Osterpredigt von Diakon Horst Dany

 

 

Schwestern und Brüder, im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus,
im Jahr 2004 erschien ein Film des Regisseurs Mel Gibson mit dem Titel .“Passion Christi“ Er wurde von Besuchern wie auch Kritikern sehr kontrovers aufgenommen und tatsächlich sind die Gewaltszenen nur schwer zu ertragen. Der Körper des Jesus Darstellers bestand bei der Kreuzigung tatsächlich, wie es in der Bibel heißt, nur noch aus „Beulen Striemen und Wunden“.
Bei der Auferstehung jedoch, die sehr zurückhaltend dargestellt wurde, erschien, nach dem der Stein vom Grab weggewälzt war, in hellem Licht die unversehrte schöne Gestalt eines Mannes, makellos, makellos bis auf die fünf Wundmale.
Ich habe diesen Film gemeinsam mit Teilnehmern meines Gesprächskreises im Koblenzer Gefängnis geschaut und Im Anschluss ihnen einen Fragebogen mitgegeben, den sie bis zum nächsten Treffen beantworten sollten: was fand Ich gut, was fand ich weniger gut oder schlecht, was habe ich nicht verstanden.
In der darauffolgenden Woche gab es eine lebhafte Diskussion und dabei tauchte auch die Frage auf:
Ja, liebe Mitchristen, ich gestatte mir zu sagen: Jesus Ieidet auch an seiner Kirche. Einer Kirche, die seine Botschaft nicht mehr zum Strahlen bringt. Einer Kirche mit einem festgefahrenen Lehramt und einer verkrusteten Tradition.
Bei Mk (10, 13-16) heißt es: Man brachte Kinder zu Jesus. dass er sie segne. Doch die Jünger wiesen die Leute schroff ab. Darüber wurde Jesus ärgerlich und sagte: lasst die Kinder zu mir kommen.
Es gab also schon damals Menschen, die glaubten entscheiden zu können, wer zu Jesus darf und wer nicht, und das hat sich bis heute leider nicht verändert.
Und an anderer Stelle sagt Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. (MI 11 ,28).
Diese Botschaft, von der Annahme der Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation, muss die Kirche verkünden, dann nähert sie sich Wieder der original Botschaft Jesu an.
Schwestern und Brüder, es stimmt mich nachdenklich und traurig, wenn ich lese, dass Statistiker errechnet haben, dass im Laufe dieses Jahres der Anteil der Menschen, die in Deutschland einer der christlichen Kirchen angehören unter 50 % sinken wird. Damit geht eine Jahrhunderte alte Tradition zu Ende.
Wenn der geschundene Leib auf wundersame Weise Wieder schön geworden war, warum hat er dann noch die fünf blutigen Wundmale getragen?
Kurz gedacht könnte man meinen. Damit der zweifelnde Apostel Thomas auch zum Glauben kommt, wie wir im Evangelium am Sonntag nach Ostern erfahren werden.
Nein liebe Gottesdienstgemeinde, ich habe eine andere Erklärung dafür. Im Evangelium nach Matthäus heißt es im letzten Satz des letzten Kapitels:
„Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (MI 28,20)
Jesus ist noch in dieser Welt, und seine immer noch Sichtbaren Wundmale erinnern uns, aber auch ihn an sein Leiden. Und sie brechen immer wieder auf und beginnen zu bluten, wenn Menschen leiden.
Jesus leidet mit den Müttern, die mit ihren Kindern auf der Flucht sind und die nicht wissen, ob sie den Vater lebend wiedersehen. Er leidet auch mit den Männern in den Schützengräben. Er leidet mit den Menschen in Syrien, mit den Menschen im Jemen, in Äthiopien und anderen Krisengebieten unsere Welt, mit jeder leidenden, gequälten und geschundenen Kreatur.
Seine Wunden brechen erneut auf und beginnen zu bluten, wenn in Afrika Kinder in den Armen ihrer Mütter verhungern.
Und dennoch, liebe Gottesdienstgemeinde, feiern wir Ostern und singen Halleluja und meine realistische Schilderung unserer Situation soll ihnen nicht die Osterfreude austreiben.
Um all das Negative um uns herum durchzustehen und vielleicht sogar ins Positive zu verwandeln, brauchen wir Ostern, brauchen wir Auferstehung und den Glauben an die Auferstehung.
Auferstehung zu neuem Leben, Vielleicht m unserem persönlichen Bereich aber ganz gewiss auch in unserer Kirche.
Das Grab ist leer, doch Jesus ist noch in dieser Welt. Wenn wir darauf unsere Hoffnung aufbauen dürfen wir uns frohe Ostern wünschen. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, möge unsere Gedanken und unsere Herzen in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahren.
AMEN