekommen, einzigartig…wohl kaum einer lässt sein Protokoll vom Handy aus vortragen, bei der Lese schon…. Nach diesen „holprigen“ Anfangszeiten haben die Tanzdarbietungen der Grün-Weißen aus Kölsch-Büllesbach, der Funnys der Fidele Mädcher aus Wallersheim und die Showtanzgruppe des NCW aus Wallersheim die Besucher mitgerissen. Altmeister Detlev Schönauer präsentierte Alltagsgeschichten und hat den absoluten Höhepunkten, Volker Weininger in seiner Paraderolle als Sitzungspräsident, und Bernd Stelter den Weg bereitet. Ein unterhaltsamer Abend, vielleicht etwas zu lange, war eben kein Abend, wie jeder andere – er war besonders in jeder Hinsicht.
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Das »Next magazin« hat eine Reportage über die Lese-Sitzung 2023 online gestellt.
Liebe Lesefamilie, wir erleben eine sehr schwierige Zeit. Dem noch nicht besiegten Corona folgte im Februar 2022 der Ukraine-Krieg, letztendlich mit Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Wir sehen deutlich die Gefahren, die sich aus der Vernetzung der Welt ergeben, seien es unterbrochene Lieferströme oder wegfallende Lieferanten. Die dramatisch steigenden Energiepreise bringen dazu die Wirtschaft durcheinander und die Menschen in Deutschland an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.
Im ersten Halbjahr 2022 sind insbesondere das Neujahrskonzert und die Lesesitzung erneut ausgefallen, für 2023 dürfen wir hoffen, dass beides stattfinden kann.
Durchführen konnten wir unsere Besinnung mit Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius und geplant ist eine Adventsbesinnung für Dezember mit Dekan Thomas Darscheid. Ausflüge über die Region hinaus konnten wegen zu geringer Teilnahmezahlen nicht stattfinden, aber wir konnten dieses ersetzen durch interessante Zusammenkünfte, sei es an der Elisabeth-Kirche, auf dem jüdischen Friedhof, in den Festungsanlagen in Koblenz oder auch in Ehrenbreitstein. Mit solchen Veranstaltungen wollen wir auch im Jahr 2023 fortfahren.
Die Corona-Zeit hat dazu geführt, dass unser Mitgliederbestand weiter gesunken ist, insbesondere bei fehlenden Aktivitäten konnten nahezu keine neuen Mitglieder gewonnen werden. Umso mehr freuen wir uns, einige begrüßen zu dürfen. Ich darf Sie aber aufrufen, auf unseren Verein mit seiner langen Tradition hinzuweisen und über Veranstaltungen Mitglieder für uns zu werben.
Nennen darf ich auch noch die gemeinsamen Veranstaltungen mit Casino zu Coblenz, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde Karthause, die zu einer Lesung mit Herrn Kammerschauspieler Hermann Burck aufgerufen hatten. In den Räumen des evangelischen Gemeindehauses konnten wir eine große Anzahl von Interessierten begrüßen, was uns Mut macht mit solchen Veranstaltungen auch weiter zu verfahren.
Aus dem Verband »omnes unum« ist zu berichten, dass es den anderen Vereinen nicht anders als uns geht. Jeder versucht mit seinen Möglichkeiten den Mitgliedern attraktive (kleinere) Veranstaltungen zu bieten.
Im Oktober fanden Neuwahlen des Vorstandes statt, leider war die Veranstaltung nicht gut besucht. Ich wünsche mir hier mehr Präsenz. Als Vorsitzender wurde ich im Amt bestätigt, ebenso mein Stellvertreter Johannes Thul. Zusammen mit dem gesamten Vorstand wollen wir versuchen, den Verein zukunftsfähig zu machen oder zukunftsfähig zu halten. Neu als Schatzmeisterin wurde Sarah Renda vom Vorstand gewählt, nachdem sie in der Mitgliederversammlung Veranstaltung erstmalig als Beisitzerin kandidierte. Ebenfalls neu in den Vorstand gewählt wurde Claus Conzen, wiedergewählt Hermann-Josef Bretz, Dieter Gube, Manfred Kilian und Hans Georg Zündorf. Angela Hönnecke kandidierte ebenso wie Horst Dany nicht mehr für eine weitere Amtszeit.
Bei Diakon Horst Dany darf ich mich für seinen Einsatz in unserem Verein bedanken, insbesondere für seine geistlichen Worte nach dem Tod unseres geistlichen Beirats Peter Bleeser. Auch wurde Manfred Diehl als Beisitzer nicht wiedergewählt. Wie alle Jahre müssen wir auch den Tod zahlreicher Vereinsmitglieder beklagen, die teilweise Jahrzehnte Mitglieder unseres Vereins waren, so unser ehemaliger Kassenprüfer Heinz Adams wie auch Pfarrer Franz Mockenhaupt und unsere 101-jährige Irmgard Heitger. Alle unsere Verstorbenen und neuen Mitglieder finden Sie im Innenteil.
Mein Dank richtet sich an den gesamten alten und neuen Vorstand, verbunden mit der Hoffnung, auch in den nächsten Jahren den Verein für Mitglieder attraktiv zu halten. Unsere Gesellschaft braucht das Engagement von jungen und alten Menschen. Das gilt in der Politik, aber auch im kulturellen Vereinsleben. Ein gesellschaftlich tätiger Verein bringt Menschen aus unterschiedlichen Berufen mit den individuellen Erfahrungen zusammen – das lässt über den Tellerrand des eigenen Berufs blicken.
Heinz-Peter Mertens Vorsitzender des Vorstands (seit 2016) Seit September 2012 Vorstandsmitglied im Leseverein. Vertreter der „Lese“ beim Dachverband Omnes Unum . Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist seit 2013 Bezirksvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschafts-vereinigung der CDU (MIT). Von 2003 bis 2008 war er Kanzler der Kaiser Ruprecht Bruderschaft, Rhens.
Johannes Thul Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands (seit 2016) Er wurde im Juni 1993 in den KLV aufgenommen und im September 2013 in den Vorstand gewählt. Der Dipl. Kaufmann und Steuerberater war Schreiber der Kaiser Ruprecht Bruderschaft, Rhens http://www.kaiser-ruprecht-bruderschaft.de/ . Er ist vielfältig ehrenamtlich engagiert. Den Leseverein vertritt er im Dachverband Omnes Unum.
Hermann-Josef Bretz Beisitzer seit Oktober 2019
Claus Conzen Beisitzer seit Oktober 2022
Dieter Gube Beisitzer seit Oktober 2015 Der „gelernte“ Koblenzer Dieter Gube ist mit 11 Monaten in den Stadtteil Rauental gekommen, dort aufgewachsen und bis heute auch ansässig. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft, Geschichte, Kunstgeschichte und teilweise auch der kath. Theologie war er tätig beim Europaparlament und beim Landtag Rheinland-Pfalz. Mit der Auflösung des Landeskuratoriums Unteilbares Deutschland, dessen Landesgeschäftsführer er war, wechselte er nach der Dt. Einheit als Bildungsreferent zur Landeszentrale für politische Bildung in Rheinland-Pfalz.
Dr. Ewald Thul † Vorsitzender von 1978 – 2016, Ehrenvorsitzender seit 2016. Der ehemalige Landgerichtspräsident wurde 1967 Mitglied im KLV und im gleichen Jahr Vorstandsmitglied. Seit 1977 ist er mit Freude Vorsitzender. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind die Verpflichtung guter Referenten für die Besinnungstage in der Fastenzeit und im Advent sowie die Organisation des Neujahrskonzertes. Er legt stets großen Wert auf eine positive Darstellung des Vereins in der Öffentlichkeit.
Hans Breuer ausgeschieden 2016, ehemaliger Schatzmeister Hans Breuer ist eigentlich über den Karneval zur Lese gekommen. Der Steuerberater ist seit 1993 Mitglied im Vorstand. Nach dem Ausscheiden von Heinz-Dieter Maahs hat er die Funktion des Schatzmeisters übernommen breuer
Manfred Diehl (ausgeschieden 2022) Der EDV-Experte im Vorstand, dem er seit 2007 angehörte. Im Hauptberuf „Sparkassenbetriebswirt und Immobilien- berater “ oblag ihm die Erfassung der Mitgliederdaten, Bankeinzug u.a.m. Als Karnevalist ist er natürlich Mitglied im Veranstaltungsausschuss. Das Ratsmitglied engagiert sich stark in „seinem Dahl“, er ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates Hl. Kreuz, Ehrenbreitstein. Im November 2013 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.
Alfred Schweitzer, ausgeschieden 2016, ehemaliger Beisitzer Er kam 1981 zum KLV und wurde 1989 Vorstandsmitglied. Im Veranstaltungsausschuss trägt er zum Gelingen der Lesesitzung bei. Bei den vielfältigen Veranstaltungen des KLV sorgt er für das leibliche Wohl der Mitglieder. schweitzer Stephan Otto, ausgeschieden 2016, ehemaliger Beisitzer Organisiert seit vielen Jahren die karnevalistische Lese.
Günther Zenzen † Seit 1957 Mitglied im KLV und seit 1967 Vorstandsmitglied. Für seine besonderen Verdienste wurde er 1991 zum Ehrenmitglied ernannt. Zu Zeiten als der Leseverein noch Bälle durchführte, war er hierfür verantwortlich. Zuletzt war er der „Kellermeister“ der Lese, zuständig für den Weinhandel.
Hans-Eugen Lambert Geschäftsführer aus dem Vorstand ausgeschieden zum 31.12.2015
Joseph Müller † ausgeschieden 2015 Er wurde 1961 zum Priester geweiht und war Kaplan in Saarbrücken und Waldbreitbach tätig. Nach seiner Verwendung als Militärpfarrer von 1966 -1978 war er bis 1984 Pfarrer in Waxweiler und Lambertsberg. 1984 übernahm er die Pfarreien St. Goar und Niederburg. Seit 2000 lebt er im Ruhestand. Mitglied im Katholischen Leseverein ist er seit 2002. Geistlicher Beirat von 2010 bis 2015.
Heinz-Dieter Maahs zum 31.12.2014 ausgeschieden Der ehemalige Bürgermeister unserer Stadt ist seit 1969 Mitglied des Lesevereins und war von 1989 bis zum 31.12.2014 auch im Vorstand. Seiner früheren Tätigkeit als Stadtkämmerer entsprechend, zeichnete er als Schatzmeister dafür verantwortlich, dass die „Groschen“ beisammen blieben. Neben seinem Engagement für die Philosophisch-Theologische Hochschule der Pallottiner ist er noch in einer Reihe anderer Vereine aktiv und gestaltete viele Jahre federführend den „Lesebrief“.
Mitbegründer des Kath. Lesevereins geboren 23.11.1828 in Koblenz gestorben 11.09.1891 in Koblenz
Am 11. Januar 1863 war der Gründungstag des noch heute in Koblenz bestehenden Katholischen Lesevereins. Mitgründer und bis 1887 dessen erster Vorsitzender war der Advokat-Anwalt Justizrat Philipp Joseph Franz Adolf Adams. Am 24.04.1865 legte er den Grundstein für das (heute vom Staatsorchester Rheinische Philharmonie genutzte und nach Görres benannte) Vereinsgebäude in der Eltzerhofstraße. Es wurde 28.01.1866 eingeweiht.
Der Leseverein ist eine Laienorganisation, die den katholischen Bürgern aller Stände zugänglich ist. In den Anfangsjahren bot sie ihren Mitgliedern katholische Literatur und Zeitungen an, aber auch Geselligkeit mit Bällen, Feiern, Vorträgen, Essen und Stammtischen. Der Leseverein öffnete den Bürgern den Zugang zu einer gepflegten Geselligkeit, die bis dahin nur den „oberen“ Schichten zugänglich war, z.B. im „Casino“. 1924 zählte der Leseverein rund 1600 Mitglieder.
Adams engagierte sich aber nicht nur im Leseverein, sondern in vielen anderen Einrichtungen des Berufsstandes und des Gemeinwesens. In der Häufung der Ehrenämter und wohl auch im Ansehen der Bürger übertraf er sogar seinen Vater, Anwalt und Justizrat Franz Peter Adams . 1864 übernahm Adams jun. die Aufgaben des stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Katholikenversammlung in Würzburg. Ab 1864 gehörte er dem Stadtrat an. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Tode 1891. Dazu kamen ab 1877 die Aufgaben des Beigeordneten. Ab 06.02.1878 war Adams jun. als Vertreter der Stadt Koblenz Mitglied des preußischen Herrenhauses und ab 1885 auch Mitglied des Landtages der Rheinprovinz, der ihn bald darauf zum stellvertretenden Vorsitzenden berief. 1882 wurde er zum Justizrat, 1888 zum Geheimen Justizrat ernannt.
Ohnmächtig musste Adams mit ansehen, wie in dem von den Preußen entfachten Kulturkampf am 10.08.1874 der Leseverein verboten und das Görreshaus geschlossen wurde. Der Verein zählte 500 Mitglieder. Man warf ihm vor, in den Vereinsräumen Volksversamm-lungen durchzuführen. Unbestechlich gegenüber der allmächtigen Staatsgewalt, war der aufrechte Katholik Adams mit der Entscheidung des Konzils 1869 über die Unfehlbarkeit des Papstes nicht einverstanden. Eine in Königswinter entstandene Erklärung erhielt 1359 Unterschriften. Am 18.07.1870 kam es in Koblenz im Zuge der innerkirchlichen Auseinandersetzung zur Gründung einer Altkatholischen Kirchengemeinde. Sie hielt im März 1873 ihren ersten Gottesdienst und zählte 1877 rund 250 Mitglieder. Adams trat zwar nicht aus der Kirche aus, blieb aber nahezu zehn Jahre kirchlichen Veranstaltungen fern.
Zu erwähnen wäre noch, dass das Lenné-Denkmal in den Rheinanlagen von Adams stammt. Die Porträtbüste ist ein Abguss jener Büste, die der Berliner Bildhauer Christian Daniel Rauch im Auftrag des Königs Friedrich Wilhelm IV. geschaffen hatte. Die Erben von Adams, dessen Mutter eine geborene Lenné und Schwester des berühmten Gartenarchitekten war, schenkten die Büste 1895 der Stadt Koblenz.
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